Selige des Monats Dezember 2017: Selige Mutter Maria von Aposteln (Therese) von Wüllenweber – Mitbegründerin der Salvatorianerinnen

»Sehnsucht« (Gedicht von der sel. Maria von den Aposteln)

Wenn ich von Missionen höre
Fühl’ ich einen Drang in mir,
Eine Liebe und ein Sehnen,
Wie sie sonst mir unbekannt.

Meine Tage werden kürzer,
Meine Haare werden grau,
Aber diese Lieb’ im Herzen,
Schwächet nicht, sie wächst in mir!

Eins nur, eins ich noch begehrte,
Könnt’ ich etwas dienen noch,
Etwas für Missionen thuen,
Etwas ganz Besondres noch!

Wer gab mir denn diesen Eifer,
Wer gab mir denn diesen Drang,
Kommt er nicht von meinem Heiland;
Führt er nicht zum Heiland hin!

Will mich ganz und gar Dir schenken,
Ganz und gar, für was Du willst,
Ganz in Demuth will ich schwinden,
Als ein armes Werkzeug Dein!

Wenn ich dann am Todbett liege,
Sag’ ich: Sieh, es ist geschehn,
Was sich stets zog durch Dein Leben,
Sieh, es hat entfaltet sich!

Schon von früher Jugend an verspürte die selige Maria von den Aposteln den inneren Drang, ihren Mitmenschen zu helfen und in der Mission tätig zu sein.

Bild der seligen Mutter Maria von den Aposteln mit ihrer Reliquie

»Therese war die erste von fünf Töchtern des Barons Theodor von Wüllenweber und seiner Frau Elisabeth, geborene Lefort. Als 15-jährige kam sie in das Pensionat der Benediktinerinnen in Lüttich. Nach zwei Jahren kehrte sie nach Hause zurück und wurde von ihrem Vater in die Verwaltung der Güter eingeführt. Gegen seinen Willen, aber mit Unterstützung ihrer Mutter, trat sie 1857 in das Kloster Blumenthal der Schwestern vom Heiligen Herzen Jesu in Vaals in den Niederlanden ein. 1860/1861 wirkte sie als Ordensschwester in Warendorf in Nordrhein-Westfalen und in Orléans in Frankreich. Sie konnte sich aber nicht entschließen, die ewigen Gelübde ablegen, wurde 1863 vom Vater aus Orléans abgeholt und nach Mülheim an der Möhne in das Kloster der Schwestern von der Heimsuchung Mariens gebracht; schon nach wenigen Wochen erkannte sie, dass dieser Wechsel sie ihrer Bestimmung nicht näherbrachte, deshalb kehrte sie in ihr Elternhaus zurück.

1868 ging Therese zu den Schwestern von der Ewigen Anbetung und Hilfe für arme Kirchen und arbeitete in deren Häusern in Brüssel, Lüttich (Liège) und Gent, fand aber auch dort nicht ihre Erfüllung. So kehrte sie 1871 erneut heim. 1876 pachtete sie einen Teil der Gebäude des zuvor säkularisierten Klosters Neuwerk in Mönchengladbach, kaufte diesen Anfang 1879 und nannte die Neuerwerbung Barbarastift. Sie nahm dort Waisenkinder auf und führte mit alleinstehenden Damen ein klosterähnliches Leben. Ostern 1882 wurde sie auf den jungen Pater Jordan aufmerksam, der kurz zuvor im Haus der Birgitta von Schweden in Rom 1881 die Apostolische Lehrgesellschaft, zur Arbeit in der inneren und äußeren Mission gegründet hatte. Nach einem Gespräch mit dem Gründer schloss sie sich dieser Gesellschaft an und legte ihr privates Gelübde ab. 1883 bildete Pater Jordan seine Gemeinschaft um in einen Orden mit einem weiblichen und einem männlichen Zweig. 1885 wurde der weibliche Zweig seiner Leitung entzogen und umbenannt in Sorores Charitatis a Matre Dolorosa, Schwestern von der Schmerzhaften Mutter, Therese gehörte aber weiter zu Pater Jordan.

