Seliger des Monats Juli 2021: »Sel. P. Franz Solan Casey O.F.M.Cap.«

Der »Selige des Monats Juli« ist der selige P. Franz Solan Casey O.F.M.Cap. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 30. Juli. Seine Reliquie befindet sich im Haus der Begegnung und kann in der Kapelle einen Monat lang verehrt werden.

Bernard Francis Casey wurde am 15. November 1870 auf einer Farm in Oak Grove als sechstes von 16 Kindern der irischen Immigranten Bernhard James Casey und Ellen (geb. Murphy) geboren. Seine Eltern lernten sich in Biddeford in Maine kennen und heirateten am 6. Oktober 1863, nachdem beide Irland aufgrund der Großen Hungersnot verlassen hatten. Casey wuchs mit seiner Familie in einer 4 mal 10 Meter großen Blockhütte auf und durchlief in seiner Kindheit die genuin irisch-katholische Sozialisierung. Er wurde am 18. Dezember 1870 getauft. 1878 starben zwei seiner Schwestern an Diphtherie. Er selbst überlebte die Infektionskrankheit, die jedoch seine Stimmbänder beschädigte, sodass er nur sehr hoch und mit dünner Stimme sprechen konnte. Seine Familie übersiedelte später nach Hudson, Wisconsin. 1878 besuchte er die Schule in Saint Mary’s, musste sie aber im Oktober 1882 verlassen, nachdem die Familie nach Burkhardt, St. Croix County umzog. 1887 zwangen Missernten am Hof der Eltern Casey verschiedene Arbeitsstellen in Minnesota anzunehmen. Er verdingte sich als Holzflößer, in einer Ziegelei und als Hilfswärter in einem bundesstaatliches Gefängnis in Minnesota, wo er auf inhaftierte Mitglieder der James-Younger-Gang stieß. Während dieser Zeit plante Casey eine Familie zu gründen, wenngleich er auch den Gedanken erwog, Priester zu werden. Indes er als Straßenbahnfahrer in Stillwater bzw. Superior arbeitete, wurde er Zeuge eines brutalen Frauenmordes auf offener Straße durch einen betrunkenen Matrosen.

Von diesem Erlebnis geschockt, intensivierte Casey seine Berufungsfrage, die er unter anderem als Reaktion auf den sozial-religiösen Verfall seiner Zeit verstand. Im Januar 1891 erfolgte die Inskription im Saint Francis High School Seminary, dem Bischöflichen Knabenseminar des Erzbistums Milwaukee und ersten Anlaufpunkt für Priesterseminaristen. Seiner Entschlossenheit stand jedoch eine fehlende Schulausbildung entgegen, zumal in den Klassen in deutscher und lateinischer Sprache unterrichtet wurde. Aus diesem Grund legte ihm die Schulleitung nahe, in einer Ordensgemeinschaft das Priestertum anzustreben. Casey verfasste Aufnahmegesuche an den Kapuzinerkonvent St. Bonaventura in Detroit sowie an die Franziskaner-Provinz und legte am 8. Dezember 1896 ein privates Keuschheitsgelübde ab. Vor einer Marienstatue verweilend vernahm Casey die Worte er solle nach Detroit gehen. Am 24. Dezember 1896 traf Casey im Konvent St. Bonaventura der Kapuziner in Detroit ein. Die Aufnahme in das Noviziat erfolgte am 14. Januar 1897 unter dem Ordensnamen Francis Solanus, nach dem heiligen Francisco Sánchez Solano Jiménez, einem spanischen Missionar des 16. Jahrhunderts. Nach seiner Profess am 21. Juli 1898 und weiteren Schwierigkeiten akademischer Natur, empfing Casey am 24. Juli 1904 die Priesterweihe durch Erzbischof Sebastian Gebhard Messmer in der Saint Francis of Assisi Church in Milwaukee. Wegen seiner mangelhaften theologischen Ausbildung entschieden sich seine Oberen für eine Weihe zum Simplexpriester. Aus diesem Grund hatte Casey weder eine Beichtjurisdiktion noch die Erlaubnis, zu predigen. Seine Primizmesse feierte er am 31. Juli 1904 in Appletown, in Anwesenheit seiner Familie, die er acht Jahre nicht gesehen hatte. Dem apostolischen Engagement der Kapuziner folgend wurde Casey nach der Priesterweihe in verschiedene Konvente des Bundesstaates New York entsandt. Zwischen 1904 und 1918 wirkte er im Konvent Sacred Heart in Yonkers als Küster. Mit seiner 1906 übertragenen Aufgabe an der Klosterpforte entwickelte sich sein Arbeitsplatz zur Anlaufstelle für hilfesuchende Menschen und ihre Gebetsbitten. Hier sollen sich auch erste Heilungen durch Caseys Gebet zugetragen haben. Im Juli 1918 wurde Casey in die Pfarren Our Lady of Sorrows und am 25. Oktober 1921 in die Gemeinde Our Lady Queen of Angels in New York City versetzt. Zeitweilig wirkte er auch an der St. John the Baptist Church in Manhattan. Nach weiteren angeblichen Heilungen dokumentierte er auf Bitten seines Provinzials alle ungewöhnlichen Ereignisse; sein Nachlass umfasst sieben Notizbücher mit „Aufzeichnungen über besondere Fälle“. Von 1925 bis 1945 lebte Casey wieder im Konvent St. Bonaventura in Detroit, wo er hauptsächlich das Amt des Pförtners bekleidete und die gesellschaftlichen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise erlebte. Auch hier entwickelte sich die Klosterpforte zur Anlaufstelle Hilfesuchender und Kranker, für die Casey Krankengottesdienste feierte. Seine Bekanntheit steigerte sich als genesene Personen Casey maßgeblich mit ihren Heilungen in Verbindung brachten. 1929 war Casey in St. Bonaventura an der Gründung der Kapuzinersuppenküche beteiligt. Sie sollte die Armen von Detroit während der Weltwirtschaftskrise mit Lebensmitteln versorgen, ist aber noch heute in Betrieb und serviert 60.000 Mahlzeiten pro Monat. Um seine angeschlagene Gesundheit zu entlasten, wurde Casey 1945 zunächst in die Pfarre St. Michael in Brooklyn, sodann am 25. April 1946 in das Kapuziner-Noviziat St. Felix in Huntington, Indiana versetzt. Hier feierte er am 25. Januar 1947 sein Goldenes Ordensjubiläum. 1956 wurde bei Casey Erysipel bzw. Schuppenflechte diagnostiziert, die nicht mehr zu behandeln war, sodass eine Amputation der Gliedmaßen erwogen, aber nicht vollzogen wurde. Am 2. Juli 1957 musste Casey ins St. John Hospital in Detroit eingeliefert werden. Er starb am 31. Juli 1957 an bakterieller Infektion infolge der Erysipel. Zur Aufbahrung und Beerdigung auf dem Friedhof seines Klosters in Detroit versammelten sich circa 20.000 Personen. Im Jahr 1983 begann der Seligsprechungsprozess für Casey mit der Befragung von Zeugen und Erstellung erster Unterlagen. Postulator war sein Ordensbruder Carlo Calloni; Vizepostulator Edward Foley. Die diözesanen Untersuchungen wurden am 26. Oktober 1986 initiiert und am 18. Januar 2015 abgeschlossen. Am 11. Juli 1995 sprach Papst Johannes Paul II. Casey den heroischen Tugendgrad zu, eine Vorstufe zur Seligsprechung. Am 12. Oktober 2015 folgte die Anerkennung des für die Seligsprechung notwendigen Wunders, das sich 2012 an Paula Medina Zarate, einer pensionierten Lehrerin aus Panama im St. Bonaventura Kloster ereignet haben soll. Zarate sei dabei von ihrer inkurablen genetischen Ichthyose geheilt worden. Papst Johannes Paul II. anerkannte das Wunder mit Dekret vom 4. Mai 2017. Am 18. November 2017 wurde Solanus durch Kardinal Angelo Amato auf dem Ford Field in Detroit im Beisein von 60.000 Menschen seliggesprochen. Seit 1960 pflegt die Fr. Solanus Guild das Andenken und die Verehrung von Casey. Das Grab von Solanus Casey sowie das angrenzende Solanus Casey Center wird jährlich von 250.000 Besuchern frequentiert.         (Quelle: de.wikipedia.org)


