Heilige des Monats April 2024 >> Heilige Magdalena von Canossa<<

Magdalena Gabriela war die Tochter des Markgrafen Octavius von Canossa und seiner Frau Teresa Szluha. Als sie fünf Jahre alt war, starb ihr Vater bei einem Unfall; später erklärte sie, dass sie in diesem Alter die Berufung, Nonne zu werden, verspürte. Zwei Jahre danach heiratete ihre Mutter wieder und gab die Kinder zur Erziehung ihrem Onkel Hieronymus, wo sie von einer Erzieherin schlecht behandelt wurden. Magdalena ertrug die Demütigungen durch ihre Gebete zur schmerzensreichen Maria. Im Alter von 15 Jahren erkrankte Magdalena schwer aufgrund der erlebten Verluste. Sie trat ins Kloster der Karmeliten in ihrer Heimatstadt ein, das sie aber nach acht Monaten wieder verließ. Bald schon ging sie ins Karmelitinnenkloster nach Treviso, trat aber auch dort bald wieder aus, kehrte nach Verona zurück und leitete den Haushalt ihrer Familie.

Durch die Besetzung Norditaliens durch Kaiser Napoleon gab es viele Waisen und Verletzte; von ihrem Palast in Verona aus kümmerte Magdalena sich um verwahrloste Kinder, gab ihnen Obdach und Essen und sorgte für ihre Ausbildung. 1808 richtete sie im Stadtteil San Zeno ein Haus ein, in dem alleinstehende Kinder Aufnahme fanden oder unterrichtet wurden und wo sie selbst jeden Tag hilfreich tätig war. Nach Verhandlungen mit den Behörden konnte sie für ihre Einrichtung das ehemalige Augustinerinnenkloster San Giovanni e Fidenzio erhalten und gründete dort 1808 die Kongregation der Figlie della Carità, der Töchter der Liebe, nach ihrer Gründerin auch Canossianerinnen genannt – heute ist dort das Mutterhaus ihres Ordens. Magdalena trat selbst in den Orden ein und lebte nun in einer einfachen Klosterzelle.

1810 wurde Magdalena aus Venedig gebeten, auch dort eine Schule für Straßenkinder zu eröffnen, was 1812 im ehemaligen Kloster an der Kirche Santa Lucia erfolgte; als dieses 1860 abgerissen wurde zum Bau des Bahnhofs, zogen die Schwestern mit der Schule ins ehemalige Kloster an Sant’Alvise um. 1816 konnte eine Einrichtung in Mailand an der Kirche San Luigi Gonzaga gegründet werden, 1820 eine weitere in Bergamo. Kaiser Franz I. von Österreich unterstützte ihre Arbeit und übergab ihr einige alte Klöster.

Papst Leo XII. bestätigte den Orden 1828. Niederlassungen gibt es seit 1860 auch in China, heute auch in England, Indien, Indonesien, Afrika und Südamerika. 1831 wurde auf Magdalena Gabrielas Anregung hin, die männliche Kongregation unter Leitung von Pater Francesco Luzzo Ocam, zusammen mit zwei Laienbrüdern in Venedig, initiiert; diese Gründung der Canossianer wurde noch im selben Jahr von Papst Gregor XVI. genehmigt.

Magdalena wurde am 7. Dezember 1941 von Papst Pius XII. selig- und am 2. Oktober 1988 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.


Gebet zur Heiligen Magdalena von Canossa

Gewährte uns, barmherziger Vater, dass wir wie die heilige Magdalena, indem wir Jesus Christus, unseren Herrn, über alles lieben, die Verzeihung unserer Sünden verdienen, damit sie für uns bei Deiner Barmherzigkeit die Freude erlangt, mit Dir immer zu leben. Durch denselben Christus, unseren Herrn.

Amen

Heiliger des Monats Mai 2023: >> Heiliger Philipp Neri <<

Philipp Romolo de Neri war Sohn eines Notars, verlor schon früh seine Mutter und wurde von der Stiefmutter erzogen. Er besuchte die Schule der Dominikaner an San Marco in seiner Heimatstadt Florenz, wo ihn deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Savonarola, faszinierte. Bei einem Onkel absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre in der Nähe des Klosters Montecassino, wo er viel Zeit im Mutterkloster des Benediktinerordens verbrachte und vom klassischen Ideal des Einsiedlerlebens angesteckt wurde; er erlebte eine Bekehrung, die er als Gabe der Inbrunst schildert.

Arm und mittellos ging Philipp 1533 nach Rom, dort war er 16 Jahre lang als Erzieher tätig in der Familie des Adeligen Galeotto Caccia, der ebenfalls aus Florenz stammte, und erlebte in dieser Zeit mehrere Marienerscheinungen. 1534 bis 1537 besuchte er Vorlesungen in Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Sapienza und bei den Augustinern, lernte Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens, kennen und kümmerte sich um Arme und Kranke im Hospital San Giacomo degli Incurabili. Noch während seines Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen der lachende Heilige eintrug.