1888 gründete der inzwischen den Ordensnamen Franziskus vom Kreuz tragende Pater Jordan zusammen mit Therese von Wüllenweber in Tivoli bei Rom den 2. Orden der Katholischen Lehrgesellschaft. Theresia legte 1889 ihre ewigen Gelübde ab, nahm den Ordensnamen Maria von den Aposteln an und wurde Novizenmeisterin sowie Oberin. 1893 wurde die Gesellschaft in Societas Divini Salvatoris, Gesellschaft des Göttlichen Heilandes umbenannt, der weibliche Zweig hieß nun Sorores Divini Salvatoris, Schwestern vom Göttlichen Heiland, kurz Salvatorianer und Salvatorianerinnen. Ab 1904 war auch das Mutterhaus der Schwesterngemeinschaft in Rom.

Als Generaloberin engagierte sich Maria von den Aposteln für die innere Festigung und die Ausbreitung der Schwesterngemeinschaft in Italien, Indien, der Schweiz, in Österreich, Ungarn, Belgien und den USA. Sie reiste zu den europäischen Niederlassungen und wurde beim ersten Generalkapitel des Ordens 1905 zur Generaloberin wiedergewählt. Nach zwei schweren Asthmaanfällen wurde sie 1907 zeitweise arbeitsunfähig, schließlich starb sie nach einer Hirnhautentzündung.

Ihre letzte Ruhestätte fand Maria von den Aposteln auf dem Campo Santo Tetonico im Vatikan. 1952 wurden ihre Gebeine in das Mutterhaus der Salvatorianerinnen in Mutterhaus in Rom überführt.

Die Salvatorianerinnen wurden 1911 päpstlich anerkannt. Heute arbeiten etwa 1200 Schwestern in 30 Ländern in Europa, Afrika, Asien, Nord- und Südamerika v. a. in caritativen und schulischen Aufgabenfeldern. In Nord- und Süddeutschland wirken Salvatorianerinnen und Salvatorianer in den Diözesen Augsburg, München, Passau, Rottenburg-Stuttgart, Würzburg, Berlin, Münster, Aachen, Köln, Paderborn, Hildesheim und Trier.«

(Joachim Schäfer: Artikel Maria von den Aposteln Wüllenweber, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon, aufgerufen am 29. 11. 2017)

„Was ist das Apostolat?“ fragt sich der Selige Papst Paul VI. in seiner Homilie zu Ehren der Seligen Mitgründerin der Salvatorianerinnen anlässlich ihrer Seligsprechung (am 13. Oktober 1968). Und er antwortet sich: „Apostolat ist Berufung, ist Erwählung, ist inneres Sich-finden mit Christus, ist Hingabe der eigenen persönlichen Autonomie (Selbstbestimmung) an seinen Willen, an seine bezwingende Gegenwart. Das Apostolat ist ein gewisser Austausch unseres Herzens, das ja arm, unruhig, unbeständig, sogar manchmal treulos und doch so liebehungrig ist, mit seinem Herzen, mit dem Herzen Christi, das nun zu schlagen beginnt im Geschöpf seiner Liebeswahl. Und dann folgt der zweite Akt des seelischen Dramas des Apostolates: das Bedürfnis, sich auszugießen, zu handeln, zu geben, zu reden, das Bedürfnis, den eigenen Schatz, das eigene Feuer an andere hinzugeben. Vom Persönlichen wechselt das Geschehen (Drama) zum Mitmenschlichen, von innen nach außen. Die Liebe der Gottverbundenheit wird zur Liebe der mitmenschlichen Verbundenheit. Und wie die erste Liebe enthüllt hat, dass alle Maße überschritten sind (vgl. Eph 3,18), so will auch die zweite Liebe keine Grenzen mehr: das Apostolat wird zur dauernden Ausweitung einer Seele, wird die Maßlosigkeit einer Persönlichkeit, die eben von Christus besessen und von seinem Geist beseelt ist, wird zum Bedürfnis, zu laufen, zu handeln, findig zu sein, zu wagen, soviel als nur möglich ist, für die Ausbreitung des Reiches Gottes, für die Rettung der anderen, aller. Das Apostolat ist gleichsam eine Unmäßigkeit des Tuns; nur im Zusammenprall mit den äußeren Schwierigkeiten gelingt es, es zu mäßigen und in konkreten und damit begrenzten Werken Form werden zu lassen.“ (Sel. Papst Paul VI, Homilia in honorem Beatae Mariae de Apostolis, in:L’Osservatore Romano, 14.- 15. Ottobre 1968)

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