Gebet zum seligen P. Franz Solan Casey O.F.M.Cap.:

O Gott, der du in deiner Vorsehung den seligen Franz Solan dem Bild deines Sohnes gleichgemacht und ihn unermüdlich im Dienst an den Armen gemacht hast, gewähre uns durch seine Fürsprache und sein Beispiel dieselbe Großzügigkeit und Freude, uns im Dienst an unserem Nächsten hinzugeben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistesmit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

(Tagesgebet des Gedenktags. Aus dem Englischen übersetzt: ofmcap.org)

Seliger des Monats Juni 2021: »Sel. Justin Maria Russolillo«

Der »Selige des Monats Juni« ist der selige Justin Maria von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit Russolillo S.D.V. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 2. August. Seine Reliquie befindet sich im Haus der Begegnung und kann in der Kapelle einen Monat lang verehrt werden.

Justin (Giustino) Russolillo wurde am 18. Jänner 1891 in Pianura als drittes von zehn Kindern von Luigi Russolillo und Giuseppina Simpatia geboren. Er wurde am Tag nach seiner Geburt getauft, als ein außergewöhnlicher Schneefall in Pianura eintraf. Während sein Name im Taufbuch der Pfarre als „Giustino“ eingetragen ist, wurde er als „Giustino Pietro Orazio“ im Geburtenregister eingetragen. Giovanna, seine Schwester, schloss sich seinem weiblichen Ordenszweig an und wurde dessen erste Generaloberin, während sein Bruder Ciro ebenfalls in die „Gemeinschaft von den göttlichen Berufungen“ eintrat und Priester wurde. Sein Bruder Michael wurde Arzt und half ihm in seinem letzten Monat.

Er hatte im Jahr 1896 seine Erstkommunion und erhielt Privatunterricht von seinen Tanten väterlicherseits sowie von Pater Orazio Guillaro, der ihn in Latein unterrichtete. Nach Abschluss seines Theologiestudiums in Pozzuoli – dort war er seit 1901 – wurde er am 20. September 1913 zum Priester geweiht. Bei seiner Weihe gelobte er, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, um Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben zu fördern. Am 30. April 1914 – mit einer Gruppe von Männern, die sich in Ausbildung befanden (als Seminarist unterrichtete er in seiner Stadt den Katechismus. Er fand in einigen von ihnen Zeichen echter Berufung und bildete sie auch nach seiner Priesterweihe weiter aus) – versuchte er, dafür eine kleine Gemeinschaft zu gründen, aber diese hatte nicht allzu lange Bestand.

Er wurde 1920 zum Pfarrer der Kirche San Giorgio in Pianura ernannt und ergriff am 20. September von ihr Besitz. Am 18. Oktober 1920 gründete er die Vokationistenpatres und am 2. Oktober 1921 auch die Vokationistenschwestern. Der männliche Ordenszweig wurde am 26. Mai 1927 eine Kongregation bischöflichen Rechts. Am 18. Januar 1931 legte er vor dem Bischof von Capaccio Francesco Cammarota sein Gelübde ab und nahm seinen neuen Namen Justin Maria von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit an. Der weibliche Ordenszweig wurde am 24. Mai 1947 eine Kongregation päpstlichen Rechts und der männliche Ordenszweig am 3. Januar 1948.

Russolillo starb am 2. August 1955 in Pianura um 21.10 Uhr an Leukämie, versehen mit den heiligen Sakramenten. Seine sterblichen Überreste wurden später am 14. April 1956 im Mutterhaus der Vokationisten in Pianura beigesetzt. Sein Orden hat sich in vielen Ländern verbreitet: in Lateinamerika (Brasilien, Argentinien, Chile, Ecuador, Kolumbien), in Afrika (Nigeria, Madagaskar, Südafrika), in Europa (Italien, Großbritannien, Frankreich), Nordamerika (USA) von Amerika, Kanada) und in Asien (Indien, Philippinen, Indonesien, Vietnam) sowie in Australien.

Papst Benedikt XVI. genehmigte seine Seligsprechung am 1. Juli 2010 und Kardinal Angelo Amato sprach Russolillo am 7. Mai 2011 in Neapel selig. Er soll 2021 heiliggesprochen werden.

(Aus dem Englischen übersetzt: en.wikipedia.org)


Gebet zum seligen P. Justin Maria Russolillo:

Allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, zum Wohl der Kirche hast du den seligen Justin Maria von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit mit vielen Gnaden gekrönt und ihn zu einem frommen und eifrigen Priester, einem Apostel der „Göttlichen Berufungen“ und einem leidenschaftlichen Verehrer deiner Herrlichkeit, deines Willens und deiner Liebe zur Heiligung aller gemacht. Gewähre uns die Gnade, seine machtvolle Fürsprache zu erfahren, und hilf uns, seine Hingabe und Demut, seine Geduld, seinen Eifer und seine Freundlichkeit gegenüber allen nachzuahmen. Möge jede Gnade, die du uns auf seine Fürsprache gewährst, zu unserem geistigen Wachstum beitragen. Amen.

