Heiliger des Monats Mai 2023: >> Heiliger Philipp Neri <<

Philipp Romolo de Neri war Sohn eines Notars, verlor schon früh seine Mutter und wurde von der Stiefmutter erzogen. Er besuchte die Schule der Dominikaner an San Marco in seiner Heimatstadt Florenz, wo ihn deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Savonarola, faszinierte. Bei einem Onkel absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre in der Nähe des Klosters Montecassino, wo er viel Zeit im Mutterkloster des Benediktinerordens verbrachte und vom klassischen Ideal des Einsiedlerlebens angesteckt wurde; er erlebte eine Bekehrung, die er als Gabe der Inbrunst schildert.

Arm und mittellos ging Philipp 1533 nach Rom, dort war er 16 Jahre lang als Erzieher tätig in der Familie des Adeligen Galeotto Caccia, der ebenfalls aus Florenz stammte, und erlebte in dieser Zeit mehrere Marienerscheinungen. 1534 bis 1537 besuchte er Vorlesungen in Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Sapienza und bei den Augustinern, lernte Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens, kennen und kümmerte sich um Arme und Kranke im Hospital San Giacomo degli Incurabili. Noch während seines Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen der lachende Heilige eintrug.

Zunehmend wurden Philipp mystische Gnadenbeweise zuteil, so in den Katakomben des Sebastian, wo sich zwei Rippen über seinem Herzen stark wölbten, ohne Schmerzen zu verursachen. Ohne Unterlass betete er – gerne in der Kirche Sant’Eustachio, einem Zentrum der caritativen Arbeit in Rom – manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein. Sein Leben kam dem eines Narren um Christi willen nahe.

1548 gründete Philipp gemeinsam mit seinem Beichtvater die Confraternità di SS. Trinità, die Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit, eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen; im Heiligen Jahr 1550 bewährte sie sich besonders. 1551 empfing Philipp die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Gemeinde an der kleinen Kirche San Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass 1552 über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen.

In diesem Raum, dem Oratorium, entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter des Dritten Weges neben Laien und Orden, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Philipp Neris, die auch geistliche Lieder umfasste, wovon sich der Begriff Oratorium als musikalische Gattung ableitet. 1552 gründete er seine Weltpriester-Kongregation der Oratorianer, die 1575 vom Papst bestätigt wurde. Ihre Aufgabe war, dass die Priester durch tägliches Gebet, geistliche Diskussionen und unermüdliche Abnahme der Beichte das Heil förderten. Philipp selbst verbrachte bis zu 15 Stunden am Tag im Beichtstuhl, denn die persönliche Seelsorge war für ihn der Schlüssel zu neuer Christianisierung.

1558 gestattete Papst Paul IV. der Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit die dauerhafte Nutzung der 1186 erstmals erwähnten Kirche San Benedetto, der heutigen Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini, 1559 wurde neben der Kirche das neue Pilgerhospiz errichtet und schon 1575 erweitert. Philipp empfing die Pilgern oft schon an der Milvischen Brücke und zeigte ihnen den Weg zu seinem Hospiz; dort wusch er ihnen die Füße – nach diesem Vorbild taten es später auch Papst Klemens VIII. im Heiligen Jahr 1600, Königin Christine von Schweden im Heiligen Jahr 1675 oder Maria Christina von Savoyen, die spätere Königin beider Sizilien, im Heiligen Jahr 1825. Im Heiligen Jahr 1575 seien bereits 170.000 Pilger zu Gast gewesen sein, im Heiligen Jahr 1825 waren es 263.000. 1870 bei der Vereinigung Italiens wurde er enteignet und geschlossen.

In Philipps Oratorium wurden völlig neuartige pastorale Initiativen gewagt: Predigten und Beichte für Kinder, das Kirchenjahr als Gliederung des Jahreslaufes, Frömmigkeit im Alltag der Welt, das Idealbild der Märtyrerkirche als Vorbild für die Gemeinde; die Päpste Paul IV. und Paul V. übten Kritik, andere Menschen schlossen sich fasziniert der Bewegung an. Karl Borromäus, Franz von Sales und Ignatius von Loyola erhielten entscheidende Anregungen für ihr Wirken, Papst Clemens VIII. holte Philipp als Berater für die geplanten Reformen.

