Das Bier bringt die Hoffnung!

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Die Wiener Zeitung berichtet in ihrer Ausgabe vom 1. September 2017 über die Mönche von Norcia:

Bier war einst ein ganz und gar mönchisches Produkt. Heute zieren nur noch die Ordensnamen die Etiketten berühmter Biere, mit Klostertradition haben die meisten Getränke kaum noch etwas zu tun. Ganz anders die Benediktinermönche aus dem italienischen Städtchen Norcia in Umbrien: Seit 2012 brauen sie unter dem Namen Nursia ihr eigenes, viel gerühmtes Bier. Nach dem zweiten schweren Erdbeben im vergangenen Jahr in Mittelitalien am 30. Oktober waren die Benediktiner gezwungen, ihr Kloster in Norcia zu verlassen. Es befand sich im selben Gebäudekomplex, zu dem auch die eingestürzte Benedikts-Basilika gehörte.

Jetzt bauen sich die Mönche in den Hügeln nahe Norcia, der Geburtsstadt des heiligen Benedikt und Gründer ihres Ordens, ein neues Zuhause. Ihre ganze Hoffnung ruht dabei auf dem Verkauf und der verbindenden Wirkung von Bier. „Bier ist ein geeignetes Mittel zur Evangelisierung“, sagt Prior Benedetto Nivakoff über die Rückkehr der Mönche zur uralten klösterlichen Brautradition. Die Produktion, die früher etwa 10.000 Flaschen monatlich erreichte, musste in Folge des Erdbebens zurückgefahren werden. „Jeder Kauf des Nursia-Biers trägt dazu bei, dass die Mönche einen Ort haben, an dem sie ihre jahrhundertealten lateinischen Gesänge anstimmen und die Brauerei wiederaufbauen können“, heißt es auf der Homepage.

Die alte Brauerei wurde bei dem Erdbeben Ende Oktober leicht beschädigt und soll nun erdbebensicher wieder aufgebaut werden. Dazu haben die 16, vor allem aus den USA stammenden Mönche eine Spenden-Kampagne gestartet. Prior Benedict Nivakoff suchte zuletzt auch vermögende Spender in den USA, um den Bau des Klosters San Benedetto in Monte zu ermöglichen. Die belgische Brauerei Leffe half bereits bei der Errichtung der neuen Kapelle. Für den 17. September ist die Einweihungsfeier geplant.

Ora et labora
Seit fünf Jahren brauen die Benediktiner zwei Biertypen unter dem Label Nursia, der lateinischen Ortsbezeichnung von Norcia. Das Helle mit sechs Prozent Alkoholgehalt sowie einen Urtyp (zehn Prozent Alkohol) erfreuen sich nicht nur in Umbrien großer Beliebtheit, auch in die USA wird exportiert. Als er noch amtierte, schickten die Benediktiner dem von ihnen verehrten Papst Benedikt XVI. eine Probe in den Vatikan. Benedikt, der eigentlich Fanta-Liebhaber ist, soll vor allem die Geste goutiert haben. „Nursia ist das einzige Klosterbier auf der Welt, das ausschließlich von Mönchen zubereitet wird“, sagt Braumeister Augustine Wilmeth aus South Carolina.

Das Know-how holten sich die Benediktiner von Trappisten-Mönchen aus Belgien und verwirklichten so die Maxime des Heiligen Benedikt, dass ein echter Mönch von der Arbeit der eigenen Hände leben soll. „Ora et labora“ bestimmt den Alltag der Mönche, die um 3.30 Uhr aufstehen, acht Mal am Tag gemeinsam beten, kein Fleisch essen, zwischen 15. September und Ostern nur eine Mahlzeit zu sich nehmen und die Messe nach dem alten Ritus feiern. Sie als Traditionalisten zu bezeichnen, trifft auch im Hinblick auf die Wiederentdeckung der einst von Mönchen im Mittelalter perfektionierten Braukultur zu. Die Gemeinschaft der Benediktiner von Norcia wurde erst im Jahr 2000 neugegründet.

Professionelles Marketing
Nichts hindert die Mönche dabei, trotz aller Rückwärtsgewandtheit exzellente Manager ihrer selbst zu sein. Ihre beiden Homepages sind höchst professionell gestaltet, seit zwei Jahren verkaufen die Mönche erfolgreich eine CD mit von ihnen gesungenen gregorianischen Chören. Sogar ein „Erdbebenbier“ war bis vor kurzem im Sortiment. Ihrem noch im letzten Sommer gebrauten, aber erst nach dem Beben im Oktober abgefüllten Bier, dem die Erdstöße einen besonderen Geschmack gegeben haben sollen, gaben die Mönche den Namen „I love Nursia“.

(Quelle: WZ vom 01.09.17)

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