Drei „Ehre sei dem Vater…“ zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit

(Aus dem Englischen übersetzt: vocationist.net)

Gedenktag der hl. Corona 2021

Am Gedenktag der heiligen Corona, Patronin gegen Seuchen, bitten wir im Gebet um ihre Fürsprache vor Gottes Thron:

»Heilige Corona, Du Trösterin, wir flehen zu Dir in Angst und Sorge um uns und unsere Liebsten. Auch Du warst in Sorge um Dein Schicksal und das Schicksal Deines heiligen Mannes. Du spendetest Hoffnung, als für Dich keine andere Hoffnung war als Gott allein. So bitten wir mit Dir vereint, die Du bei unserem Vater bist.
Heilige Corona, Du Märtyrerin, wir rufen zu Dir in großer Furcht vor Krankheit und Tod. Als Dein Leben bedroht wurde, bliebst Du standhaft im Glauben und in der Liebe. Bitte Gott für uns, dass auch er uns nun die Kraft schenke, auf ihn zu vertrauen und besonders für die Kranken und Schwachen in Liebe dazusein. So bitten wir mit Dir vereint, die Du bei unserem Vater bist«
(Aus einer Novene zur hl. Corona von R. Rodriguez)

Seliger des Monats Mai 2021: »Sel. Carlo Acutis«

Der »Selige des Monats Mai« ist der selige Carlo Acutis. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 12. Oktober. Seine Reliquie befindet sich im Haus der Begegnung und kann in der Kapelle einen Monat lang verehrt werden.

„Es ist wundervoll, denn alle Menschen sind gerufen, wie Johannes Lieblingsjünger zu sein. Es reicht aus, eine eucharistische Seele zu werden und Gott zu erlauben, in uns jene Wunder zu vollbringen, die nur er vollbringen kann! Notwendig ist allerdings die freie Zustimmung unseres Willens. Gott will niemanden zwingen. Er will unsere frei geschenkte Liebe.“ (Sel. Carlo Acutis)

Am 3. Mai 1991 kommt Carlo in England zur Welt, wo sich seine Eltern Andreas und Antonia, beide Italiener, aus beruflichen Gründen aufhalten. Die Familie Acutis ist im katholischen Glauben verwurzelt, zählt aber keinesfalls zu den „fleißigsten Katholiken“. Am 18. Mai wird der kleine Carlo getauft; in einer Kirche, die Unserer Lieben Frau von Fatima geweiht ist. Zeit seines kurzen Lebens wird die Jungfrau Maria für Carlo eine zentrale Rolle spielen. Wenige Monate nach Carlos Geburt kehren die Eltern aus wirtschaftlichen Gründen nach Italien zurück, um sich in Mailand niederzulassen. Carlo ist, wie seine Eltern bestätigen, ein ganz normaler, lebenslustiger Junge. Er hat viele Freunde und spielt gerne. Gleichzeitig bemerkt Antonia schon früh, dass Carlo doch auch anders ist. Als er noch sehr klein ist, bittet er seine Mutter, wenn sie gemeinsam in der Stadt unterwegs sind und bei einer Kirche vorbeikommen, doch reinzugehen: „Mama, lass uns reingehen, um Jesus zu begrüßen.“ Als er in der Schule lesen lernt, fällt ihr auf, dass er oft in der Bibel liest und in einem Buch mit Heiligenlegenden. „Der kleine ‚Quälgeist’ stellte mir viele tiefe Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Ich war völlig überrascht, dass er so fromm war. Er war so klein, aber sich doch so sicher. Mir wurde klar, dass es seine Sache war, aber auch mich anging. So begann ich, mich dem Glauben wieder anzunähern.“ Antonia hört häufig von Lehrern, Klassenkameraden, auch vom Pfarrer, dass Carlo im guten Sinne „auffällig“ ist. Der Pförtner des Wohnblocks in der Via Ariosto in Mailand bringt es so auf den Punkt: „Ihr Sohn ist etwas Besonderes.“ Carlo bittet, zur frühen Erstkommunion gehen zu dürfen. „Damit mein Freund Jesus mir noch näher ist.“ Nach einem eingehenden Gespräch mit einem Priester wird er für reif genug befunden. Carlo empfängt seine erste heilige Kommunion in der Stille des Klosters Bernaga. Ab diesem Zeitpunkt ist die tägliche heilige Messe ein Fixpunkt in seinem Leben. „Wir haben es besser als die Apostel, die vor 2000 Jahren mit Christus gelebt haben. Wir brauchen, um ihm zu begegnen, nur in die Kirche zu gehen. Wir haben Jerusalem vor der Haustür.“ Wenn es Carlo möglich ist, bleibt er nach dem Gottesdienst noch ein wenig zur Anbetung. Die Eucharistie ist Carlos Weg geworden. Das Geheimnis der Gegenwart des Herrn im eucharistischen Leib ist für ihn real und die Wirklichkeit seines Lebens: „Die Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel.“ Mit 11 Jahren schreibt Carlo: „Je öfter wir die Eucharistie empfangen, desto ähnlicher werden wir Jesus; so werden wir schon auf dieser Erde etwas vom Paradies vorwegnehmen können.“ Wichtig ist ihm die Beichte: „Wie ein Ballon beim Aufsteigen Ballast abwerfen muss, so muss auch die Seele für den Aufstieg in den Himmel die kleinen Gewichte loswerden, die die lässlichen Sünden darstellen.“

Schon sehr früh zeigt Carlo eine Begeisterung und eine einzigartige Begabung für Informatik. Gerne spielt er auch mit seinen Freunden gemeinsam am Computer. Alles, was mit Computer zu tun hat, fasziniert ihn. Seine Eltern und Lehrer sind erstaunt über sein Talent und seine für einen Jugendlichen ungewöhnlichen Fähigkeiten und fördern ihn. Carlo lernt mehrere Programmiersprachen, gestaltet Internetseiten, stellt Videos her, gestaltet das Layout von Comics und Broschüren für Kinder. Aber auch in den anderen Unterrichtsfächern bringt er sehr gute Leistungen. Für seine Mitschüler ist er allerdings nicht „der Streber“; wegen seines Humors und seiner Hilfsbereitschaft wird er von allen in der Klasse sehr geschätzt. Carlo ist auch nicht ehrgeizig in dem Sinne, dass er der Beste sein will. Er bemüht sich unaufdringlich um die Mitschüler, die wenig oder keine Freunde haben. Wenn schwache Mitschüler ausgeschlossen oder verspottet werden, ist Carlo zur Stelle, um sie zu verteidigen. Er hat ein Herz für die Schwachen und Armen, das zeigt sich auch in der Schule, aber nicht nur dort. Carlos Mutter Antonia über ihren Sohn: „Er hatte eine Großzügigkeit und interessierte sich für alle Menschen: Ausländer, Behinderte, Kinder, Bettler. In der Nähe von Carlo fühlte man sich wie an einem Brunnen mit frischem Wasser. Für ihn war das Leben ein Geschenk von Gott und jeder sollte sich anstrengen, auf dieses Geschenk eine Antwort zu geben, Tag für Tag in großer Einfachheit. Ich möchte betonen, dass Carlo ein normaler Junge war, er war fröhlich, konnte auch ernst sein, er war hilfsbereit und war sehr gerne in Gesellschaft, er mochte es, seine Freunde um sich zu haben.“ Vor seinen Klassenkameraden machte er aus seinen Werten und Einstellungen keinen Hehl. Das brachte ihm auch manchmal Unverständnis und Ablehnung ein. Sein Religionslehrer berichtet, dass Carlo der einzige war, der sich in einer Religionsstunde gegen Abtreibung aussprach.

