Heiliger des Monats Dezember »Heiliger Bischof Nikolaus von Myra«


Der »Heilige des Monats Dezember« ist der heilige Bischof Nikolaus von Myra. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 6. Dezember.


Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion – heute untergegangener Ort, Namensgeber eines katholischen Titularbistums – nahe seiner Heimatstadt eingesetzt. Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme: so bewahrte er mehrere junge Frauen aus seiner Nachbarschaft in seiner Heimatstadt Patara, indem er heimlich Geld durchs Fenster – oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken – warf, so für eine ausreichende Mitgift sorgte und verhinderte, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste; deshalb gilt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder; eine sehr alte Fassung der Legende behauptet, er habe das Geld seinen Eltern gestohlen, was an eine spätere Legende von Franziskus erinnert.

Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land, nach seiner Rückkehr wählte die Gemeinde Myra ihn zum neuen Bischof und damit zum Nachfolger von Nikandros von Myra. Die Legende zeichnet Nikolaus als temperamentvollen Streiter und zugleich als Mann der fähig war, diplomatisch zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Bei einem Aufstand von in Phrygien stationierten germanischen Söldnern begegnete er in Myra hohen Offizieren aus Konstantinopel – dem heutigen Istanbul, bei denen er nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte Nikolaus der Überlieferung zufolge wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen. Er rettete Schiffbrüchige, deshalb ist er Patron der Seefahrer. Um ein in Seenot geratenes Schiff zu retten mit drei Pilgern, die von Ephesus – heute Ruinen bei Selçuk – ausfuhren mit für eine christliche Kapelle bestimmtem heiligen Öl, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. 1 Drei ermordete und von Kannibalen bereits in einem Fass zu Pökelfleisch zubereitete Knaben erweckte er wieder zum Leben; Hintergrund dieser Legende ist wohl das um den Nikolaustag üblich gewesene Schlachten vor Weihnachten.

Nikolaus zerstörte mehrere Tempel der Heidengöttin Diana / Artemis, die in den Küstenorten Lykiens als Patronin der Seefahrer verehrt wurde; ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste: Nikolaus‘ Gedenktag 6. Dezember ist Dianas Geburtstag. Während der bald schon einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. 325 nahm Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Überliefert ist, wie er kämpferisch gegen die falsche Lehre des Arianismus vorging; die Legende erzählt, dass er deren Verfechter Arius während des Konzils geohrfeigt habe. Auch mit seinem Freund Bischof Theognis von Nicäa – dem heutigen Íznik -, der den Auffassungen des Arius zuneigte, führte Nikolaus heftige Diskussionen; schlussendlich gehörte Theognis zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses von Nicäa. „Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen“, zitiert später Andreas von Kreta den Vermittler Nikolaus. Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Gesicherte historische Nachrichten über das Leben und Wirken von Nikolaus gibt es nicht. In der Überlieferung vermischten sich Nachrichten über einen Abt Nikolaus von Sion nahe Myra und solche über den Bischof Nikolaus aus dem nahen Pinara bei Minare nahe Fethiye. Der Kult um Nikolaus entwickelte sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Kaiser Justinian weihte ihm Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul, in der auch einige Reliquien verwahrt wurden. Der Kult verbreitete sich auch in Griechenland, wo er als „Hyperhagios“, „Überheiliger“, verehrt wird, und kam dann in die slawischen Länder. Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der Verehrung unmittelbar nach Maria. Nikolaus wurde einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen legendären Erzählungen, die vor allem seine menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen. Sein aufgebrochener, leerer Sarkophag wird noch heute in der wieder hergestellten Nikolaus-Basilika in Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.

In Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein, er verbreitete sich dann zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa. Schon Friesen-Missionar Liudger baute der Überlieferung nach die erste deutsche Nikolauskapelle im münsterländischen Billerbeck. 972 brachte Kaiserin Theophanu anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. eine Reliquie – 1660 als „Fingerknochen“ beschrieben – aus Byzanz mit; sie befand sich seit 1058 in der Nikolaus geweihten Kapelle am südlichen Seitenschiff des Domes in Worms und ging 1688 bei der Zerstörung des Domes im Pfälzer Erbfolgekrieg verloren. Um 980 entstand in Deutschland die erste Nikolauskirche im Kloster Brauweiler. Im April 1087 wurden die Gebeine von Nikolaus, dem Patron der Seefahrer, durch Abenteurer aus der Hafenstadt Bari, die auf drei Schiffen anreisten, aus dem Marmorgrab der Nikolaus-Basilika in Myra entwendet und in ihre Heimatstadt entführt. Dort errichtete man auf den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes die monumentale Basilika S. Nicola, die Papst Urban II. 1098 weihte; als Translationstag gilt der 8. Mai, der in Bari mit einem großen Unzug begangen wird.

Angeblich die Hälfte dieser Reliquien kam dann nach Venedig in die Kirche San Nicolò di Lido, an der die Seeleute der Marine ihren Truppenübungsplatz hatten; noch heute wird dort alljährlich an Christi Himmelfahrt (inzwischen am Sonntag danach) die „Sposalizio del Mare“, die „Meereshochzeit“, gefeiert. 1098 brachte der Kreuzzugsteilnehmer Aubert de Varangéville aus Bari ein Fingerglied der Segenshand des Heiligen nach Port – dem heutigen St-Nicolas-de-Port – in Lothringen, wo 1093 eine erste Kirche errichtet wurde; sie wurde ein bedeutendes Wallfahrtsziel. Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert wurden diesseits der Alpen mehr als 2200 Kirchen nach Nikolaus benannt. Nikolaus ist Patron auch der Pfandleiher und Bankiers aufgrund der Legende um das Geld, das ein Christ höher stellte als sein Versprechen: Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, beim heiligen Nikolaus versprochen, das Geld pünktlich zurückzugeben. Aber er tat es dann nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung zum Schwur kam, benutzte er einen Trick: er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei halten könne; dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann den Stab wieder und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Zur Strafe kam der Christ danach unter einen Wagen und starb; der Jude aber zeigte sich großzügig: er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke, was dann auch geschah, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.

Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des „Bischofsspieles“ in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag – zuerst am Tag der „Unschuldigen Kindlein“, dann am Nikolaustag – als „Bischof“ fungieren durfte; in der Schule des Klosters Montserrat wird dieser Brauch bis heute gepflegt. Daraus entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt. Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Ansatzpunkte für das Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden. Als Gegenpol zum gütigen Nikolaus, der die Kinder beschenkt, bekam er in verschiedenen Ländern seit dem 17. Jahrhundert Begleiter zur Seite gestellt: in Deutschland Knecht Ruprecht, in Frankreich Père Fouettard, in der Schweiz Schmutzli, in Österreich und Bayern Krampus, der mit Bocksfuß, Teufelsfratze und Kettenrasseln die weniger Braven einschüchtern soll, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den Zwarte Piet, der einen gezähmten Teufel darstellen soll. In der Gegend um Berchtesgaden sind noch wildere Erscheinungsformen als Volksbrauch geläufig: die mit Stroh verkleideten Perchten oder Buttnmandl. Am 6. Dezember wurde nach früherer Perikopenordnung das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäusevangelium 25, 14 – 23) erzählt: Drei Knechten wird jeweils Geld anvertraut; jeder muss Rechenschaft ablegen, was er mit dem Geld gemacht hat. Der bekannte Brauch der Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav und fromm gewesen seien, geht auf diese Praxis zurück. Ursprünglich war der Nikolaustag – nicht Weihnachten – der Tag der großen Bescherung mit Geschenken; in einigen Ländern ist er dies heute noch.

Er ist von Patron von Russland, Lothringen; von Rosenheim in Bayern, Amsterdam, Kanton und Stadt Fribourg in der Schweiz, Bari, Meran und Lagonegro bei Potenza in Italien, Alicante in Spanien, Spetses in Griechenland und New York; der Kinder, der Schüler, Mädchen, Jungfrauen, Frauen mit Kinderwunsch, Gebärenden und alten Menschen, der Ministranten, Feuerwehr, der Pilger und Reisenden; der Sinti und Roma, der Gefangenen, Diebe und Verbrecher, der Eigentümer und Bettler; der Seeleute, Schiffer, Fischer, Flößer, Schiffsbauer, Matrosen und Fährleute, der Kaufleute, Bankiers, Pfandleiher; der Richter, Rechtsanwälte und Notare, der Apotheker, Bauern, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und -händler, Schneider, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Knopfmacher, Brückenbauer, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Kerzenzieher; für glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen Wassergefahren, Seenot und Diebe; (zweiter) Patron des Bistums Lausanne-Genf-Fribourg und des Bistums Bari-Bitonto.

