Heilige des Monats Oktober 2023 >> Heilige Theresia von Lisieux <<


Marie-Françoise Thérèse Martin, neuntes Kind von Ludwig und Zäzilia Martin, wurde im Alter von erst viereinhalb Jahren Halbwaise; nach dem Tod ihrer Mutter zog die Familie um nach Lisieux. Schon in jungen Jahren hatte Marie-Françoise ein besonderes Verhältnis zu Maria. Mit knapp sieben Jahren ging sie erstmals zur Beichte, an Pfingsten 1883 wurde sie durch Fürsprache der Maria und das Lächeln der Gottesmutter wunderbar von einer schweren Krankheit geheilt. Nach Unterrichtung durch die Benediktinerinnen von Lisieux und nach intensiver Vorbereitung, die in einer Erfahrung der Verschmelzung mit Christus ihren Höhepunkt fand, empfing sie 1884 die Erstkommunion, kurz danach die Firmung.

Marie-Françoise entschloss sich 1886, bei den Karmelitinnen in Lisieux ein kontemplatives Leben zu führen wie ihre Schwestern Pauline und Marie, doch der zuständige Bischof verweigerte wegen ihres jugendlichen Alters die Aufnahme. 1887 unternahm sie mit ihrem Vater eine Wallfahrt zu den sieben Pilgerkirchen in Rom und bat während einer Audienz bei Papst Leo XIII. für Pilger aus Lisieux um Aufnahme in den Orden, aber auch das war vergeblich.

Erst 1888 konnte Marie-Françoise ins Kloster der Unbeschuhten Karmelitinnen in Lisieux beitreten. Als ihre Aufgabe erkannte sie, stellvertretend leidend da zu sein für die armen Seelen der Sünder auf dem Weg, der von der Gründerin Teresa von Ávila aufgezeigt worden war. Sie nahm nach deren Vorbild den Ordensnamen Theresia an und folgte dem – wie sie sagte – kleinen Weg einer innigen Hingabe an Gott, die wie ein Kind sich angstlos den Armen des Vaters überläßt. Gott in Jesus über alles lieben und in der Liebe zu Menschen Gott erfahren: das war der Kern ihrer Frömmigkeit. Sie wollte den Weg der Einfachheit gehen und Gott lieben, wie er noch nie geliebt worden ist, gerade in den kleinen und einfachen Dingen des alltäglichen Lebens. Sie erkannte ihre Schwachheit und setzte mit kindlichem Vertrauen ganz auf die Hilfe und Barmherzigkeit Gottes.

Die Ordensschwestern hielten die junge Theresia für eingebildet und machten ihr das Leben oft schwer, die Priorin behandelte sie in den ersten Jahren mit größter Strenge. Hinzu kamen Ängste, die sie ihr Leben lang quälten, das Erleben einer geistigen Dürre und schwere Krankheiten. Ihr Glaube wurde auch durch die Krankheit ihres geliebten Vaters Louis Martin auf die Probe gestellt, der im Juli 1894 starb. Trotzdem wuchs in Theresia die Heiligkeit, in ihrer Autobiographie hinterließ sie Beschreibungen ihrer geistlichen Erfahrungen. Diese wurde zunächst 1898 in einer zensierten Fassung als Histoire d’une âme, Geschichte einer Seele herausgegeben, wurde zu einer der meistgelesenen religiösen Autobiografien und in über 50 Sprachen übersetzt. 1956 erschien erstmals das Original Selbstbiographische Schriften mit Berichten aus ihrer Kindheit bis 1894, der Beschreibung ihres kleinen Weges und der Schilderung ihrer Krankheiten und Gewissensprüfungen, dazu einem Kommentar zum Hohen Lied aus dem Alten Testament.

Der von Theresia gelehrte kleine Weg ist der Weg, der zunächst die geistliche Armut des Menschen erkennt, der vor Gott mit leeren Händen steht und sich von ihm alles schenken lassen muss. Auch die Tugenden eines Menschen sind Geschenk Gottes; dies anzuerkennen und sich dabei immer als klein, also empfangend zu erkennen, ist die Schwierigkeit dieses Weges für den gerne so stolzen und selbstgewissen Menschen. Aus solcher Armut folgt Barmherzigkeit, Ausfluss der Liebe Gottes für alle Menschen, auch für die Sünder. Theresia fand den Weg heiliger Kindheit und lehrte ihn den ihr anvertrauten Novizinnen, 1893 wurde sie zweite Novizenmeisterin im Kloster Lisieux. Sie empfand es als besondere Gabe, zwei Missionsbrüder mit Gebeten zu begleiten, und wurde sich immer mehr ihrer apostolischen und missionarischen Berufung bewusst.