Seinen Glauben verbirgt Carlo nicht, drängt ihn aber auch seinen Freunden nicht auf. In seinem Zimmer hängt ein großes Jesusbild. Wenn seine Freunde bei ihm Rat suchen, und das kommt nicht selten vor, dann empfiehlt er dem einen oder anderen, zur Beichte zu gehen oder ihn zur heiligen Messe zu begleiten. In seinem Wohnviertel kennen ihn alle. Wenn er mit dem Rad unterwegs ist, bleibt er spontan stehen, um sich mit jemand zu unterhalten. Nicht selten erzählt er Ausländern, die keine Christen sind, von seinem Glauben. Die Menschen hören diesem sympathischen Jungen gerne zu. Zu Mittag besucht er die Obdachlosen der Gegend, um ihnen Essen zu bringen. Eine tiefe Freundschaft verbindet Carlo mit Rajesh, einem jungen Hinduisten, der bei der Familie Acutis im Haushalt hilft. Die beiden unterhalten sich oft und führen auch lange Gespräche über den Glauben. Rajesh findet schließlich zu Christus und lässt sich taufen. „Ich habe mich taufen lassen, weil mich Carlo angesteckt hat mit seinem Glauben und seiner Nächstenliebe. Normalerweise führt ein so schöner und reicher Junge ja ein anderes Leben, Carlo aber nicht. Er hat mir gesagt, dass ich glücklicher sein werde, wenn ich näher zu Christus komme.“ In der Tat will Carlo kein „anderes Leben“ als das, das er führt. Geld soll man seiner Meinung nach nicht verschwenden für Luxus und überflüssige Dinge. Sein Erspartes geht zu den Armen. Einem Obdachlosen, den er auf seinem Weg zur heiligen Messe täglich sieht, kauft er einen Schlafsack. Den Kapuzinern gibt er Geld für deren Armenspeisung.

Carlo ist ein großer Marienverehrer. Jeden Tag betet er den Rosenkranz. Dutzende Male pilgert er mit seinen Eltern zu einem Marienheiligtum nach Neapel, das „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“ geweiht ist. Jedes Mal weiht er dort sein Leben Maria. „Die Muttergottes ist die einzige Frau in meinem Leben“, sagt er. Der tägliche Rosenkranz ist ihm ein Bedürfnis. Besonders nah sind ihm Francesco und Jacinta Martos, die beiden Seherkinder von Fatima. Mit den Erscheinungen und Botschaften von Fatima setzt sich Carlo intensiv auseinander. „Sicher können“, sagt Carlo, „die Wunder der Jungfrau Maria während ihrer Erscheinungen auf der Erde eine große Hilfe sein, den Glauben vieler Menschen wachsen zu lassen. Und trotzdem bleiben bis heute viele davon derart unberührt.“ Und er überlegt, wie er anderen Menschen helfen kann, mit den unterschiedlichen Erscheinungsorten und Botschaften der Muttergottes in Berührung zu kommen. In Form einer Dokumentation, einer Sammlung vielleicht …? Im Jahr 2002 fährt Carlo mit seinen Eltern zu einem Großtreffen der katholischen Gemeinschaft Communio et Liberazione nach Rimini. Carlo ist fasziniert von den vielen Menschen, die sich dort versammelt haben, von den Vorträgen und von den Ausstellungen, die es zu sehen gibt. In diesen Tagen reift in dem Jungen ein Plan: Man müsste eine Ausstellung über die von der Kirche anerkannten eucharistischen Wunder machen, damit die Menschen begreifen, worum es sich bei der Eucharistie handelt. Die Mutter erzählt: „Carlo war überzeugt, dass den Leuten dadurch klar würde, dass es sich bei der gewandelten Hostie und dem gewandelten Wein tatsächlich um den Leib und das Blut Christi handelt; nicht nur um etwas Symbolisches. In dieser Zeit half mein Sohn Carlo auch bei der Katechese in der Pfarrei und so eine Ausstellung erschien ihm eine gute Möglichkeit, den Leuten das Geheimnis der Eucharistie näher zu bringen.“ Als die Familie nach dem Treffen in Rimini wieder nach Mailand zurückkehrt, macht sich Carlo sofort an die Arbeit. Seine außergewöhnlichen Informatik-Kenntnisse kann er dabei gut einsetzen. Er legt eine umfangreiche Dokumentation an. Seine Eltern bittet er, mit ihm an die betreffenden Orte in Italien und auch in Europa zu reisen, um weiteres Material zu sammeln. Die verschiedensten Leute sind in das Projekt involviert. Nach drei Jahren intensiver Arbeit ist die Ausstellung über die eucharistischen Wunder fertig. Nachdem die Ausstellung in der Diözese Mailand bekannt und verbreitet wird, kommen rasch Anfragen aus anderen Diözesen, auch aus dem Ausland. „Carlo konnte nie begreifen, warum die Stadien bei Konzerten voll waren und die Kirchen so leer. Er sagte immer wieder: ‚Die Menschen müssen es verstehen!’ Mit dieser Ausstellung hoffte er, dazu beizutragen.“

Am 4. Oktober 2006 soll in der Schule ein Video vorgeführt werden, dass Carlo selber gemacht hat. Es geht darum, den Mitschülern verschiedene Möglichkeiten für ein Volontariat vorzustellen. Es lag ihm sehr am Herzen, seine Kameraden für diese Form der freiwilligen Hilfe zu öffnen. Das Video ist fertig, aber Carlo wird krank. Am Anfang denkt keiner an etwas Schlimmes, denn Carlo ist ein kräftiger Junge, man vermutet eine Grippe. Doch schon einige Tage später muss er ins Krankenhaus, es geht ihm sehr schlecht. Als er mit seiner Mutter die Schwelle des Krankenhauses überschreitet, sagt er: „Hier komme ich nicht wieder heraus.“ Die Untersuchungen ergeben eine schlimme Diagnose: Carlo leidet an Leukämie, an einer sehr aggressiven Form. Seinen Eltern vertraut er an: „Ich opfere die Leiden, die ich ertragen muss, dem Herrn auf für den Papst und die Kirche, damit ich nicht ins Fegefeuer muss, sondern gleich in den Himmel komme.“ Die Leiden bleiben in den wenigen Tagen, die er noch zu leben hat, nicht aus. Am 12. Oktober 2006 stirbt Carlo, er ist 15 Jahre alt geworden.