(Quelle: heiligenlexikon.de)

Gebet zum heiligen Bischof Nikolaus von Myra

Gott, du Spender alles Guten, hilf uns auf die Fürsprache des heiligen Nikolaus in aller Not und steh uns bei in jeder Gefahr. Gib uns ein großmütiges Herz, damit wir anderen schenken, was wir empfangen, und den Weg des Heiles ungehindert gehen. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Fest des Heiligen)

Heiliger des Monats November »Heiliger Albertus Magnus«

Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 15. November.

Heiliger Albertus Magnus

Albertus stammte aus einer Ministerialenfamilie, sein Vater übte wohl die Herrschaftsrechte der Staufer in Lauingen 1 aus. 1222/1223 lebte er bei einem Onkel in Venedig und studierte an der damals neuen, renommierten Universität im Palazzo Bo in Padua. Nachdem er den neuen Generalminister des Dominikanerordens, Jordan von Sachsen kennen gelernt hatte, trat er 1223 in den noch jungen Orden ein und studierte weiter in der am Kölner Dom angesiedelten Schule. 1243 bis 1244 lehrte er an der theologischen Fakultät in Paris, wo auch Thomas von Aquin sein Schüler war, und wo er 1245 zum Magister der Theologie promoviert wurde. 1248 wurde Albertus als erster Leiter des Studium generale nach Köln geschickt, wo er eine Ordensuniversität gründete, aus der sich später die Kölner Universität entwickelte. Er förderte den Plan zum Bau des Kölner Domes und richtete Ausbildungsstätten am Dominikanerkloster in Straßburg – an der Stelle des heutigen Temple Neuf – sowie am Kloster in Freiburg im Breisgau und in Hildesheim ein.

Albertus wurde 1254 im damaligen Kloster – an der Stelle der heutigen Hauptpost – in Worms zum Provinzial der Dominikanerprovinz „Teutonia“ gewählt. Er bereiste in diesem Amt den Westen Europas, oft zu Fuß, wanderte von Kloster zu Kloster und sorgte für die Einhaltung der strengen Regeln. 1256 verteidigte er gegenüber der Kurie des Papstes in Anagni das Konzept der Bettelorden gegen die Angriffe v. a. aus der Pariser Universität; dort griff er in einer öffentlichen Disputation auch den Averroismus 2 an, woraus seine Schrift „De unitate intellectus contra Averroistas“, „Über die Einheit des Verstandes, gegen die Averroisten“ wuchs, die dann Thomas von Aquin rezipierte. Im Gehorsam gegenüber dem Willen von Papst Alexander IV. und gegen den des Ordensgenerals übernahm Albertus 1260 das herunter gewirtschaftete Bistum Regensburg. Er war zwei Jahre Bischof von Regensburg und warb dann im Auftrag von Papst Urban IV. 1263/64 in Böhmen und Deutschland mit Predigten für den 7. Kreuzzug. 1264 bis 1266 lehrte er in Würzburg 3, danach in Straßburg, bevor ihm der Papst um 1269 die Rückkehr in die Ruhe des Klosters bei St. Andreas in Köln erlaubte. 1271 vermittelt er hier wieder zwischen dem Erzbischof und der Stadt; insgesamt sind über zwanzig Schiedsverfahren und Friedensschlüsse durch Alberts Vermittlungen bezeugt. Unsicher ist die Überlieferung, nach der er 1277 die Lehren des Thomas von Aquin an der Pariser Universität verteidigte.

Albertus war einer der ganz großen theologischen Lehrer des Mittelalters, deshalb auch „Doctor expertus“, „erfahrener Lehrer“ und „Doctor venerabilis“, „verehrungswürdiger Lehrer“ genannt. Und er war einer der ersten großen mittelalterlichen Naturwissenschaftler in den Fächern Medizin, Biologie, Chemie, Physik, Astronomie und Geografie, daher sein Ehrenname „Doctor universalis“. Aber auch der Verdacht der Zauberei wurde deshalb gegen ihn erhoben. Seine Wiederentdeckung der Naturwissenschaften ergab sich aus der Einführung der aristotelischen Philosophie in die mittelalterliche Scholastik, bei der Albertus zur Schlüsselfigur wurde. In den scholastischen Kreisen des frühen 13. Jahrhunderts waren die Werke von Aristoteles weithin abgelehnt worden, die Kenntnisse der kirchlich geschulten Scholastiker beschränkten sich auf Aristoteles‘ Logik, wie sie in der Tradition von Augustinus und den Neuplatonikern ausgelegt wurde. Albertus beschäftigte sich eingehend mit den Schriften von Aristoteles, unterzog sie einer gründlichen Untersuchung, kommentierte sie und widersprach ihnen gelegentlich aufgrund eigener sorgfältiger Beobachtungen. Seine Gelehrsamkeit umfasste auch arabisches und jüdisches Gedankengut. Er verfasste grundlegend neue Werke und war zu seiner Zeit mit der Autorität des Aristoteles zu vergleichen. In seiner „Summa Theologiae“, seiner umfassenden Darstellung der Theologie, erschienen um 1270, versuchte er aristotelisches Gedankengut mit den christlichen Lehren zu vereinen. Menschliches Denken könne die Offenbarung nicht widerlegen, gleichzeitig sei aber auch das Recht des Philosophen zu verteidigen, die göttlichen Mysterien zu erforschen. Das Werk blieb unvollendet, es wurde sicher zur Inspiration für das gleichnamige Monumentalwerk von Albertus‘ Schüler Thomas. Albertus blieb zeitlebens ein frommer Beter und ein demütiger und bescheidener Mensch. Auch als Bischof von Regensburg behielt er die Fußbekleidung eines Bauern bei und bekam deshalb auch den Kosenamen „Bischof Bundschuh“.

Albertus‘ Reliquien ruhen in der Kölner St.-Andreas-Kirche, seine Hirnschale in der Pfarrkirche St. Martin seiner Geburtsstadt Lauingen. Dort wurde er schon bald nach seinem Tod in einer ihm geweihten Kapelle bei seinem Geburtshaus verehrt, die 1604 abgerissen und nach dem 30-jährigen Krieg durch einen Betsaal ersetzt wurde. Seit 1631 feierte man jedes Jahr seinen Festtag, 1932 wurde ihm ein Denkmal auf dem Rathausplatz aufgestellt, das Gymnasium ist nach ihm benannt. Am 700. Todestag 1980 besuchte Papst Johannes Paul II. das Grab in Köln.

In Padua ist Albertus die moderne Kirche Sant’Alberto Magno geweiht. Albertus wurde 1622 von Papst Gregor XV. selig- und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen, gleichzeitig wurde ihm der Titel eines Kirchenlehrers verliehen. 1941 erklärte ihn Papst Pius XII. zum Patron aller Naturwissenschaftler. Er ist Patron von Lauingen und Bollstadt; der Theologen, Philosophen, Naturwissenschaftler, Medizintechniker, Studenten und Bergleute.

Gebet zum heiligen Albertus Magnus

Gott, du Quelle aller Weisheit du hast dem heiligen Bischof Albert die Gabe geschenkt, das Wissen seiner Zeit und den Glauben in Einklang zu bringen. Gib uns die Weite seines Geistes, damit der Fortschritt der Wissenschaft uns hilft, dich tiefer zu erkennen und dir näher zu kommen. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Gedenktag des Heiligen)

Die Heilige des Monats Oktober: »Heilige Theresa von Ávila«

Heilige Theresa von Ávila

Teresa de Ahumada wurde 1515 in Ávila geboren, so die Meinung der meisten Biographen; nur eine Minderheit nennt Gotarrendura (Provinz Ávila) als Geburtsort, ohne überzeugende Beweise anzuführen und gegen eine Jahrhunderte alte Tradition. Ihr Großvater väterlicherseits war ein sephardischer Jude aus Toledo. 1485, als Teresas Vater Alonso Sánchez de Cepeda (1471–1543) vierzehn Jahre alt war, trat der Großvater, Juan Sánchez de Toledo Cepeda (1440–1507), mit seiner Familie zum Christentum über erwarb einen Adelsbrief und zog nach Ávila, um dort ein neues Leben zu beginnen. Mit dem Fortschreiten der Reconquista (siehe auch Zeittafel Reconquista) lag auf den sephardischen Juden ein zunehmender Druck zur Abkehr von ihrer religiösen Praxis, der dann im Jahre 1492 mit dem Alhambra-Edikt zu einer Vertreibung oder zu einer Zwangstaufe, conversos, führte.