Neben ihrem Hauptwerk verfasste Theresia 266 Briefe, 54 Gedichte und 21 Gebete, die alle ihre spirituellen Erfahrungen zum Gegenstand haben. Weniger bekannt sind acht von ihr geschriebene Theaterstücke.

Am Dreieinigkeitsfest 1895 gab Theresia sich selbst hin als heiliges Opfer der barmherzigen Liebe Gottes. In den folgenden Monaten schrieb sie ihr erstes autobiografisches Manuskript, das sie im Januar 1896 ihrer Oberin übergab. In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag 1896 erkrankte sie wieder, diesmal an Tuberkulose, und erlebte dies als Begegnung mit ihrem göttlichen Lebensgefährten. Und sie schrieb: Wenn ich hätte Priester werden können, hätte ich in diesem Juni die heiligen Weihen empfangen. Was tat also Gott? Damit ich nicht enttäuscht wäre, ließ er mich krank werden. Auf diese Weise konnte ich nicht dabei sein, und ich sterbe, bevor ich mein Amt ausüben könnte.

Auch auf dem Krankenbett verfasste sie weitere Manuskripte, nach der Überführung ins Krankenzimmer des Klosters schrieben Mitschwestern ihre Worte nieder 1. Am Abend ihres Todes, eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Krankheit, schrieb sie an ihren geistlichen Bruder M. Bellier: Ich sterbe nun, ich gehe ins Leben. Mit den Worten Mein Gott …, ich liebe dich! beschloss sie im Alter von nur 24 Jahren ihr Leben.

Bereits kurz nach ihrem Tod sprach man Theresia eine Vielzahl von Wundertaten zu, die ihre geheimnisvollen Worte Nach meinem Tod will ich es Rosen regnen lassen im Nachhinein mit Bedeutung zu füllen schienen. 1907 nannte Papst Pius X. sie die größte Heilige der Neuzeit. Ihre Gebeine wurden 1910 im Beisein des Bischofs erhoben und umgebettet, dann 1917 erneut erhoben und 1923 in einen prächtigen Schrein gelegt, der seinen Platz in der Kapelle des Klosters der Unbeschuhten Karmelitinnen in Lisieux fand. Im Jahr 2002 waren mehr als 1700 Kirchen oder Kapellen, zwei Kathedralen und fünf Basiliken ihr geweiht und mehrere hundert religiöse Kongregationen ihrem Patronat unterstellt. Lisieux ist heute nach Lourdes der zweitgrößte Wallfahrtsort in Frankreich mit jährlich fast eineinhalb Millionen Pilgern und Besuchern; mit dem Bau der Basilika in Lisieux wurde 1929 begonnen, 1954 war die Einweihung; finanziert durch Spenden aus der ganzen Welt ist sie eine der größten Kirchen, die im 20. Jahrhundert gebaut wurden.

Kanonisation: Am 29. April 1923 wurde Theresia von Papst Pius XI. selig- und am 17. Mai 1925 von ihm im Beisein von 50.000 Menschen im Petersdom und weiteren 500.000 auf dem Petersplatz, dazu 23 Kardinälen und 250 Bischöfen, heiliggesprochen. 1927 wurde Theresia neben Franz Xaver zur Patronin aller Missionen erklärt. 1997 ernannte Papst Johannes Paul II. sie zur Kirchenlehrerin.

Im Jahr 2008 wurden auch ihre Eltern seliggesprochen. Es war erst das zweite Mal in der Kirchengeschichte, dass ein Ehepaar gleichzeitig seliggesprochen wurde, und das erste Mal, dass es die Eltern einer heiligen Person waren.

Attribute: Rosen

Patronin von Frankreich; der Weltmission, der Missionen und der Flieger; in allen Anliegen

Gebet zur heiligen Theresia von Lisieux

Kleine heilige Theresia, bitt für mich, du des Heilands Freude bist. Liebling unserer lieben Frau, schenk uns von der Rosenpracht, die du uns versprochen hast, als du weiltest noch auf Erden. Fleh für uns, um alle Gnaden, die uns nötig sind zum Heil, und wir einst im Himmel droben, Gott und seine Mutter loben.

ODER

O heilige Theresia, Liebling Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, bitte für uns und lass deinen Rosenregen in reichem Maße auf uns herab fließen. Erlange uns von Gott die Gnaden, die wir von seiner großen Güte erwarten, damit so dein Wunsch erfüllt werde:
Gutes zu tun auf Erden.
Amen.

Heilige des Monats September 2023 >> Heilige Euphemia von Chalkedon <<


Euphemia war Senatorentochter aus Rom, die in Chalcedon – heute der Stadtteil Kadıköy in Ístanbul – gemartert wurde.