Bei seinem Begräbnis – Carlo ist auf dem Friedhof in Assisi begraben – sind die Kirche und der Platz davor überfüllt. Antonia berichtet: „Ich habe Menschen gesehen, die ich zuvor nie gesehen hatte. Obdachlose, Asylanten, Kinder … Viele Leute haben mir von Carlo erzählt, von Dingen, die ich gar nicht wusste. Ich, die ich mich so verlassen fühlte, hörte viele Zeugnisse von Menschen, die meinen Sohn kannten.“

Carlos Ausstellung ist mittlerweile um die halbe Welt gereist: China, Russland und Lateinamerika. In den USA wurde sie in tausenden Pfarreien und in über 100 Universitäten gezeigt. Im Jahr 2006 hat Carlo auch eine Ausstellung über die anerkannten Marienerscheinungen begonnen, die er aber wegen seiner blitzartig tödlich endenden Krankheit nicht fertigstellen konnte. 2014 wurde die Ausstellung fertiggestellt und wird an vielen Orten gezeigt. 2013 begann das Verfahren zu Seligsprechung von Carlo Acutis. Am 5. Juli 2018 wurde er von Papst Franziskus für ehrwürdig erklärt; nach der Anerkennung eines durch seine Fürsprache geschehenen Wunders fand die Seligsprechung am 10. Oktober 2020 in der Basilika di San Francesco in Assisi statt. Er gilt als der designierte Patron des Internets.

Auf seiner Webseite veröffentlichte er seine Grundsätze, mit denen man die Heiligkeit erreiche. Er selbst versuchte, genau danach zu leben und spornte auch andere dazu an. Darunter finden sich folgende acht Punkte:

  • Du musst die Heiligkeit aus ganzem Herzen wollen. Und wenn diese Sehnsucht noch nicht in deinem Herzen erwacht ist, musst du den Herrn inständig darum bitten.
  • Gehe jeden Tag zur heiligen Messe und empfange die heilige Kommunion.
  • Denke daran, jeden Tag den Rosenkranz zu beten.
  • Lies jeden Tag einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift.
  • Nimm dir Zeit für die Eucharistische Anbetung. Jesus ist in diesem Sakrament wirklich gegenwärtig. Du wirst sehen, welche Fortschritte du in der Heiligkeit machst!
  • Gehe jede Woche zur heiligen Beichte, auch wenn Du nur lässliche Sünden begangen hast.
  • Lege Fürbitte ein und schenke Blumen (Opfer und gute Taten) dem Herrn und Maria, um anderen zu helfen.
  • Bitte deinen Schutzengel, dir immer zu helfen, damit er dein bester Freund wird.

(Christa Pfenningberger: Carlo Acutis. In: Feuer und Licht, Nr. 251, Februar 2016)


Gebet um die Heiligsprechung des seligen Carlo Acutis:

O Gott, unser Vater, danke, dass du uns Carlo geschenkt hast, Vorbild des Lebens für die Jugendlichen und Botschaft der Liebe für alle.

Du hast bewirkt, dass er sich in deinen Sohn Jesus verliebt, und so wurde die Eucharistie seine „Autobahn in den Himmel“.

Du hast ihm Maria geschenkt, als seine über alles geliebte Mutter, und mit dem Rosenkranz hast du aus ihm einen Sänger ihrer Zärtlichkeit gemacht.

Erhöre sein Gebet für uns. Blicke vor allem auf die Armen, die er geliebt und denen er geholfen hat. Gewähre auch mir auf seine Fürsprache die Gnade, um die ich bitte…

Und mache unsere Freude dadurch vollkommen, dass du Carlo unter die Heiligen deiner heiligen Kirche aufnimmst, damit sein Lächeln auch heute für uns erstrahle zur Ehre deines Namens. Amen.

Vater unser… Gegrüßet seist Du, Maria… Ehre sei…

(Imprimatur + Domenico Sorrentino)

Reliquie des seligen Carlo Acutis

Gepriesen sei der Name des Herrn, halleluja! Mit großer Freude haben wir heute die Reliquie des seligen Carlo Acutis in unserem Haus begrüßt. Seliger Carlo, bitte für uns in dieser schweren Zeit!

Seliger des Monats April 2021: »Seliger August Czartoryski«

Der »Selige des Monats April« ist der selige August Czartoryski. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 8. April. Seine Reliquie befindet sich im Haus der Begegnung und kann in der Kapelle einen Monat lang verehrt werden.

August Czartoryski, geboren am 2. August 1858 in Paris, war der Sohn von Wladyslaw und Maria Amparo von Czartoryski; als er sechs Jahre alt war, starb seine Mutter an Tuberkulose. Margarete Memours, die Enkelin des König von Frankreich, wurde seine Stiefmutter, die immer sehr gut zu ihm war. August sprach Polnisch, Französich und Spanisch, sah Polen immer als sein Vaterland an und verbrachte seine Jugend auch teilweise in Polen sowie am spanischen Königshof bei Alfons XII. 1867 lebte er für einige Monate in Sieniawa in Polen. In Paris studierte er dann; aufgrund der Erkrankung an Tuberkulose, die auch ihn schon von früher Jugend an quälte, bekam er ab 1870 nur noch zu Hause Unterricht. 1871 feierte er seine Erstkommunion in der Kirche in Sieniawa, dann lebte er zeitweise in Krasiczyn und später in Krakau, wo er Privatunterricht bekam. Großen Einfluss hatte sein Erzieher Joseph Kalinowski, der ihn im Jahr 1874 betreute.