Aus einer ersten Ehe von Alonso Sánchez de Cepeda stammten zwei Kinder, aus der zweiten, die er 1508 mit Doña Beatriz de Ahumada (1495–1528) schloss, zehn, von denen Teresa das dritte war. Sie schrieb: „Wir waren drei Schwestern und neun Brüder“.

Nach dem Tod ihrer Mutter (1528) vertiefte sich Teresa nach ihren eigenen Angaben in die Lektüre der damals üblichen Ritterromane, die schon ihre Mutter eifrig gelesen habe, pflegte erste Freundschaften und geriet in eine religiöse Krise. Als 1531 ihre Halbschwester heiratete, brachte der Vater die Sechzehnjährige zur weiteren Erziehung in das Kloster der Augustinerinnen Santa María de la Gracia in Ávila, das sie aus gesundheitlichen Gründen nach 18 Monaten wieder verlassen musste. Auf dem Weg zur Genesung bei ihrer Schwester fielen ihr bei ihrem Onkel väterlicherseits Pedro Sánchez de Cepeda einige Bücher in die Hand, darunter auch die Briefe des Kirchenvaters Hieronymus, die für ihre Berufswahl wichtig wurden. Bei der Entscheidung für das Kloster spielte zwar eine echte Christusbeziehung, zugleich aber auch die damalige ungünstige Situation der verheirateten Frau und Höllenangst eine Rolle.

Am 2. November 1535 trat Teresa gegen den Willen ihres Vaters in den Karmel von der Menschwerdung (Santa María de la Encarnación) in Ávila ein. Im Konvent lebten zu dieser Zeit knapp vierzig Schwestern, doch wuchs die Anzahl wegen des immensen Frauenüberschusses in Spanien in nur fünfzehn Jahren auf hundertneunzig, mit all den sich daraus ergebenden wirtschaftlichen, sozialen und spirituellen Folgen. Am 2. November 1536 wurde sie eingekleidet und am 3. November 1537 legte sie ihre Ordensprofess ab.

Im Jahr darauf wurde Teresa ernsthaft krank. Eine retrospektive Diagnose ist nicht möglich, obwohl es viele Spekulationen gegeben hat; genannt wurden und werden unter anderem Epilepsie, Depression und Brucellose. Auf dem Weg zu einer „Heilerin“ in Becedas fiel ihr bei ihrem Onkel Pedro das Tercer Abecedario Espiritual („Drittes geistliches ABC“) des Franziskaners Francisco de Osuna in die Hände, durch das sie in dem von ihr schon lange geübten „inneren Beten“ bestärkt wurde. Im Juli 1539 kehrte sie todkrank in ihr Kloster zurück, wo sie im August in eine dreitägige todesähnliche Starre fiel; man hielt sie für tot, betete die Totengebete für sie und hob bereits das Grab aus. Drei Jahre war sie mehr oder weniger gelähmt. Ab 1542 ging es ihr gesundheitlich besser, doch geriet sie in eine religiöse Krise; sie gab das innere Beten auf, das für sie „Verweilen bei einem Freund“ war, weil sie sich zu schlecht dafür hielt, wurde aber von Pater Vicente Barrón OP, den sie beim Tod ihres Vaters (26. Dezember 1543) kennenlernte, von diesem Irrtum befreit.

Nach der teilweisen Wiederherstellung ihrer Gesundheit nahm sie wieder am regen Umgang mit den Besuchern des Klosters in den Sprechzimmern teil, meistens auf Anordnung ihrer Oberen, litt aber sehr darunter, weil sie sich zwischen oberflächlicheren Interessen und dem Wunsch, sich ganz auf Gott einzulassen, hin- und hergerissen fühlte. In der Not, dieses Dilemma aus eigener Kraft nicht lösen zu können, wurde ihr in der Fastenzeit 1554 vor einer kleinen Statue des Schmerzensmannes eine tiefe Erfahrung seiner Liebe zuteil, die eine völlige innere Umkehr und Befreiung bewirkte (ihre sogenannte „Zweite Bekehrung“). Teresa sprach in diesem Zusammenhang von einem „neuen Leben“. In den folgenden Jahren erlebte sie erste tiefe Gebetserfahrungen und Visionen, die sie, verunsichert durch unfähige Beichtväter, in Angst und Schrecken versetzten, doch erhielt sie von kundigen Dominikanern und Jesuiten, unter anderen Francisco de Borja, Aufklärung und Hilfe. In diese Zeit fielen die ersten Aufzeichnungen für ihre Selbstbiographie.

Eine weitere Vertiefung ihrer spirituellen Erfahrung war die sogenannte „Höllenvision“ (1560), die sie nach den damaligen Vorstellungen beschrieb und mit dem Wunsch nach einem konsequent apostolischen Leben verband. In diesem Zustand erlebte sie zusammen mit einigen Freundinnen und Verwandten im September 1560 die sogenannte „Gründungssitzung“ in ihrer Klosterzelle, bei der der Wunsch ausgesprochen wurde, eine Gemeinschaft nach Art der sogenannten Descalzos („Unbeschuhten“) zu gründen, wie damals die Anhänger von Reformbewegungen innerhalb ihrer jeweiligen Orden genannt wurden.

Mit Hilfe des Bischofs von Ávila, Álvaro de Mendoza, erhielt Teresa von Papst Pius IV. die Erlaubnis, in Ávila ein Kloster zu gründen, in dem wieder die ursprüngliche Ordensregel des heiligen Albert von Jerusalem befolgt werden sollte. So konnte sie am 24. August 1562 ihre erste Gründung, den Konvent vom hl. Josef (Convento de San José) in Ávila, errichten. Dem Brauch entsprechend wurden sie „Unbeschuhte Karmelitinnen“ genannt. Die ersten Klöster der Unbeschuhten wurden mit der kleinen Anzahl von dreizehn Schwestern gegründet, die später auf nicht mehr als einundzwanzig Schwestern erhöht wurde.

Der ersten folgten noch sechzehn weitere Gründungen für Schwestern und in Zusammenarbeit mit Johannes vom Kreuz wurde Teresa auch zur Gründerin des männlichen Zweigs des Teresianischen Karmels. Im August/September 1568 führte sie in Valladolid Johannes vom Kreuz sorgfältig in ihre neuen Ziele ein, deren Kennzeichen ein geschwisterlicher Lebensstil, Einübung ins Ich-Sterben (Freiwerden vom Ego) und vor allem Pflege einer intensiven Freundschaft mit Gott waren; dem Ganzen sollte Demut – verstanden als ständiges Bemühen um Selbsterkenntnis – zugrunde liegen. Damit hob Teresa sich klar vom damals gängigen Reformideal der Descalzos in Kastilien ab, das auf Rigorismus setzte, dessen Kennzeichen aufsehenerregende Bußübungen (Selbstgeißelung, extremes Fasten und ein totales Abstinenzgebot) waren, womit man sich Gottes Gunst zu erwerben und zu erhalten hoffte.

Am 6. Oktober 1571 wurde Teresa vom Apostolischen Visitator Pedro Fernández OP gegen ihren und den Willen der Schwestern zur Priorin des Karmels von der Menschwerdung, in den sie ursprünglich eingetreten war, ernannt. Im Sommer des folgenden Jahres holte sie Johannes vom Kreuz als Spiritual und Beichtvater in diesen inzwischen auf etwa zweihundert Schwestern angewachsenen Konvent. Mit ihrer auf suavidad (Sanftmut) und nicht auf dem damals üblichen Rigorismus beruhenden geistlichen Führung gelang es ihnen, dort eine wirkliche Erneuerung durchzuführen. Im April des Jahres 1575 lernte Teresa den gebildeten Karmeliten Jerónimo Gracián (1545–1614), der aus Sevilla stammte, kennen. Zwischen beiden bildete sich eine tiefe Verbundenheit.