Die Legende erzählt, dass Euphemia in Chalcedon zum Richter Priscus ging, sich öffentlich zum Christentum bekannte, ins Gefängnis geworfen wurde und dort alle von der Diokletianischen Verfolgung betroffenen Leidensgenossen stärkte. Vor ihren Augen ließ Priscus alle enthaupten, aber sie wurde dadurch nur noch mutiger und warf ihm sein Unrecht vor. Geschlagen und ins Gefängnis geworfen, wollte ihr der Richter Gewalt antun, da verdorrte seine Hand. Der Hausmeister sollte sie überreden, aber es gelang ihm weder, die Tür aufzuschließen, noch, sie mit dem Beil zu zertrümmern, er wurde darüber besessen und tötete sich selbst. Auf ein eisernes Rad gebunden, das zum Glühen gebracht werden sollte, zersprang das Rad und zerriss den Werkmeister; nun schürten dessen Eltern das Feuer, aber ein Engel stellte Euphemia auf einen höheren Ort, wo sie von der Hitze verschont wurde, aber alle sie sehen konnten. Man legte eine Leiter an, um sie herabzuholen, aber Euphemia war von Engeln bewacht; einer der Folterer wurde gelähmt, ein anderer wurde irrsinnig und wollte sich selber umbringen.

Der Schreiber des Priscus sollte nun alle Lotterbuben der Stadt zu ihr ins Gefängnis führen; als er dann zur Kontrolle ins Gefängnis kam, sah er so viele leuchtende Jungfrauen um Euphemia stehen, dass er selbst gläubig wurde. Der Richter ließ Euphemia an den Haaren aufhängen, dann sieben Tage ohne Nahrung zwischen Steine pressen, aber die Steine zerfielen zu Staub, ein Engel ernährte sie. Zu wilden Tieren in die Grube geworfen, legten diese ihre Schwänze zusammen wie zu einem Stuhl, worauf sie ruhen konnte. Der Henker stürzte in die Grube, stieß ihr sein Schwert in die Seite, Euphemia starb und der Richter warf dem Henker zur Belohnung sein seidenes Kleid und einen goldenen Gürtel zu, doch ein Löwe erfasste und verschlang ihn, nur Knochen und der Gürtel wurden gefunden; der Richter zerfleischte sich selbst. Das Martyrium erlitten der Überlieferung zufolge auch Euphemias Henker Sosthenes und Victor, weil sie sich angesichts der Standhaftigkeit von Euphemia zum Christenglauben bekehrt hatten.

Euphemia wurde mit Ehren begraben, durch ihr Verdienst bekehrten sich der Überlieferung zufolge alle Juden und Heiden in Chalcedon. Über ihrem Grab in Chalcedon, wurde im 4. Jahrhundert ein einstöckiger Rundbau errichtet, daneben eine prächtige Basilika erbaut, die die ins Heilige Land reisende Pilgerin Egeria in ihrem Bericht um 384 bezeugte und die 436 auch von Melania der Jüngeren besucht wurde. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts gab es zwei Versionen von Euphemias Martyrium: die eine des Victricius von Rouen erzählt von ihrer Enthauptung, die andere, um 400 entstandene des Bischofs Asterius von Amasia – dem heutigen Amasya – von ihrer Verbrennung nach Ausbrechen der Zähne. Damals wurde sie von Kaiser Arcadius als Helferin für den Eid angerufen. Die älteste griechische Leidensgeschichte entstand wohl um die Mitte des 5. Jahrhunderts in Chalkedon und berichtet von einer Vielfalt der Martern durch Räder, Feuer, einer Foltermaschine mit vier Steinen, Meeresgetier, Schlingen, Auspeitschung und Röstpfanne und lässt Euphemia durch wilde Tiere sterben.

451 tagte das 4. ökumenische Konzil in der Euphemia-Kirche in Chalcedon und stellte sich unter ihren Schutz; das dabei der Überlieferung zufolge durch sie geschehene Wunder hat in der Armenischen und in der Orthodoxen Kirche einen eigenen Gedenktag, weil dadurch die Orthodoxie bekräftigt wurde: Die Anhänger des Monophysitismus wandten sich gegen die Verabschiedung des Bekenntnisses, dass Jesus Christus sowohl eine göttliche als auch eine menschliche Natur besitze; beide Parteien legten ihre Entwürfe in Euphemias Sarg, diese gab dann die eine Schriftrolle zurück mit dem Bekenntnis, das dann beschlossen wurde. Spätere Überlieferung aus Edessa – dem heutigen Sanlıurfa -, die zu Beginn des 8. Jahrhunderts im Westen bezeugt ist, erzählt, dass die Akten des Konzils in ihrem Sarkophag verborgen wurden, wodurch Euphemias ausdrückliche Zustimmung zu den Konzilsbeschlüssen bezeugt sei. Der Kirchengeschichtsschreiber Evagrios Scholastikos berichtete vor 600 vom dem Wunder, dass Blut aus Euphemias Sarg fließt; nach Theophylaktos Simokates, einem byzantinischen Historiker des 7. Jahrhunderts, ereignete sich dieses Wunder jährlich.