August Czartoryski wollte kein fürstliches Luxusleben führen und entschied sich schon früh, sein Leben Gott zu widmen. 1883 lernte er Johannes Don Bosco kennen, der ihn auch stark prägte. Einige Jahre lang hatte er mystische Erlebnisse: die dunkle Nacht des Geistes, als würde Gott sich verstecken – um so die Seele zu reinigen. Kurz vor Ostern 1887 beichtete er bei Don Bosco in dessen Oratorium in Turin. August wollte den Salesianern beitreten und Kaplan werden, doch Don Bosco riet davon ab, denn die Gemeinschaft war nicht für Adlige bestimmt. Nach einem Gespräch, das August mit Papst Leo XIII. führte, der seine mystischen Erlebnisse anerkannte, nahm ihn Johannes Bosco aber doch bei den Salesianern auf. August hatte aufgrund seiner Krankheit viele Unterbrechungen in seinem Studium, deshalb musste er ohne Unterstützung des Ordens sein Studium eigenständig fortsetzen, um sich auf seine Weihe zum Kaplan vorzubereiten, die er dann im April 1892 in San Remo in einer privaten Kapelle empfing. Er lebte dann in Alassio, wo er am 25. April 1893 starb.

Sein Grab fand August Czartoryski in der Kirche in Sieniawa. Papst Johannes Paul II. sprach August Czartoryski 2004 selig. (Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zum seligen August Czartoryski:

Allmächtiger und barmherziger Gott, Dein Sohn hat sich als Reicher um unsretwillen arm gemacht. Gewähre uns, nach dem Beispiel des seligen Priesters August Czartoryski in seiner Nachfolge auf das Wirken Deines Geistes zu hören und Dir in den bedürftigen Jugendlichen demütig zu dienen.  Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

Heiliger des Monats März 2021: »Heiliger Joseph«

Der »Heilige des Monats März« ist der heilige Joseph, Bräutigam der Gottesmutter Maria. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 19. März. Eine Reliquie mit einem Faden aus seinem Mantel befindet sich im Haus der Begegnung und kann in der Kapelle einen Monat lang verehrt werden.

Joseph war der Vater – oder Ziehvater – Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs David, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Baumeister in Nazareth und war der Verlobte von Maria, die dann Mutter Jesu wurde. Nach späterer Überlieferung war er damals ein schon alter, 80-jähriger Mann. Als er erfuhr, dass Maria schwanger war, zweifelte er an deren Treue und wollte sich von ihr trennen; doch ein Engel erklärte ihm in einem Traumgesicht, dass Maria „vom Heiligen Geist“ schwanger sei, und Joseph blieb bei ihr (Matthäusevangelium 1, 18 – 21). Wegen einer von den Römern angeordneten Volkszählung musste er mit der schwangeren Maria nach Betlehem reisen, wo Jesus geboren wurde (Lukasevangelium 2, 1 – 7). Dann folgte die Flucht nach Ägypten, um dem Kindermord des um seine Herrschaft fürchtenden Herodes zu entgehen (Matthäusevangelium 2, 13 – 15); nach dessen Tod im Jahr 4 n. Chr. konnten sie nach Nazareth zurückkehren (Matthäusevangelium 2, 19 – 23).

Zum letzten Mal wird Joseph in den Evangelien erwähnt, als er und Maria den zwölfjährigen Jesus im Tempel diskutierend mit den Schriftgelehrten vorfanden, wobei nur von Jesu „Eltern“ die Rede ist und Joseph nicht explizit genannt wird (Lukasevangelium 2, 41 – 51). Im Neuen Testament bleibt Joseph aber immer irgendwie im Schatten: kein einziges Wort ist von ihm überliefert, er scheint stumm die Anweisungen Gottes auszuführen. Auch als er und Maria den jungen Jesus im Tempel finden, spricht nur Maria (Lukasevangelium 2, 41 – 51). Auch von seinem Tod wird nichts erzählt, Joseph verschwindet einfach. Das Matthäusevangelium (13,55) nennt namentlich vier Brüder Jesu: Jakobus, Joseph, Simon und Judas, dazu mehrere Schwestern. Schon bei den frühen Kirchenvätern des Ostens gelten diese als Söhne Josephs aus einer ersten Ehe. Die Westkirche ging zunächst davon aus, die Geschwister Jesu seien nach dessen jungfräulicher Geburt von Maria und Joseph gezeugt worden. Das spätere Dogma der immer-währenden Jungfernschaft Mariens ließ sie – erstmals bei Hieronymus – zu Vettern Jesu werden, Joseph wäre also ihr Onkel gewesen. Spätere Quellen wie das Jakobusevangelium aus dem 2. Jahrhundert berichten von der Brautwerbung Josephs. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde (Josephs-Ehe). Jeder Bewerber – allesamt waren Witwer – sollte einen Stab auf dem Altar des Tempels niederlegen; Josephs Stab grünte und blühte, zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder. Als Maria trotz des Keuschheitsgebotes schwanger wurde, bezweifelten die Hohen Priester die Enthaltsamkeit der Eheleute. Um ihre Unschuld zu beweisen, mussten beide das giftige Fruchtwasser trinken, blieben aber gesund: dieses Gottesurteil sprach sie von allen Vorwürfen frei.

Josephs Verehrung lässt sich im Osten früher nachweisen als im Abendland, wo die früheste Erwähnung seines Festes am 19. März im Martyrologium von der Reichenau um 850 aufscheint – als Gedenktag wohl festgelegt in der Absicht, das Fest der Minerva, der römischen Göttin der Handwerker, zu ersetzen. Papst Sixtus IV. erklärte 1479 den 19. März zum offiziellen Festtag des Heiligen, nachdem der Josephskult seit dem 14. Jahrhundert besonders von Bettelorden gefördert wurde. Zuvor hatten Bernhard von Clairvaux und verschiedenen Mystiker sich intensiv mit Josephs Rolle in der Heilsgeschichte befasst. Seit 1621 ist der Josephstag Fest im römischen Kalender. Die Habsburger erkoren Joseph zu ihrem Hausheiligen. Nachdem Kaiser Ferdinand II. 1620 mit einem Bild Josephs in die Schlacht gegen die pfälzisch-böhmische Armee am Weißen Berg bei Prag gezogen war und den Sieg errang, wurde der Josephstag im Habsburger Reich zum Feiertag. Papst Clemens X. erhöhte 1670 den Rang des Festes; 1714 bereicherte Papst Clemens XI. das Fest mit einem eigenen Messformular und Offizium; Papst Benedikt XIII. fügte den Josephs Namen in die Allerheiligenlitanei ein.