Im Zuge der sich zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen der päpstlichen Kurie in Rom (Konzil von Trient, abgeschlossen 1563) und dem Hof Philipps II., der im Sinne des Regalismus die Rolle der Kirche in Spanien zugunsten des Königshofes zurückzudrängen suchte, entstand zwischen Teresas Neugründung und dem Stammorden ein heftiger Streit, der erst durch die Errichtung einer unabhängigen Provinz durch Papst Gregor XIII. mit dem Breve Pia consideratione vom 22. Juni 1580 beigelegt wurde; die Folge war die Errichtung einer selbstständigen Ordensprovinz des entstehenden Teresianischen Karmels am 7. März 1581.

Als sie von ihrer letzten Gründung in Burgos auf dem Heimweg in den Karmel vom hl. Josef in Avila war, wurde Teresa von Provinzvikar Antonio de Jesús (Heredia) nach Alba de Tormes abgeordnet, wo sie der jungen Herzogin von Alba bei der Niederkunft beistehen sollte. Sie kam dort am 20. September 1582 todkrank an und starb im dortigen Karmelitinnenkloster am 4. Oktober 1582 gegen neun Uhr abends. Aufgrund der Gregorianischen Kalenderreform folgte auf den 4. sofort der 15. Oktober, an dem Teresa beerdigt wurde.


Gebet zur Heiligen Theresa von Àvila

Allmächtiger Gott, du hast die heilige Theresia von Jesus durch deinen Geist erweckt und sie der Kirche als Lehrmeisterin des Weges zur Vollkommenheit geschenkt. Gib, dass wir in ihren Schriften Nahrung für unser geistliches Leben finden. Durchdringe uns mit der Gewissheit, dass du allein genügst, und entzünde in uns das Verlangen nach Heiligkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Gedenktag der Heiligen)

Der Selige des Monats September: »Selige Kaspar Stanggassinger«

Kaspar Stanggassinger war das zweite von 16 Kindern eines angesehenen Bauern und Kommunalpolitikers. 1890 begann er am Priesterseminar, das von 1826 bis 1968 in der ehemaligen Fürstbischöflichen Residenz in Freising beheimatet war, Theologie zu studieren, brach das Studium aber 1892 ab und trat in Gars am Inn dem damals in Deutschland verbotenen Redemptoristenorden bei. 1893 legte er in Dürrnberg – dem heutigen Bad Dürrnberg – bei Hallein die Profess ab, 1895 wurde er im Dom in Regensbuurg zum Priester geweiht.

Kaspar Stanggassinger wollte eigentlich als Missionar arbeiten, doch er musste als Erzieher im Knabenseminar des Ordens arbeiten. Nach der Wiederzulassung des Ordens in Deutschland zog das Internat mit der Philosophisch-Theologische Hochschule 1899 nach Gars am Inn um; Kaspar Stanggassinger wurde zum Direktor ernannt, starb aber wenige Tage später an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs.

Als begnadetem Erzieher und Lehrer war für Stanggassinger die persönliche Zuwendung zu seinen Schülern entscheidend wichtig. Nicht äußerliche Frömmigkeit, sondern das unerschütterliche Vertrauen auf die Gnade Gottes prägten seinen Glauben, der sich bemühte, im Alltag den Willen Gottes umzusetzen. Als Lehrer und Seelsorger war er entgegen dem damalig üblichen autoritären Stil ein Wegbegleiter der die persönliche Beziehung bevorzugte. Seine einfache Sprache war auch dem Mann von der Straße verständlich, man nannte ihn deshalb den „Heiligen der kleinen Leute“.

2015 wurde eine Reliquie in die Stiftskirche nach Berchtesgaden gebracht.

Kaspar Stanggassinger wurde am 24. April 1988 durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

(Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zum sl. Kaspar Stanggassinger

Allmächtiger ewiger Gott, Du hast den Seligen Kaspar als Priester und Ordensmann in die Nachfolge Deines Sohnes gerufen.

Deine wunderbare Schöpfung und die lebendige Glaubenstradition seiner Heimat formten ihn von Kindheit an. Die ungebrochene Treue im Kleinen und sein fester Wille nach wahrer Freiheit machten seinen Geist stark.

Durch sein offenes Herz für die Jugend und sein Charisma, wurde er ein guter Lehrer und väterlicher Erzieher. In seinem Eifer für Dein Reich ist er uns Vorbild und Wegweisung, nach Deinem Willen in unserer Zeit zu fragen und selbst nach Heiligkeit zu streben.

Seine Fürsprache helfe uns, den christlichen Glauben treu und froh zu leben, die Einheit im Gebet sorgsam zu wahren und als Deine Kirche den Weg zu gehen, den Du uns in Deiner Güte weist. Auf die Fürsprache des Seligen Kaspar bitten wir um all dies durch Christus, unseren Herrn. Amen.

(Quelle: stiftsland.de)

(Tagesgebet zum Gedenktag des Heiligen)

Heiliger des Monats August 2022: »Heiliger John Henry Newman«

Bild des hl. John Henry Newman

Der »Heilige des Monats August« ist der Heilige John Henry Newman. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 11. August.

John Henry Newman, Sohn bewusst christlicher Eltern, sein Vater war ein sehr wohlhabender Bankier, wurde Schüler am Elite-Internat im Londoner Stadtteil Ealing. Nachdem 1816 die Bank seines Vaters wurde infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen am Ende der napoleonischen Kriege zahlungsunfähig war, nahmen John Henrys frohe Kinder- und Jugendtage ein jähes Ende: er wurde krank, konnte aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht nach Hause. er erlebte auch eine geistig-religiöse Krise, die ihn schließlich unter Anleitung eines evangelikalen Priesters zu einem frommen Anglikanismus bekehrte und dazu führte, dass er 1817 als Student der Theologie ins Trinity College in Oxford eintrat. Schon mit 21 Jahren wurde er Assistent am dortigen Oriel College und 1825 zum Priester der Anglikanischen Kirche ordiniert; er wirkte dann später als Pfarrer der Universitätskirche. Seine Aufgabe sah er darin, die in seinen Augen darniederliegende Staatskirche aus dem Geist des Urchristentums zu erneuern, deshalb studierte er nun die Kirchenväter. Liberalismus und Individualismus, der Glaube als Privatsache begreift, waren seine Hauptfeinde.

Initialzündung für Newmans Reformwerk wurde 1833 eine Predigt seines Freundes John Keble, der Einmischungen des Parlaments in die Kirche kritisierte. Daraus entstand die von Newman maßgeblich geprägte „Oxford-Bewegung“ mit dem Ziel hochkirchlicher Reformen in der Anglikanischen Kirche. Newman bemühte sich, das Selbstverständnis der anglikanischen Kirche als „mittlerer Weg“ zwischen Katholizismus und Protestantismus aus dem Geist der alten Kirche neu zu begründen. 1841 legte er eine neue
Interpretation der für die Anglikanischen Kirche grundlegenden „39 Artikel“ vor, die von der Mehrheit der Bischöfe und großen Teilen der Bevölkerung als „katholisch“ abgelehnt wurde. Verleumdungen und Verunglimpfungen folgten; Newman zog sich zu einem quasi klösterlichen Leben in das nahe Dorf Littlemore zurück. Seine Zweifel, ob seine Kirche noch in Kontinuität mit der altkirchlichen Tradition stehe, wurden durch erneutes Studium der Kirchenväter bekräftigt.

Als 1841 das Britische Parlament mit Zustimmung des Erzbischofs von Canterbury die Errichtung eines mit der preußischen evangelischen Kirche gemeinsam versehenen Bistums in Jerusalem beschloss, waren für Newman die Grundlagen seiner Kirche zerstört. Er gab seine Stelle am College und sein Pfarramt auf, widerrief seine seitherigen anti-katholischen Aussagen und konvertierte schließlich nach langem innerem Kampf 1845 zum Katholizismus; am 9. Oktober wurde er von Dominic Barberi in die katholische Kirche aufgenommen – daher der katholische Gedenktag.