Im Mittelpunkt von Philipps Frömmigkeit stand das Pfingstwunder und besonders die Verehrung der Maria. Erzählt wird, wie er an einem sehr heißen Sommertag eine Pilgergruppe auf ihrer Wallfahrt zu den sieben Pilgerkirchen in Rom begleitete; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm er sein Birett, warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: Paradiso, paradiso!. Alle lachten und klatschten in die Hände, dann gingen Gebet und Wallfahrt fröhlich weiter. Heute steht an dieser Stelle eine kleine Kapelle mit einer Marmortafel, eingemeisselt: Paradiso, paradiso. Bekam ein Kranker keinen Besuch, dann besuchte Philipp ihn, munterte ihn auf und tröstete, las ihm aus der Bibel vor oder machte ein Späßchen. Er hatte stets ein offenes Ohr auch für junge Menschen und kümmerte sich um arme und verwahrloste Kinder und Jugendliche.

Zwischen 1564 und 1575 war Philipp auch Pfarrer der Kirche San Giovanni dei Fiorentini in Rom, wo er ein weiteres Oratorium einrichtete. Die ihm mehrfach angebotene Kardinalswürde lehnte er ab. 1575 – dem Oratorium hatten sich inzwischen mehr als 100 Weltpriester angeschlossen – begann er, unterstütz durch Papst Gregor XIII. und mehreren Kardinälen, mit dem Bau der wuchtigen Kirche Santa Maria in Vallicella, auch Chiesa Nuova genannt, an die ab 1577 das an San Girolamo della Carità gegründete Oratorium verlegt wurde.

Philipp tat alles, um nicht als Heiliger zu wirken; so erschien er mal mit halb-rasiertem Bart, mal mit Pelzmantel im Sommer, mal mit rosa Filzpantoffeln. Er tat nichts Ungewöhnliches, aber das immer ungewöhnlich gut nach seinem Motto: Das Gewöhnliche ungewöhnlich gut tun und dabei fröhlich bleiben. Die am praktischen Leben orientierte und humorvoll die wunden Punkte bei den Menschen aufzeigende Art Philipps prägte sein Oratorium und wirkte weit darüber hinaus. Die von Jesus Christus geforderte Selbstverleugnung sah er nicht nur in asketischer Lebensweise verwirklicht, sondern auch darin, dass man als Christ sich nicht zu schade ist, sich der öffentlichen Lächerlichkeit preiszugeben, selbstironisch zu reden und zu handeln und so Demut zu üben.

Als Philipp mehrere Kardinäle empfing, machte er sich über deren Gewänder lustig und trug selbst ein rotes Hemd – sehr zum Missfallen der hohen Herren. Einem Adeligen, der ins Oratorium eintreten wollte, trug Philipp auf, mit einem Fuchsschwanz an seiner Jacke durch Rom zu gehen; der Antragsteller lehnte ab, er wolle sich nicht lächerlich machen, und wurde nicht in die Gemeinschaft aufgenommen. Philipp wusste, dass theoretische Ermahnungen, Verweise auf Orthodoxie und erhobene Zeigefinger menschliche Herzen nicht erreichen, dagegen Fröhlichkeit die Grundhaltung ist, die das Wachstum des Glaubens fördert und auch für die Gemeinschaft heilsam ist. Johann Wolfgang von Goethe erklärte Philipp in seiner Italienischen Reise zu seinem Lieblingsheiligen, oft bezeichnete man ihn als Spaßmacher Gottes.