Papst Pius IX. ernannte Joseph 1870 zum Patron der ganzen katholischen Kirche, Papst Pius XI. ernannte ihn 1937 zum Patron all derer, die den Kommunismus bekämpfen. Das Fest „Heiliger Joseph, der Arbeiter“, hat Papst Pius XII. 1955 eingeführt als Gedenktag, der Joseph mit dem Tag der Arbeit am 1. Mai in Verbindung bringen soll. In Spanien ist, wie in den meisten Ländern, der Josephstag auch der Vatertag; man gibt den Vätern Geschenke, zum Beispiel malen die Kinder in der Schule Bilder für sie. In Bayern war der Josephstag bis 1968 ein Feiertag. Die Mädchen bekamen Blumenkränze, die ihre Jungfräulichkeit bewahren sollten oder Blumensträuße, die beim Finden eines Bräutigams helfen sollten. Jung Verheiratete steckten sich „Josefsringe“ an, um gegen Versuchungen gefeit zu sein. Nach dem Kirchgang gab es an diesem Tag die erste Maß der Saison im Biergarten. Bis heute ist Joseph einer der weltweit gebräuchlichsten Vornamen in nahezu hundert nationalen und verballhornten Varianten, so im deutschen Sprachraum als Sepp, Jupp, Beppo, Joop oder Joschka. In Italien wird am Josephstag auch der „Vatertag“ gefeiert; dazu werden die „Zeppole di San Giuseppe“ gebacken, deren Form an einen Windbeutel erinnert und die mit Vanillecreme gefüllt sind; sie stammen ursprünglich aus Neapel und sind schon um 1400 belegt. Als Reliquie wird im Dom in Perugia der Ring verehrt, den Joseph Maria bei ihrer Verlobung angesteckt habe.

Der heilige Joseph ist Patron der ganzen katholischen Kirche, von Mexiko, Philippinen, Kanada, China, Böhmen, Bayern, Peru, Russland, Vietnam und Österreich, von Tirol, der Steiermark, Kärnten und Vorarlberg; der Ehepaare und Familien, Kinder, Jugendlichen und Waisen, der Jungfräulichkeit, der Kämpfer gegen den Kommunismus; der Arbeiter, Handwerker, Zimmerleute, Holzhauer, Schreiner, Wagner, Totengräber, Ingenieure, Erzieher, Pioniere, Reisenden und Verbannten, der Sterbenden; bei Augenleiden; in Versuchungen und Verzweiflung; bei Wohnungsnot; für einen guten Tod; der Diözese Köln, des Bistums Osnabrück, Mitpatron des Bistums Münster; des Servitenordens.

(Quelle: heiligenlexikon.de)


Der Mantel des heiligen Joseph

Der heilige Hieronymus, einer der großen Übersetzer der Bibel, lebte in Bethlehem, wo er über 20 Jahre lang Teil der frühchristlichen Gemeinde (4. Jahrhundert) war. Dort hatte er Zugang zu zwei unglaublichen Reliquien: dem Schleier der Jungfrau Maria und dem Mantel des heiligen Joseph. Die Reliquien werden seit über 1600 in der Basilika Sant’Anastasia in Rom verehrt. Sie befinden sich beide in einem sehr guten Zustand und werden selten öffentlich zur Verehrung ausgestellt. Der Mantel des heiligen Josef soll Überlieferungen nach jener Mantel gewesen sein, in dem er das neugeborene Jesuskind zum Schutz eingewickelt hat.


Gebet zum heiligen Joseph:

Die katholische Kirche gewährt einen Teilablass jedem Gläubigen, der das „Ad te, beate Joseph“ betet:

(V) Heiliger Josef, in unserer Not kommen wir zu dir und bitten voll Vertrauen um deinen Schutz. Du warst in Liebe mit der Unbefleckten Gottesmutter verbunden und hast väterlich für Jesus gesorgt. Darum bitten wir dich:

(A) Sieh auf das Volk, das Jesus Christus mit seinem Blut erworben hat, und hilf uns mit deinem mächtigen Beistand.

(V) Du Beschützer der Heiligen Familie, wache über das Haus Gottes. Halte fern von uns alle Ansteckung durch Irrtum und Verderbnis.

(A) Du starker Helfer, steh uns bei im Kampf mit den Mächten der Finsternis.

(V) Du hast das Jesuskind aus der Lebensgefahr errettet; so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen den bösen Feind und seine Verführung.

(A) Nimm uns in deinen Schutz, dass wir nach deinem Beispiel und mit deiner Hilfe heilig leben, selig sterben und das ewige Leben erlangen. Amen.

Aschermittwoch: Beginn der österlichen Bußzeit

Österliche Bußzeit (Fastenzeit) heißt nicht nur, weniger essen und trinken, sondern grundsätzlich weniger für sich selbst fordern und verbrauchen. Der Sinn: Der ganze Mensch soll frei werden und sich selbst wiederfinden; er soll das einüben und verwirklichen, was wir durch die Taufe geworden sind: ein neuer Mensch, in dem Christus sichtbar wird. Das Gesetz Christi heißt: nicht fordern, sondern schenken; loslassen, sich selber lassen und wie durch den Tod hindurch das neue, größere Leben gewinnen.


Sieben Bitten für die Fastenzeit

Herr, gib mir bitte die Einsicht mein Leben zu überprüfen und zu ändern.

Herr, schenke mir die Lust meinen Konsum frei und fair zu gestalten.

Herr, entzünde in mir die Sehnsucht geliebt zu werden und zu lieben – immer und  jetzt.

Herr, komm mir mit deinem Frieden zuvor. Damit ich die Wut besänftige. 

Herr, stupse mich an, dass ich täglich das Weltweh lindere und solidarisch lebe.

Herr, in deiner Weite ruhe ich mich aus. Lehre mich, die Grenzen anzunehmen.

Herr, du bist mein Gott. Träume mit mir, dass die Kraft der Auferstehung uns je neu trägt.

(Michael Lehmler)

10. Februar: Fest der hl. Scholastika

Am 10. Februar feiern wir das Fest der heiligen Scholastika, der Zwillingschwester unseres heiligen Vaters Benedikt.

Über Scholastika haben wir Nachrichten nur durch den legendären Bericht des Papstes Gregor d. Gr. Scholastika war eine Schwester des hl. Benedikt und wohnte als gottgeweihte Jungfrau nicht weit vom Kloster Monte Cassino. In nur sieben Kilometer Entfernung gründete Scholastika ebenfalls ein Kloster, den Konvent von Piumarola: Keimzelle des weiblichen Zweiges des Benediktinerordens, der erste Ort, an dem Ordensfrauen der Regel des heiligen Benedikt folgten.

Scholastika empfahl ihren Mitschwestern, die Regel der Stille zu befolgen und nicht das Gespräch mit Menschen von außerhalb des Klosters zu suchen, mochten es auch fromme Besucher sein. „Schweigt oder sprecht von Gott, denn nichts sonst in der Welt ist es wert, dass man darüber redet”, soll sie gesagt haben, jedenfalls ihrem päpstlichen Biographen zufolge.