Freunde und Familie zogen sich zurück, die Öffentlichkeit war empört, die „Oxford-Bewegung“ verlor ihren Kopf und löste sich auf. 1846 bis 1847 war Newman zu einem Studienaufenthalt bei der „Kongregation für die Verbreitung des Glaubens“ im Palazzo di Propaganda Fide in Rom, dort wurde er 1847 zum katholischen Priester geweiht und trat ins 1522 von Philipp Neri gegründete Oratorium an der Kirche S. Maria in Vallicella, der „Chiesa Nuova“ ein. In Birmingham gründete er dann das erste englische Oratorium.

Vom Traditionalisten in der Anglikanischen Kirche wandelte sich Newman nun zum Reformer in der römisch-katholischen, der die Kirche aus ihrer Ghetto-Mentalität befreien und in die
Auseinandersetzung mit der Moderne lenken wollte. 1851 wurde er von den katholischen Bischöfen zum Gründungsrektor der katholischen Universität in Dublin berufen. Er setzte sich ein für kritische Bibelexegese und insbesondere für den Dialog mit Naturwissenschaften – auch der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Zwischen Glaube und Wissenschaft könne es keinen wirklichen Widerspruch geben; wenn wissenschaftliche Beweise sich gegen Glaubensinhalte stellten, werde sich „herausstellen, dass dieser Punkt entweder nicht bewiesen ist oder gar keinen Widerspruch enthält oder aber nicht dem wirklichen Offenbarungsinhalt, sondern etwas anderem widerspricht, was man mit Offenbarung verwechselt hatte“. Newman wurde unter „Modernismusverdacht“ nun auch von seiner katholischen Kirche kritisch betrachtet, 1858 gab er sein Rektorenamt wegen fehlender Unterstützung durch die Bischöfe auf.

Newman konzentrierte sich nun auf seine Veröffentlichungen und sein Oratorium in Birmingham. 1870 erschien sein religionsphilosophisches Hauptwerk „Grammatik der Zustimmung“, 1875 seine in Briefform verfasste Auseinandersetzung mit dem neuen Dogma des 1. Vatikanischen Konzils über die Unfehlbarkeit des Papstes; Newman verteidigte den Beschluss des Konzils, aber auch der Papst sei an das Gewissen, „dem Statthalter Christi in jedem Menschen“, gebunden. Auf Drängen katholischer Laien ernannte Papst Leo XIII. ihn 1879 zum Kardinal.

Für seinen Grabstein wählte Newman den Spruch: „Ex umbris et imaginibus in veritatem“, „Aus Schatten und Bildern zur Wahrheit“. Die vollständige Ausgabe seiner Briefe und Tagebuchaufzeichnungen in 32 Bänden zeigt, wie stark seine Gedanken und Tätigkeiten sich auf sein geliebtes Oratorium bezogen. In seinem Arbeitszimmer hatte Newman hinter einer kleinen Trennwand einen Altar errichten lassen, das Altarbild zeigt Franz von Sales.

In den 20er-Jahren gab es in Deutschland eine „Newman-Bewegung“ katholischer Gelehrter. Edith Stein übersetzte seine Werke ins Deutsche. Die Aggiornamento-Idee von Papst Johannes XXIII., die im 2. Vatikanischen Konzil Gestalt gewinnen sollte, war maßgeblich von Newman inspiriert. Papst Benedikt XVI. sah in Newman einen Geistesverwandten, der die Gottesfrage mit derselben Dringlichkeit stellte wie er selbst; nachdem er verfügt hatte, dass Seligsprechungen in der regel durch Krdinäle vorgenommen wereden, war es bei Newman das erste Mal, dass er die Zeremonie persönlich vornahm. Eine sehr konservative Gruppe pflegt unter dem Namen „Das Werk“ heute sein Andenken mit dem Internationalen Zentrum der Newman-Freunde in Bregenz, dem Centro Internazionale degli Amici di Newman in Rom und einem Zentrum in Littlemore.

Newman wurde am 19. September 2010 von Papst Benedikt XVI. in Birmingham selig- und am 13. Oktober 2019 durch Papst Franziskus in Rom heiliggesprochen.

(Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zum hl. John Henry Newman

Gott, du hast dem heiligen Priester Johannes Heinrich die Gnade geschenkt, deinem gütigen Licht zu folgen und in deiner Kirche Frieden zu finden; gewähre uns, dass wir auf seine Fürsprache und durch sein Beispiel aus Schatten und Bildern zur Fülle deiner Wahrheit geführt werden. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Gedenktag des Heiligen)

Heilige des Monats Juli 2022: »Heilige Maria Goretti«

Bild der hl. Maria Goretti

Die »Heilige des Monats Juli« ist die heilige Maria Goretti. Ihren Gedenktag feiert die Kirche am 6. Juli.

Maria, geboren am 16. Oktober 1890, war das dritte von sechs Kindern einer Bauernfamilie. Die Familie zog, weil sie dort neues Land gepachtet hatte, 1897 in das Dorf Le Ferriere bei Nettuno um, als Maria neun Jahre alt war. Dort betrieben sie zusammen mit der Familie Serenelli eine landwirtschaftliche Genossenschaft.

Nach einem Jahr starb Marias Vater an Malaria, sie versorgte nun zusammen mit der Mutter ihre Familie. Als Maria sich – wenige Wochen nach der Erstkommunion – den Annäherungsversuchen des Sohnes der Partnerfamilie Serenelli, Alessandro, mehrfach widersetzte, verletzte der sie – gekränkt und wütend durch die mehrfache Zurückweisung – durch vierzehn Messerstiche. Nach einer erfolglosen Notoperation im Krankenhaus in Nettuno starb sie am 6. Juli 1902. Sterbend verzieh sie ihrem Mörder: „Ich verzeihe ihm; ich will ihn bei mir im Himmel haben.“

Alessandro wurde zu dreißig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Überlieferung berichtet, dass er durch Visionen, in denen sein Opfer ihm erschien und ihm Blumen schenkte, reumütig wurde; er wurde an Weihnachten 1928 wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen, bat Marias Mutter um Vergebung, die sie ihm gewährte, und trat bald darauf als Laienbruder in den Kapuzinerorden ein.

Marias Grab ist in der nach ihr benannten Kirche in Nettuno südlich von Rom.

Am 27. April 1947 wurde Maria Goretti durch Papst Pius XII. seliggesprochen, die Heiligsprechung erfolgte am 24. Juni 1950 nach einem der aufsehenerregendsten Kanonisierungsverfahren der Kirchengeschichte durch denselben Papst im Beisein von Marias Mutter und vor einer halben Million Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Maria wurde damit zur jüngsten Heiligen der katholischen Kirche; zum ersten Mal fand eine Feier zur Heiligsprechung auf dem Petersplatz statt. (Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zur hl. Maria Goretti

Heilige Maria Goretti!

Du hast, gestärkt durch Gottes Gnade, unerschrocken im jugendlichen Alter dein Blut vergossen. Um deine jungfräuliche Reinheit unbefleckt zu bewahren, hast du entschlossen dein Leben geopfert. Wende deine Hilfe der armen Menschheit zu, die vom Wege des Heils so weit abgewichen ist! Zeige allen, besonders der Jugend, mit welchem Mut und mit welcher Bereitschaft alles aus Liebe zu Jesus geopfert werden muss, um Ihn nicht zu beleidigen und die Seele nicht mit schwerer Sünde zu beflecken! Erlange uns vom Herrn den Sieg in den Versuchungen, Trost und Kraft im Leiden und alle Gnaden, die wir durch dich erbitten wollen! Hilf uns, rein und fromm durch das Leben zu gehen, damit wir wie du die ewige Herrlichkeit im Himmel erlangen. Amen.

(Quelle: marypages.com)

Heiliger des Monats Juni 2022: »Heiliger Karl Lwanga«

Der »Heilige des Monats Juni« ist der heilige Karl Lwanga und seine Gefährten. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 3. Juni.