Philipp starb am Fronleichnamstag an Blutsturz. Zu seiner Beisetzung kam eine unübersehbare Menschenmenge; dass er beim Volk Pippo buone, der gute Philipp genannt wurde, zeigt seine Beliebtheit; er gilt als der zweite Apostel Roms; in seiner Chiesa Nuova ist der goldene Schrein mit seinen Gebeinen zu finden. Die von ihm verfassten Schriften ließ er kurz vor seinem Tod verbrennen, erhaltene Gebete und Sinnsprüche – von ihm Maximen genannt – wurden anlässlich des Seligsprechungsverfahrens neu gesammelt. Die von Philipp gegründete Gemeinschaft wurde 1575 von Papst Gregor XIII. als Kongregation des Oratoriums anerkannt. 1586 kamen die ersten Oratorianer auf Einladung von Erzbischof Annibale nach Neapel, wurden hier als Girolamini bezeichnet und begannen mit dem Bau einer kleinen Kirche, aus der die heutige Kirche dei Girolamini wuchs; 1668 wurde Philipp zum Patron der Stadt erklärt.

Das Geburtshaus von Philipp in Florenz wurde später in den Komplex des Klosters Sant’Elisabetta delle Convertite einbezogen. Kardinal Augustin Valerio aus Venedig verglich Philipp Neri um 1580 in seinem Gedicht Philipp oder der Dialog von der christlichen Freude mit Sokrates, dem großen altgriechischen Philosophen.

Am 11. Mai 1615 wurde Philipp von Papst Paul V. selig- und am 12. März 1622 zusammen mit Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Teresa von Ávila und Isidor von Madrid von Papst Gregor XV. heiliggesprochen.



Gebet zum Heiligen Philipp Neri

Schau herab vom Himmel, heiliger Vater, von der Höhe jenes Berges in die Tiefe dieses Tales, von jenem Hafen der Ruhe und des Friedens auf dieses bewegte Meer. Da nun das Dunkel dieser Welt Dich nicht mehr hindert, alle Dinge zu durchdringen, sieh herab mit Deinen gütigsten Augen, Du treuester Verwalter, und suche diesen Weinberg heim, den Deine Rechte unter solchen Mühen, Ängsten und Gefahren gepflanzt hat. Denn bei Dir suchen wir Zuflucht und erbitten von Dir Hilfe; Dir übergeben wir uns ganz und gar; Dich erwählen wir zu unserem Beschützer und Verteidiger.
Nimm Dich der Sache unseres Heiles an, behüte Deine Schutzbefohlenen! Zu Dir rufen wir als unserem Führer: Lenke die kämpfende Schar gegen den Ansturm des bösen Feindes! Dir, o gütigster Lenker, übergeben wir das Steuerruder unseres Lebens: Leite dieses kleine Schiff, das Dir gehört. Und von der Höhe aus, in der Du weilst, halte fern von uns all die Klippen ungeordneter Begierden, sodaß wir unter Deiner Führung und Leitung unversehrt in den Hafen der ewigen Seligkeit gelangen mögen.
Amen.

Heiliger des Monats Dezember »Heiliger Bischof Nikolaus von Myra«


Der »Heilige des Monats Dezember« ist der heilige Bischof Nikolaus von Myra. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 6. Dezember.


Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion – heute untergegangener Ort, Namensgeber eines katholischen Titularbistums – nahe seiner Heimatstadt eingesetzt. Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme: so bewahrte er mehrere junge Frauen aus seiner Nachbarschaft in seiner Heimatstadt Patara, indem er heimlich Geld durchs Fenster – oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken – warf, so für eine ausreichende Mitgift sorgte und verhinderte, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste; deshalb gilt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder; eine sehr alte Fassung der Legende behauptet, er habe das Geld seinen Eltern gestohlen, was an eine spätere Legende von Franziskus erinnert.

Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land, nach seiner Rückkehr wählte die Gemeinde Myra ihn zum neuen Bischof und damit zum Nachfolger von Nikandros von Myra. Die Legende zeichnet Nikolaus als temperamentvollen Streiter und zugleich als Mann der fähig war, diplomatisch zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Bei einem Aufstand von in Phrygien stationierten germanischen Söldnern begegnete er in Myra hohen Offizieren aus Konstantinopel – dem heutigen Istanbul, bei denen er nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte Nikolaus der Überlieferung zufolge wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen. Er rettete Schiffbrüchige, deshalb ist er Patron der Seefahrer. Um ein in Seenot geratenes Schiff zu retten mit drei Pilgern, die von Ephesus – heute Ruinen bei Selçuk – ausfuhren mit für eine christliche Kapelle bestimmtem heiligen Öl, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. 1 Drei ermordete und von Kannibalen bereits in einem Fass zu Pökelfleisch zubereitete Knaben erweckte er wieder zum Leben; Hintergrund dieser Legende ist wohl das um den Nikolaustag üblich gewesene Schlachten vor Weihnachten.

Nikolaus zerstörte mehrere Tempel der Heidengöttin Diana / Artemis, die in den Küstenorten Lykiens als Patronin der Seefahrer verehrt wurde; ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste: Nikolaus‘ Gedenktag 6. Dezember ist Dianas Geburtstag. Während der bald schon einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. 325 nahm Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Überliefert ist, wie er kämpferisch gegen die falsche Lehre des Arianismus vorging; die Legende erzählt, dass er deren Verfechter Arius während des Konzils geohrfeigt habe. Auch mit seinem Freund Bischof Theognis von Nicäa – dem heutigen Íznik -, der den Auffassungen des Arius zuneigte, führte Nikolaus heftige Diskussionen; schlussendlich gehörte Theognis zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses von Nicäa. „Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen“, zitiert später Andreas von Kreta den Vermittler Nikolaus. Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Gesicherte historische Nachrichten über das Leben und Wirken von Nikolaus gibt es nicht. In der Überlieferung vermischten sich Nachrichten über einen Abt Nikolaus von Sion nahe Myra und solche über den Bischof Nikolaus aus dem nahen Pinara bei Minare nahe Fethiye. Der Kult um Nikolaus entwickelte sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Kaiser Justinian weihte ihm Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul, in der auch einige Reliquien verwahrt wurden. Der Kult verbreitete sich auch in Griechenland, wo er als „Hyperhagios“, „Überheiliger“, verehrt wird, und kam dann in die slawischen Länder. Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der Verehrung unmittelbar nach Maria. Nikolaus wurde einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen legendären Erzählungen, die vor allem seine menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen. Sein aufgebrochener, leerer Sarkophag wird noch heute in der wieder hergestellten Nikolaus-Basilika in Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.

In Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein, er verbreitete sich dann zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa. Schon Friesen-Missionar Liudger baute der Überlieferung nach die erste deutsche Nikolauskapelle im münsterländischen Billerbeck. 972 brachte Kaiserin Theophanu anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. eine Reliquie – 1660 als „Fingerknochen“ beschrieben – aus Byzanz mit; sie befand sich seit 1058 in der Nikolaus geweihten Kapelle am südlichen Seitenschiff des Domes in Worms und ging 1688 bei der Zerstörung des Domes im Pfälzer Erbfolgekrieg verloren. Um 980 entstand in Deutschland die erste Nikolauskirche im Kloster Brauweiler. Im April 1087 wurden die Gebeine von Nikolaus, dem Patron der Seefahrer, durch Abenteurer aus der Hafenstadt Bari, die auf drei Schiffen anreisten, aus dem Marmorgrab der Nikolaus-Basilika in Myra entwendet und in ihre Heimatstadt entführt. Dort errichtete man auf den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes die monumentale Basilika S. Nicola, die Papst Urban II. 1098 weihte; als Translationstag gilt der 8. Mai, der in Bari mit einem großen Unzug begangen wird.