Zunehmend wurden Philipp mystische Gnadenbeweise zuteil, so in den Katakomben des Sebastian, wo sich zwei Rippen über seinem Herzen stark wölbten, ohne Schmerzen zu verursachen. Ohne Unterlass betete er – gerne in der Kirche Sant’Eustachio, einem Zentrum der caritativen Arbeit in Rom – manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein. Sein Leben kam dem eines Narren um Christi willen nahe.

1548 gründete Philipp gemeinsam mit seinem Beichtvater die Confraternità di SS. Trinità, die Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit, eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen; im Heiligen Jahr 1550 bewährte sie sich besonders. 1551 empfing Philipp die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Gemeinde an der kleinen Kirche San Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass 1552 über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen.

In diesem Raum, dem Oratorium, entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter des Dritten Weges neben Laien und Orden, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Philipp Neris, die auch geistliche Lieder umfasste, wovon sich der Begriff Oratorium als musikalische Gattung ableitet. 1552 gründete er seine Weltpriester-Kongregation der Oratorianer, die 1575 vom Papst bestätigt wurde. Ihre Aufgabe war, dass die Priester durch tägliches Gebet, geistliche Diskussionen und unermüdliche Abnahme der Beichte das Heil förderten. Philipp selbst verbrachte bis zu 15 Stunden am Tag im Beichtstuhl, denn die persönliche Seelsorge war für ihn der Schlüssel zu neuer Christianisierung.

1558 gestattete Papst Paul IV. der Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit die dauerhafte Nutzung der 1186 erstmals erwähnten Kirche San Benedetto, der heutigen Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini, 1559 wurde neben der Kirche das neue Pilgerhospiz errichtet und schon 1575 erweitert. Philipp empfing die Pilgern oft schon an der Milvischen Brücke und zeigte ihnen den Weg zu seinem Hospiz; dort wusch er ihnen die Füße – nach diesem Vorbild taten es später auch Papst Klemens VIII. im Heiligen Jahr 1600, Königin Christine von Schweden im Heiligen Jahr 1675 oder Maria Christina von Savoyen, die spätere Königin beider Sizilien, im Heiligen Jahr 1825. Im Heiligen Jahr 1575 seien bereits 170.000 Pilger zu Gast gewesen sein, im Heiligen Jahr 1825 waren es 263.000. 1870 bei der Vereinigung Italiens wurde er enteignet und geschlossen.

In Philipps Oratorium wurden völlig neuartige pastorale Initiativen gewagt: Predigten und Beichte für Kinder, das Kirchenjahr als Gliederung des Jahreslaufes, Frömmigkeit im Alltag der Welt, das Idealbild der Märtyrerkirche als Vorbild für die Gemeinde; die Päpste Paul IV. und Paul V. übten Kritik, andere Menschen schlossen sich fasziniert der Bewegung an. Karl Borromäus, Franz von Sales und Ignatius von Loyola erhielten entscheidende Anregungen für ihr Wirken, Papst Clemens VIII. holte Philipp als Berater für die geplanten Reformen.

Im Mittelpunkt von Philipps Frömmigkeit stand das Pfingstwunder und besonders die Verehrung der Maria. Erzählt wird, wie er an einem sehr heißen Sommertag eine Pilgergruppe auf ihrer Wallfahrt zu den sieben Pilgerkirchen in Rom begleitete; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm er sein Birett, warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: Paradiso, paradiso!. Alle lachten und klatschten in die Hände, dann gingen Gebet und Wallfahrt fröhlich weiter. Heute steht an dieser Stelle eine kleine Kapelle mit einer Marmortafel, eingemeisselt: Paradiso, paradiso. Bekam ein Kranker keinen Besuch, dann besuchte Philipp ihn, munterte ihn auf und tröstete, las ihm aus der Bibel vor oder machte ein Späßchen. Er hatte stets ein offenes Ohr auch für junge Menschen und kümmerte sich um arme und verwahrloste Kinder und Jugendliche.

Zwischen 1564 und 1575 war Philipp auch Pfarrer der Kirche San Giovanni dei Fiorentini in Rom, wo er ein weiteres Oratorium einrichtete. Die ihm mehrfach angebotene Kardinalswürde lehnte er ab. 1575 – dem Oratorium hatten sich inzwischen mehr als 100 Weltpriester angeschlossen – begann er, unterstütz durch Papst Gregor XIII. und mehreren Kardinälen, mit dem Bau der wuchtigen Kirche Santa Maria in Vallicella, auch Chiesa Nuova genannt, an die ab 1577 das an San Girolamo della Carità gegründete Oratorium verlegt wurde.