1879 waren die ersten christlichen Missionare von Europa nach Uganda gekommen und konnten dort bald Erfolge aufweisen. Als König Mutes, der die Missionare unterstützt hatte, starb, wurde der junge König Mwanga sein Nachfolger. Er war dem christlichen Glauben anfangs zugetan, seine Beamten und Ratgeber aber lehnten das Christentum als eine Fremdreligion ab und hielten die europäischen Missionare für Spione. König Mwanga hörte auf sie; das erste katholische Opfer wurde am 15. November 1885 der 15 Jahre alte Page Yosefu Mukasa Balikuddembe, in der Hauptstadt Kasubi – dem heutigen Kampala -, der den 18-jährigen König ob seines ausschweifenden Lebensstils, seiner Avancen gegenüber den männlichen Pagen und des Märtyrertodes des anglikanischen Bischofs James Hannington kritisierte. Den Zorn des Königs erregte dann der 17-jährige Page Dionysius (Denis) Ssebuggwawo. Auf einer Jagd fragte ihn der König, ob es stimme, dass er anderen Jugendlichen Religionsunterricht erteile. Als Dionysius dies eingestand, bohrte der König ihm eine Lanze durch den Hals. Der Junge lag dann die ganze Nacht hindurch in seinem Blut, bis er am nächsten Morgen, dem 26. Mai 1886, enthauptet wurde. Mit ihm starben die christlichen Pagen Anderea Kaggwa und Ponsiano Ngondwee. Am Abend dieses Tages erklärte König Mwanga öffentlich, er wolle alle töten lassen, die „beten“. Als Karl Lwanga, der Aufseher der königlichen Pagen, vom Entschluss seines Königs hörte, versammelte er seine Kameraden zu einem langen Nachtgebet, um sie auf die bevorstehenden Prüfungen vorzubereiten. Vier Jungen, die noch im Glauben unterwiesen wurden, empfingen in aller Eile die Taufe. Am nächsten Morgen berief der König eine Gerichtssitzung ein. Der König erklärte: „Diejenigen von Euch, die nicht beten, sollen an meiner Seite bleiben; die anderen sollen sich gegenüber an der Schilfwand aufstellen“. Karl Lwanga schritt als erster zur Wand, 15 andere folgten ihm nach. Sie bekannten sich zu ihrem Glauben und wurden ins Gefängnis abgeführt. Zwei der Pagen wurden in den folgenden Tagen den einheimischen Göttern geopfert: Athanasios (Antanansio) Bazzekuketta wurde am 27. Mai in Nakivubo in Stücke geschnitten, ebenso erging es an diesem Tag Matthias Kalemba (Mulumba, Fortis) in Kasubi; mit ihnen starben zwei Anglikaner. Die übrig Gebliebenen brachte man nach Namugongo, das 60 km von Kampala entfernt liegt. Dort wurden sie am 3. Juni in große Strohbündel eingebunden, auf einen hohen Scheiterhaufen gelegt und verbrannt. So starben mit Karl Lwanga Achileo Kiwanuka, Mukasa Adolofu Ludigo, Ambrosio Kibuuka, Anatoli Kiriggwajjo, Bruno Sserunkuuma, Gyaviira, Jakob (Yakobo) Buuzabalyawo, Kizito – mit 13 Jahren der jüngste, Lukka Baanabakintu, Mbaga Tuzinde, Mugagga und Mukasa Kiriwawanvu, dazu dreizehn anglikanische Angehörige des Königshofes. Karl Lwanga war im November 1885 zusammen mit den anderen Pagen am Hof getauft worden, er wurde Katechet und Betreuer der jungen Christen am Hof. Zu den Ugandischen Märtyrern gehören auch Gonzaga Gonza, der am 27. Mai 1886 in Lubowa enthauptet wurde, Nowa Mawaggali, der am 31. Mai in Mityana wilden Hunden vorgeworfen wurde, sowie Johannes Maria Muzeyi, der am 27. Januar 1887 in Mengo enthauptet wurde. Reliquien von Karl Lwanga und Gefährten werden in der Basilika in St-Maurice aufbewahrt. Weitere Reliqien befanden sich in der Kirche Heilig Blut in Dinslaken, nach deren Abriss wurden sie in die dortige Kirche St. Vincentius überführt. Mit seinen 21 katholischen Gefährten wurde Karl Lwanga am 6. Juni 1920 von Papst Benedikt XV. seliggesprochen, ihre Heiligsprechung erfolgte am 18. Oktober 1964 durch Papst Paul VI. Karl Lwanga wurde 1934 zum Patron der katholischen Aktion und der Jugend Afrikas erklärt. Patron der Katholischen Aktion der Jugend Afrikas. (Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zum heiligen Karl Lwanga und seine Gefährten

Lieber Gott, wir danken Dir für die Tugend und das Beispiel Deines Märtyrers, des heiligen Karl Lwanga und seiner Gefährten. Hilf uns, die tiefe Liebe zu Deiner Kirche nachzuahmen, die sie inspirierte, den katholischen Glauben an andere weiterzugeben.

Karl Lwanga und seine Gefährten, ihr habt in einer Gesellschaft gelebt, die dem katholischen Glauben gegenüber feindlich eingestellt war. Euer Herrscher war ein entschiedener Gegner des Christentums. Er tat alles, was er konnte, um euch daran zu hindern, den katholischen Glauben an andere weiterzugeben.

Trotz der Bedrohung durch Leiden und Tod zögertet ihr nicht, andere über Christus zu lehren und sie in seine Kirche zu führen. Ihr habt weiterhin das Evangelium gepredigt und andere zu Gott geführt, auch wenn dies zu eurem Tod führen würde.

Betet für mich, dass ich den gleichen Mut und die gleiche Hingabe wie ihr habt.

Heiliger Karl Lwanga und Gefährten, betet für uns!

(Quelle: praymorenovenas.com; übersetzt aus dem Englischen)

Seliger des Monats Mai 2022: »Seliger Vladimir Ghika«

Der »Selige des Monats Mai« ist der selige Vladimir Ghika. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 16. Mai.

»Zweifache und geheimnisvolle Liturgie: Der Arme sieht Christus in dem zu ihm kommen, der ihm hilft. Der Wohltäter sieht im Armen den leidenden Christus, der sich über ihn beugt. Doch gerade deshalb handelt sich um eine einzige Liturgie. Wird die Geste richtig ausgeführt, so ist auf beiden Seiten nur Christus: Christus der Retter kommt dem leidenden Christus entgegen, und beide vereinen sich im auferstandenen, glorreichen und segnenden Christus.« (Sel. Vladimir Ghika über seine „Liturgie des Nächsten“ als Ergänzung der Eucharistie)