Von Gott redete Scholastika am liebsten mit ihrem Zwillingsbruder: Einmal im Jahr besuchte sie ihn zu einem geistlichen Gespräch. Das Letzte dieser Gespräche ist bemerkenswert, dass es bis in die Nacht hinein verlängert wurde; Scholastika hat den Bruder dazu gezwungen, indem sie durch ihr Gebet ein plötzliches Gewitter bewirkte, das ein Verlassen des Hauses unmöglich machte. Scholastika „war mächtiger, weil sie die größere Liebe hatte“, sagt Gregor. Drei Tage später sah Benedikt die Seele seiner Schwester in Gestalt einer Taube zum Himmel aufsteigen. Ihren Leib ließ er in dem Grab beisetzen, das für ihn selbst bestimmt war.

Heiliger des Monats Februar 2021: »Hl. Apostel Matthias«

Der »Heilige des Monats Februar« ist der heilige Apostel Matthias. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 24. Februar. Seine Reliquie befindet sich im Haus der Begegnung und kann in der Kapelle einen Monat lang verehrt werden.

Von Matthias – das ist die Kurzform des hebräischen Mattathias – gibt es nur wenige sichere Nachrichten; er kam nach der Himmelfahrt Christi durch das Los – auch Joseph Barsabbas stand zur Wahl – als Nachrücker für Judas Iskariot in das Apostelkollegium der Urgemeinde in Jerusalem, (Apostelgeschichte 1, 26). Nach unsicheren Berichten bei Eusebius von Cäsarea stammte Matthias aus einer wohlhabenden Familie in Betlehem; er habe Jesus in jungen Jahren kennengelernt und zu den 70 Jüngern gehört, die Jesus zur Verkündigung des Reiches Gottes aussandte (Lukasevangelium 10, 1). Matthias wirkte nach verschiedenen Legenden in Judäa für den Glauben, wurde wegen seiner Heilungen, Bekehrungen und gelehrten Predigten beim Hohen Rat verklagt, zum Tode verurteilt, gesteinigt und nach römischem Brauch mit dem Beil enthauptet. Anderen Überlieferungen zufolge soll er in Griechenland oder im Kaukasus oder – wie Matthäus – in einem Äthiopien genannten Land am Schwarzen Meer den Glauben verkündet haben und im Jahr 63 zuerst gesteinigt, dann mit dem Beil erschlagen worden sein. Einer Überlieferung zufolge soll ihn nach vorübergehender Blendung und wunderbarer Wiedererlangung des Augenlichts der Apostel Andreas aus den Händen von Menschenfressern gerettet haben, so dass er eines friedlichen Todes starb. Schon im 2. Jahrhundert kursierte eine nur bruchstückhaft erhaltene Evangelienschrift unter seinem Namen. Matthias‘ Gebeine sollen in Rom in der Basilika Santa Maria Maggiore bestattet und dann in Teilen mit Unterstützung von Helena durch Bischof Agritius nach Trier gebracht worden sein; schriftliche Zeugnisse darüber liegen erst aus dem 9. Jahrhundert vor. Um 1050 wurde die Gebeine in Trier erstmals gefunden und in der St.-Eucharius-Kirche im Altar beigesetzt. Ein Matthias-Kult entfaltete sich in Trier nach der – angeblichen – Wiederauffindung der zeitweise verschollenen Reliquien bei den Abrissarbeiten dieses Vorgängerbaus der heutigen Abteikirche St. Matthias im Jahr 1127; während eines mehrmonatigen Aufenthaltes in Trier weihte Papst Eugen III. 1148 die neue Kirche und anerkannte den Kult, den der Trierer Erzbischof förderte wegen des andauernden Rangstreites mit den Kölner Erzbischöfen: Matthias‘ Reliquien wurden zum symbolischen Ausdruck der apostolischen Gründung des Erzbistums Trier und unterstrichen dessen Anspruch auf den ersten Rang unter allen deutschen Bistümern und seine Selbstbezeichnung als „zweites Rom“. Matthias‘ Grab in Trier ist das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. Teile der Trierer Reliquien kamen der Überlieferung zufolge nach Goslar. Weitere Reliquien liegen in der Kirche S. Giustina in Padua. Im 12. Jahrhundert verfasste Lambert von Lüttich in Trier eine Lebensgeschichte, eine Sammlung von Wundern und Visionen anlässlich der Verehrung sowie Berichte über Auffindung und Überführung der Gebeine des Matthias. Die Wallfahrt zum Matthias-Grab bekam im Mittelalter große Bedeutung, es entstanden Matthias-Bruderschaften; einige führen bis heute Wallfahrten durch. Matthias wurde abgebildet in Darstellungen von Pfingsten, von Tod und Himmelfahrt der Maria und seiner Wahl zum Apostel, sonst ist er meist in der Darstellung der zwölf Apostel durch Paulus verdrängt. Der letzte Satz des apostolischen Glaubensbekenntnisses wird ihm zugeteilt: „et vitam aeternam“, „und das ewige Leben“. Die Volksfrömmigkeit entwickelte zahlreiche Bräuche, die mit dem am 24. Februar aufkommenden Frühjahr zusammenhängen: in Böhmen schüttelte man an den Obstbäumen für eine reiche Ernte. In der Matthias-Nacht legte man Efeublätter in Wasser; war eines am nächsten Morgen durchweicht, drohte Krankheit. In der Matthias-Nacht werden durchs Los Liebes- und Todesorakel eingeholt – im Hintergrund steht dabei die Wahl des Apostels durch ein Los. Patron von Goslar, Hannover und Hildesheim; der Bauhandwerker, Zimmerleute, Schreiner, Schmiede, Schweinehirten, Schneider, Metzger und Zuckerbäcker; zum Schulbeginn von Jungen; gegen Pocken, Windpocken, Keuchhusten, eheliche Unfruchtbarkeit; des Bistums Trier.

(Quelle: heiligenlexikon.de)


Gebet zum heiligen Apostel Matthias:

O Allerheiligste Dreifaltigkeit! Ich bete Deine unendliche Majestät an und danke Deiner Güte für all die Gnaden und Gaben, die Du Deinem treuen Apostel Matthias verliehen hast. Ich bitte Dich, Du mögest ihn auf Erden auch weiter verherrlichen, und mir durch seine Fürbitte die Gnade geben, die ich demütig von Deiner Barmherzigkeit erflehe:…

O Gott, Du hast den heiligen Matthias in die Zahl Deiner Apostel eingereiht; wir bitten Dich: gib, dass wir auf seine Fürsprache stets die Zärtlichkeit Deiner Vaterliebe gegen uns erfahren. Durch unsern Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und regiert in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

(Altes Matthiasgebet)