Philipp tat alles, um nicht als Heiliger zu wirken; so erschien er mal mit halb-rasiertem Bart, mal mit Pelzmantel im Sommer, mal mit rosa Filzpantoffeln. Er tat nichts Ungewöhnliches, aber das immer ungewöhnlich gut nach seinem Motto: Das Gewöhnliche ungewöhnlich gut tun und dabei fröhlich bleiben. Die am praktischen Leben orientierte und humorvoll die wunden Punkte bei den Menschen aufzeigende Art Philipps prägte sein Oratorium und wirkte weit darüber hinaus. Die von Jesus Christus geforderte Selbstverleugnung sah er nicht nur in asketischer Lebensweise verwirklicht, sondern auch darin, dass man als Christ sich nicht zu schade ist, sich der öffentlichen Lächerlichkeit preiszugeben, selbstironisch zu reden und zu handeln und so Demut zu üben.

Als Philipp mehrere Kardinäle empfing, machte er sich über deren Gewänder lustig und trug selbst ein rotes Hemd – sehr zum Missfallen der hohen Herren. Einem Adeligen, der ins Oratorium eintreten wollte, trug Philipp auf, mit einem Fuchsschwanz an seiner Jacke durch Rom zu gehen; der Antragsteller lehnte ab, er wolle sich nicht lächerlich machen, und wurde nicht in die Gemeinschaft aufgenommen. Philipp wusste, dass theoretische Ermahnungen, Verweise auf Orthodoxie und erhobene Zeigefinger menschliche Herzen nicht erreichen, dagegen Fröhlichkeit die Grundhaltung ist, die das Wachstum des Glaubens fördert und auch für die Gemeinschaft heilsam ist. Johann Wolfgang von Goethe erklärte Philipp in seiner Italienischen Reise zu seinem Lieblingsheiligen, oft bezeichnete man ihn als Spaßmacher Gottes.

Philipp starb am Fronleichnamstag an Blutsturz. Zu seiner Beisetzung kam eine unübersehbare Menschenmenge; dass er beim Volk Pippo buone, der gute Philipp genannt wurde, zeigt seine Beliebtheit; er gilt als der zweite Apostel Roms; in seiner Chiesa Nuova ist der goldene Schrein mit seinen Gebeinen zu finden. Die von ihm verfassten Schriften ließ er kurz vor seinem Tod verbrennen, erhaltene Gebete und Sinnsprüche – von ihm Maximen genannt – wurden anlässlich des Seligsprechungsverfahrens neu gesammelt. Die von Philipp gegründete Gemeinschaft wurde 1575 von Papst Gregor XIII. als Kongregation des Oratoriums anerkannt. 1586 kamen die ersten Oratorianer auf Einladung von Erzbischof Annibale nach Neapel, wurden hier als Girolamini bezeichnet und begannen mit dem Bau einer kleinen Kirche, aus der die heutige Kirche dei Girolamini wuchs; 1668 wurde Philipp zum Patron der Stadt erklärt.

Das Geburtshaus von Philipp in Florenz wurde später in den Komplex des Klosters Sant’Elisabetta delle Convertite einbezogen. Kardinal Augustin Valerio aus Venedig verglich Philipp Neri um 1580 in seinem Gedicht Philipp oder der Dialog von der christlichen Freude mit Sokrates, dem großen altgriechischen Philosophen.

Am 11. Mai 1615 wurde Philipp von Papst Paul V. selig- und am 12. März 1622 zusammen mit Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Teresa von Ávila und Isidor von Madrid von Papst Gregor XV. heiliggesprochen.



Gebet zum Heiligen Philipp Neri

Schau herab vom Himmel, heiliger Vater, von der Höhe jenes Berges in die Tiefe dieses Tales, von jenem Hafen der Ruhe und des Friedens auf dieses bewegte Meer. Da nun das Dunkel dieser Welt Dich nicht mehr hindert, alle Dinge zu durchdringen, sieh herab mit Deinen gütigsten Augen, Du treuester Verwalter, und suche diesen Weinberg heim, den Deine Rechte unter solchen Mühen, Ängsten und Gefahren gepflanzt hat. Denn bei Dir suchen wir Zuflucht und erbitten von Dir Hilfe; Dir übergeben wir uns ganz und gar; Dich erwählen wir zu unserem Beschützer und Verteidiger.
Nimm Dich der Sache unseres Heiles an, behüte Deine Schutzbefohlenen! Zu Dir rufen wir als unserem Führer: Lenke die kämpfende Schar gegen den Ansturm des bösen Feindes! Dir, o gütigster Lenker, übergeben wir das Steuerruder unseres Lebens: Leite dieses kleine Schiff, das Dir gehört. Und von der Höhe aus, in der Du weilst, halte fern von uns all die Klippen ungeordneter Begierden, sodaß wir unter Deiner Führung und Leitung unversehrt in den Hafen der ewigen Seligkeit gelangen mögen.
Amen.