Vladimir Ghikas Großvater war Gregorio Ghika X., der letzte regierende Vertreter des Fürstenhauses, das vom 17. bis ins 19. Jahrhundert in der Walachei und in Moldawien regierte. Vladimirs Vater war Verteidigungsminister und Außenminister von Rumänien, bei Vladimirs Geburt bevollmächtigter Minister beim Sultan in Konstantinopel, später in Wien, Rom und St. Petersburg; seine Mutter Alessandrina Moret de Blaremberg war eine vornehme französische Adelige. Vladimir, geboren am 25. Dezember 1873 in Konstantinopel, studierte Politik, Philosophie und Jura, danach noch Theologie in Paris und am „Angelicum“ der Dominikaner, damals noch im Kloster an Santa Maria sopra Minerva in Rom. 1902 trat er von der Orthodoxe Kirchen zur römisch-katholischen Kirche über. Papst Pius X. riet ihm, seinen Wunsch, Priester oder Mönch zu werden, nicht sofort umzusetzen. Deshalb war er dann als Laienmissionar in Rumänien tätig und widmete sich caritativen Aufgaben: er gründete die erste kostenlose Krankenfürsorge-Einrichtung in Bukarest, das Sanatorium „San Vincenzo de Paoli“, das erste kostenlose Krankenhaus und eine Erste-Hilfe-Station. Während der Balkankriege kümmerte er sich 1913 um die Kriegsverletzten und leistete den Cholerakranken Beistand. Im Ersten Weltkrieg widmete er sich diplomatischen Missionen, den Opfern des Erdbebens von Avezzano in Italien, den Tuberkulosepatienten und Kriegsverletzten in verschiedenen Krankenhäusern in Rom. In dieser Zeit entstand seine „Liturgie des Nächsten“, die sich zum Mittelpunkt seines Handelns entwickelte. 1923 wurde er in Paris zum Priester geweiht, kurz danach erhielt er vom Vatikan die Genehmigung zur Feier der Messe nach dem byzantinischen Ritus und damit als erster Priester das Privileg, nach beiden Riten zu zelebrieren. Er wurde Rektor der „Ausländerkirche“ in Paris und nahm seines Wohnsitz in der Arbeitervorstadt Villejuif, wo er mit Protesten und Beschimpfungen empfangen, geschlagen und mit Steinen beworfen wurde. 1931 wurde er zum Apostolischen Protonotar ernannt. Bis 1939 arbeitete Vladimir Ghika in Frankreich als Seelsorger, unter anderem als vom Papst berufenes Mitglied des Ständigen Komitees des Internationalen Eucharistischen Kongresses. Seine geistlichen und sozialen Aktivitäten führten ihn auf alle Kontinente. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges war er in Bukarest als Seelsorger für die römisch-katholischen und die griechisch-katholischen Gemeinden tätig. Als die Stadt von den Alliierten bombardiert wurde – Rumänien war Verbündeter von Nazi-Deutschland -, verließ er die Stadt nicht, sondern bestand darauf, bei den Armen und Kranken zu bleiben. Während der Hungersnot von 1946 bat er die USA um Zusendung von Lebensmitteln; auf seine Veranlassung wurden Hilfsgüter auch an die orthodoxen Klöster von Moldawien gegeben. 1948 begann in Rumänien die Unterdrückung der katholischen Kirche und deren Unterwerfung unter die Autorität der weitgehend von der Staatsmacht gelenkten Orthodoxen Kirche. Sechs griechisch-katholischen Bischöfe wurden gefangen genommen: fünf starben im Gefängnis, nur einer überlebte die 22 Jahre währende Haft; verfolgt wurden auch die etwa 600 Priester. Im November 1952 wurde Vladimir Ghika im Alter von 79 Jahren vom rumänischen Geheimdienst Securitate wegen Hochverrats verhaftet, da er sich nicht der von den Kommunisten gegründeten Staatskirche anschließen wollte. Er wurde seiner Kleider beraubt, beinahe 80 nächtlichen Befragungen unterzogen, verlor in Folge von Schlägen Augenlicht und Gehör, erlitt Folterungen mit elektrischem Strom. Für seine Mitgefangenen wirkte er als Zuhörer, als Beichtvater und als Helfer beim Gebet. An den Folgen der Folter starb er am 16. Mai 1954 in dem Bukarester Gefängnis. Der Seligsprechungsprozess für Ghika wurde 2002 eröffnet. Die Seligsprechung erfolgte am 31. August 2013 in Bukarest durch den Präfekten der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato. (Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zum seligen Vladimir Ghika

Allmächtiger und ewiger Gott, der du dem seligen Vladimir, Priester und Märtyrer, die Kraft gegeben hast, auch in Zeiten der Verfolgung die lebendige Gegenwart deiner Liebe zu bezeugen, gib uns die Gnade, durch sein Beispiel und seine Fürsprache unbeirrt in deinem Dienst zu bleiben, in Gemeinschaft mit dem apostolischen Glauben, durch Christus, unseren Herrn. Amen.

(Quelle: vladimir-ghika.ro; übersetzt aus dem Englischen)

Heilige des Monats April 2022: »Hl. Katharina von Siena«

Die »Heilige des Monats April« ist die heilige Katharina von Siena. Ihren Gedenktag feiert die Kirche am 29. April.

Katharina wurde als 24. Kind des wohlhabenden Pelzfärbers Jacopo di Benincasa und seiner Frau Lapa di Puccio di Piagente geboren; ihre Zwillingsschwester starb kurz nach der Geburt. Es war eine Zeit der Bürgerkriege, Machtkämpfe und Familienfehden; der Papst residierte in Avignon, der Adel unterdrückte das Volk. Mit sechs Jahren hatte Katharina ihre erste Vision mitten auf der Straße: sie sah Jesus Christus im Ornat des Papstes, umgeben von Petrus, Paulus und Johannes. Mit sieben Jahren legte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Schon als Kind lebte sie asketisch. Schon mit zehn Jahren hatte sie Kontakte zum Dominikanerorden, dem ihr Vetter Tommaso della Fonte beigetreten war. Im Alter von zwölf Jahren sollte sie heiraten, weigerte sich aber, was ihr besonders die Mutter übel nahm. Der Zwist mit der Mutter endete nach drei Jahren, als der Vater über Katharinas Kopf eine weiße Taube schweben sah und daraufhin bestimmte, man solle sie in Ruhe lassen. Als ihr Gesicht durch Pockennnarben entstellt wurde, lebte sie nur noch zurückgezogen zu Hause. Sie ernährte sich von Kräutern und Wasser, fastete wochenlang, betete und übte sich im Schweigen, geißelte sich blutig und schlief wenig.

1363 trat Katharina in ihrer Heimat gegen den Willen ihrer Eltern in den Dritten Orden der Dominikaner ein, die wegen ihres langen schwarzen Umhanges „Mantellaten“ genannt wurden, und lebte zunächst weiter in asketischer Strenge gegen sich selbst äußerst zurückgezogen. Sie lernte Brevier und Heiligenleben zu lesen. Ihre radikale Gottsuche faszinierte andere Männer und Frauen, Laien und Religiöse, die sich ihr anschlossen. Nach einer Vision gab sie ihr zurückgezogenes Leben auf und widmete sich mit äußerster Hingabe in der Pflege von Kranken und Armen im Ospedale della Scala und im Leprosenheim San Lazzaro. In einer mystischen Vision erlebte sie 1367 ihre Vermählung mit Christus und tauschte ihr Herz mit ihm; den Ehering sah sie ihr Leben lang an ihrem Finger. Mit inständigen Gebeten erflehte sie für ihre Eltern die Lösung aus dem Fegefeuer und nahm Peinigungen auf sich. Legenden berichten, wie sie bei einer Teuerung Brot aus dem als verdorben geltenden Mehl buk und damit ihre Umgebung ernähren konnte. Mit einigen ihrer Anhänger zog Katharina nun durchs Land. Als im Städtekrieg 1368 zwei ihrer Brüder gefangen genommen wurden, erreichte Katharina deren Freilassung. 1370 erlebte sie Ekstasen und den mystischen Tod in der Nachfolge Christi. Um eine umfassende Reform der Kirche zu erreichen, schrieb sie Briefe an hochgestellte Persönlichkeiten, die sie mitunter drei verschiedenen Sekretären gleichzeitig diktierte. 1373 unterstützte sie den – weithin erfolglosen – Aufruf von Papst Gregor XI. zu einem Kreuzzug. 1374 musste sie ihr ungewöhnliches Verhalten und auch ihre Visionen vor dem Generalkapitel der Dominikaner an Santa Maria Novella in Florenz rechtfertigen, konnte jedoch alle Bedenken ausräumen und durfte fortan in offiziellem Auftrag der Kirche reisen und predigen. Als geistlicher Führer wies ihr das Generalkapitel des Ordens Raimund von Capua zu, der später auch ihre Biografie verfasste. Katharina arbeitete weiter hingebungsvoll für Arme und Kranke in Siena. Bei der Pflege von Pestkranken – darunter ihr Beichtvater Raimund von Capua – steckte sie sich 1374 an, ließ sich aber nicht von ihrem Tun abhalten. Einem frierenden Bettler gab sie eines Tages ihren Mantel; kritisiert, dass es unschicklich sei, ohne Mantel auf die Straße zu gehen, antwortete sie: „Ich will mich lieber ohne Mantel als ohne Liebe finden lassen.“ Den Verfall der Integrität des Klerus kritisierte Katharina nachhaltig: „Was Christus am Kreuz erwarb, wird mit Huren vergeudet!“ Sie scheute sich nicht, den „Herren der Kirche im Namen Gottes den Tod zu wünschen“.