Angeblich die Hälfte dieser Reliquien kam dann nach Venedig in die Kirche San Nicolò di Lido, an der die Seeleute der Marine ihren Truppenübungsplatz hatten; noch heute wird dort alljährlich an Christi Himmelfahrt (inzwischen am Sonntag danach) die „Sposalizio del Mare“, die „Meereshochzeit“, gefeiert. 1098 brachte der Kreuzzugsteilnehmer Aubert de Varangéville aus Bari ein Fingerglied der Segenshand des Heiligen nach Port – dem heutigen St-Nicolas-de-Port – in Lothringen, wo 1093 eine erste Kirche errichtet wurde; sie wurde ein bedeutendes Wallfahrtsziel. Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert wurden diesseits der Alpen mehr als 2200 Kirchen nach Nikolaus benannt. Nikolaus ist Patron auch der Pfandleiher und Bankiers aufgrund der Legende um das Geld, das ein Christ höher stellte als sein Versprechen: Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, beim heiligen Nikolaus versprochen, das Geld pünktlich zurückzugeben. Aber er tat es dann nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung zum Schwur kam, benutzte er einen Trick: er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei halten könne; dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann den Stab wieder und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Zur Strafe kam der Christ danach unter einen Wagen und starb; der Jude aber zeigte sich großzügig: er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke, was dann auch geschah, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.

Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des „Bischofsspieles“ in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag – zuerst am Tag der „Unschuldigen Kindlein“, dann am Nikolaustag – als „Bischof“ fungieren durfte; in der Schule des Klosters Montserrat wird dieser Brauch bis heute gepflegt. Daraus entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt. Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Ansatzpunkte für das Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden. Als Gegenpol zum gütigen Nikolaus, der die Kinder beschenkt, bekam er in verschiedenen Ländern seit dem 17. Jahrhundert Begleiter zur Seite gestellt: in Deutschland Knecht Ruprecht, in Frankreich Père Fouettard, in der Schweiz Schmutzli, in Österreich und Bayern Krampus, der mit Bocksfuß, Teufelsfratze und Kettenrasseln die weniger Braven einschüchtern soll, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den Zwarte Piet, der einen gezähmten Teufel darstellen soll. In der Gegend um Berchtesgaden sind noch wildere Erscheinungsformen als Volksbrauch geläufig: die mit Stroh verkleideten Perchten oder Buttnmandl. Am 6. Dezember wurde nach früherer Perikopenordnung das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäusevangelium 25, 14 – 23) erzählt: Drei Knechten wird jeweils Geld anvertraut; jeder muss Rechenschaft ablegen, was er mit dem Geld gemacht hat. Der bekannte Brauch der Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav und fromm gewesen seien, geht auf diese Praxis zurück. Ursprünglich war der Nikolaustag – nicht Weihnachten – der Tag der großen Bescherung mit Geschenken; in einigen Ländern ist er dies heute noch.

Er ist von Patron von Russland, Lothringen; von Rosenheim in Bayern, Amsterdam, Kanton und Stadt Fribourg in der Schweiz, Bari, Meran und Lagonegro bei Potenza in Italien, Alicante in Spanien, Spetses in Griechenland und New York; der Kinder, der Schüler, Mädchen, Jungfrauen, Frauen mit Kinderwunsch, Gebärenden und alten Menschen, der Ministranten, Feuerwehr, der Pilger und Reisenden; der Sinti und Roma, der Gefangenen, Diebe und Verbrecher, der Eigentümer und Bettler; der Seeleute, Schiffer, Fischer, Flößer, Schiffsbauer, Matrosen und Fährleute, der Kaufleute, Bankiers, Pfandleiher; der Richter, Rechtsanwälte und Notare, der Apotheker, Bauern, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und -händler, Schneider, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Knopfmacher, Brückenbauer, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Kerzenzieher; für glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen Wassergefahren, Seenot und Diebe; (zweiter) Patron des Bistums Lausanne-Genf-Fribourg und des Bistums Bari-Bitonto.

(Quelle: heiligenlexikon.de)

Gebet zum heiligen Bischof Nikolaus von Myra

Gott, du Spender alles Guten, hilf uns auf die Fürsprache des heiligen Nikolaus in aller Not und steh uns bei in jeder Gefahr. Gib uns ein großmütiges Herz, damit wir anderen schenken, was wir empfangen, und den Weg des Heiles ungehindert gehen. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Fest des Heiligen)