Bewunderung weckten Katharinas Briefe zu spirituellen Fragen. Immer mehr Mystiker, Fromme, Geistliche und Laien, Männer und Frauen, scharten sich um sie, sie fühlten sich als „famiglia“, „Familie“, Katharina wurde von ihnen „mamma“, „Mutter“ genannt. Am 1. April 1375 erfolgte vor einem Kreuz in Pisa ihre Stigmatisierung: auf wunderbare Weise erscheinen an ihrem Körper die Wundmale Jesu; bis zu ihrem Tod waren sie allerdings nur für Katharina selbst zu erkennen. 1376 reiste Katharina zusammen mit Raimund von Capua nach Avignon, um dort bei Papst Gregor XI. Fürsprache für die im Krieg mit dem Papsttum befindlichen und vom Papst gebannten Florentiner einzulegen. Zwar scheiterte diese Mission, doch war sie wohl daran beteiligt, dass der Papst noch im selben Jahr nach Rom zurückkehrte. In ihren insgesamt 14 Briefen an den Papst ermunterte sie außerdem zum Aufruf zu einem Kreuzzug und zur Kirchenreform unter dem Gesichtspunkt der Rückkehr zur Reinheit und Armut der Ursprünge; der Korruption eines Großteils der Hierarchie müsse ein Ende gemacht werden, Kardinäle und Klerus sollten sich mehr um die Seelsorge kümmern. Auf der Rückreise gelang es ihr, in Varazze die Pestepidemie zu beenden; zum Dank dafür wurde eine der Heiligen Dreifaltigkeit geweihte Kirche errichtet, das heutige Santuario di Santa Caterina.

Katharina begab sich wieder nach Siena, begann wieder zu meditieren und sich um die Hilfsbedürftigen zu kümmern. 1377 gründete sie in der Festung Belcaro bei Siena, die ihr von einem Mitglied der „Famiglia“ geschenkt worden war, ein Reformkloster für Frauen und reiste im Auftrag von Papst Gregor XI. zu Friedensverhandlungen nach Florenz. Nach der Wahl von 1378 unterstützte sie den nach umstrittener Wahl neuen Papst Urban VI. und seine Reformideen, zudem vermittelte sie den Friedensschluss mit Florenz. Im selben Jahr brach das Abendländische Schisma aus. Katharina ging wieder nach Rom, um beim Papst für die Einheit der Kirche einzutreten und verfasste Briefe an Adressaten in ganz Europa mit Werbung für die Unterstützung des rechtmäßigen Papstes.

Die letzten Jahre ihres Lebens musste Katharina das Scheitern ihrer in Papst Urban gesetzten Hoffnungen auf Kirchenreform erleben; ihre Briefe bezeugen nun ihre Gefühle der Ohnmacht und Verzeiflung angesichts der gespaltenen Kirche. Katharina ernährte sich nur noch von der Eucharistie; auch durch das jahrelange Fasten konnte ihr Magen keine Nahrung mehr aufnehmen. Ihr körperlicher Zustand verschlechterte sich, unter Schmerzen siechte sie monatelang dahin. Sie starb nach mancher Überlieferung in der Peterskirche in Rom, wohin sie sich noch täglich geschleppt habe; tatsächlich war ihr Sterbezimmer aber ein Raum im heutigen Palazzo Santa Chiara; dieser wurde samt seiner Mauern 1630 ins nahe Dominikanerkloster übertragen; dort wurde er hinter der Sakristei der Kirche Santa Maria sopra Minerva orignalgetreu als Kapelle wieder aufgerichtet. Katharinas letzten Worte waren „Sangue, Sangue“, „Blut, Blut“.

Katharinas Leichnam ist in der Dominikanerkirche Santa Maria sopra Minerva in Rom in einem Glasschrein aufbewahrt. Ihr Körper war, als er 1430 exhumiert wurde, noch immer unversehrt. Mit päpstlicher Erlaubnis wurde der Leichnam zerteilt, um Reliquien zu erhalten; dies wurde zum letzten Mal 1855 wiederholt, als ihre Überreste noch immer erstaunlich gut erhalten waren. In der Basilika San Domenico in Siena werden in einem Marmor-Ziborium ein in Silber gefasster Finger und der Kopf der Heiligen aufbewahrt; die Reliquie ihres linken Fußes bewahrt die Dominikanerkirche Santi Giovanni e Paolo in Venedig. Katharina hinterließ etwa 380 von ihr zwischen 1370 und 1380 diktierte Briefe, das um 1378 diktierte „Libro della divina dottrina“, „Buch der göttlichen Lehren“, und 26 von ihren Schülern aufgeschriebene Gebete. Ihre Schriften sind von einzigartiger Mystik über den Bräutigam Jesus Christus und seines Blutes geprägt; dahinter steht der stete Verweis auf das göttliche Erlösungswerk. Ihre Visionen vom blutigen Opfertod Christi sind drastisch, damit soll die erlösende Liebe umso deutlicher werden.

Katharina gilt in Italien als „die größte Frau der Kirchengeschichte“. Erhalten sind 381 ihrer Briefe als Zeugnisse mystischer Theologie. Als ihr literarisches Hauptwerk gilt das 1378 vollendete, zwischen 1472 und 1475 gedruckte Traktat „Libro della divina provvidenza“, „Buch über die göttliche Vorsehung“, auch „Il dialogo“, „Dialog“, genannt. In dieser Schrift richtet Katharinas Seele vier Bitten an den Herrn: um die Gnade der Buße für sich selbst, um die Reform der Kirche, um den Frieden in der ganzen Welt und v. a. zwischen den Christen; dass die göttliche Vorsehung sich aller Menschen annehme. In der Geschichte der Kirche nimmt Katharina eine besondere Rolle ein, da sie als Frau zur Ratgeberin von Päpsten wurde. Ihr Wirken für die Rückkehr des Papstes nach Rom ist nur mit demjenigen von Birgitta von Schweden vergleichbar. Die wichtigsten Zeugnisse über ihr Leben sind – abgesehen von ihren eigenen Werken – die von Raimund von Capua 1385 bis 1389 verfasste „Legenda maior“, „große Legende“ und die von Tommaso Caffarini Anfang des 15. Jahrhunderts geschriebene „Legenda minor“, „kleine Legende“.

Katharinas Heiligsprechung erfolgte am 29. Juni 1461 durch Papst Pius II., die Ernennung zur Schutzpatronin Roms am 8. März 1866 durch Papst Pius IX., die zur Patronin Italiens am 18. Juni 1939 durch Papst Pius XII. und die zur Kirchenlehrerin 4. Oktober 1970 durch Papst Paul VI. 1999 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Schutzheiligen Europas erklärt.

Sie ist Patronin von Europa, Italien, Rom und Siena; der Krankenschwestern, Wäscherinnen und Pfarrsekretärinnen; der Sterbenden, der Laien im Dominikanerorden; für Vorsorge gegen Feuer; gegen Kopfschmerzen und Pest

(Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zur hl. Katharina von Siena

Guter Gott, du hast der heiligen Katharina von Siena eine tiefe Liebe zur Kirche geschenkt. Aus dieser Liebe heraus fand sie zu den rechten Worten und Taten, deine Kirche zu erneuern. Lass auch uns so reden und handeln, dass deine Gegenwart unter uns sichtbar wird. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

(Tagesgebet aus dem Messbuch)

Vorabend zum Hochfest des Heimgangs unseres heiligen Vaters Benedikt

Wir haben bald die erste Hälfte der österlichen Bußzeit hinter uns gebracht. Traditionell feiern wir Benediktiner am 21. März das Hochfest des Heimgangs unseres Heiligen Vaters Benedikt, das wir im Haus der Begegnung in diesem Jahr am Vorabend feiern wollen.

„Nach Gregor dem Großen nimmt der Auszug aus dem abgelegenen Tal des Anio zum Monte Cassio – einer Anhöhe, die die ausgedehnte umliegende Ebene beherrscht und von weitem sichtbar ist – einen symbolischen Charakter an: Das monastische Leben in der Verborgenheit hat seine Daseinsberechtigung, aber ein Kloster hat auch seinen öffentlichen Zweck im Leben der Kirche und der Gesellschaft, es muss dem Glauben als Lebenskraft Sichtbarkeit verleihen. Als Benedikt am 21. März 547 sein irdisches Leben abschloss, hinterließ er tatsächlich mit seiner ‚Regel‘ und mit der von ihm gegründeten benediktinischen Familie ein Erbe, das in den vergangenen Jahrhunderten in der ganzen Welt Früchte getragen hat und noch immer trägt.“ (Papst em. Benedikt XVI., Katechese über den hl. Benedikt)

Herzlich laden wir zur Feier der heiligen Messe am Vorabend zum Hochfest des Heimgangs unseres Heiligen Vaters Benedikt, 20. März 2022, um 18.30 Uhr ein.

Aufgrund der Größe unserer Kapelle ist das Mitfeiern des Gottesdienstes ausschließlich nur mit Tragen einer FFP2-Maske möglich.