Euphemias Verehrung war nun eng mit der Verbreitung der Beschlüsse des Konzils von Chalkedon verbunden. Nun entstand die älteste ausgeführte Leidensgeschichte und es wurden ihr im 5./6. Jahrhundert viele Kirchen geweiht, so in Alexandria, Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul -, Tivoli bei Rom, Antiochia – dem heutigen Antakya -, Cäsarea in Palästina, Mailand, Ravenna, Piacenza und Grado bei Aquileia. Die Reliquien wurden um 620 nach Konstantinopel in die Euphemia geweihte Kirche, dem früheren Antiochos-Palast, gebracht. Um 800, während des Streites um die Verehrung von Ikonen, wurde die Kirche profaniert und die Gebeine ins Meer geworfen. Sie wurden der Überlieferung zufolge von frommen Seeleuten geborgen und auf die Insel Limnos gebracht. Nach dem 2. Konzile von Nicäa brachten der orthodoxe Kaiser Konstantin VI. und seine Mutter Eirene diese Reliquien zurück und ließen sie erneut im Martyrium im früheren Antiochos-Palast niederlegen. Heute liegen sie im ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Nach anderer Überlieferung kam der ganze Steinsarg mit Euphemias Reliquien nach Rovinj in Kroatien; die Legende erzählt, ein kleiner Junge habe am 13. Juli 800 den schweren Sarg, der vom Meer ans Land gespült worden sei, geborgen. Euphemias Gebeine wurden zunächst in der Georgs-Kirche in Rovinj aufbewahrt, ab 1720 wurde die heutige, Euphemia geweihte Kirche erbaut.

Euphemia wird zusammen mit Thekla von Ikonium auch in Triest besonders verehrt. Die dortige Überlieferung erzählt vom Martyrium der beiden im Jahr 256; über dem angeblichen Wohnhaus der beiden steht die aufs 9. Jahrhundert zurückgehende Kirche San Silvestro, die heute von den Waldensern genutzt wird. Andere angebliche Reliquien gibt es noch immer auf der Insel Limnos, des weiteren auf Sizilien, in Nola, in Rouen, in Afrika und in Jerusalem, im Stadtteil Fener in Ístanbul, wohin die Griechen nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 gezogen waren, sowie in Halberstadt, wohin sie der Bischof 1208 nach dem 4. Kreuzzug brachte.

Patronin von Rovinj; für gutes Wetter

Attribute: Folter-Rad, Löwen

  Über Die heilige Euphemia und Die Rolle Chalkedons für die Konzilien schrieb Manju Anita Weber an der Universität in Salzburg eine interessante Arbeit.

Gebet zur Heiligen Euphemia von Chalkedon

In deinem Leiden hast du gut gekämpft und nach dem Tode weihest du uns durch Quellen der wunderbaren Heilungen, Allgerühmte! Deshalb verehren wir deine heilige Entschlafung, gläubig hintretend zu deinen ehrwürdigen Reliquien, auf dass wir befreit werden von den Krankheiten der Seele, um so die Gnade der Wunder entgegenzunehmen

(Kondakion (4. Ton))

ODER

O Euphemia, du erfreutest die Rechtgläubigen und beschämtest die Irrgläubigen, und die Lehre der Väter bekräftigtest du beim vierten Konzil. O glorreiche Märtyrerin, bitte Christus, unseren Gott, uns sein großes Erbarmen zu gewähren.

(Troparion (3. Ton))

Heilige des Monats August: >>Heilige Edith Stein<<

Edith Stein, jüngstes von elf Kindern jüdischer Eltern, war Tochter eines wohlhabenden Holzhändlers. Im Alter von 15 Jahren verließ sie sie Schule, verabschiedete sie sich von ihrem traditionell-jüdischen Kinderglauben und bezeichnete sich dann als Atheistin. Nach einjährigem Aufenthalt bei ihrer Tante in Hamburg konnte sie ihre Krise beenden, kehrte nach Breslau zurück und legte ihr Abitur ab. Sie studierte dann ab 1911 Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte in Göttingen und Breslau. 1915 arbeite sie als Freiwillige in einem Lazarett des 1. Weltkrieges, 1916 promovierte sie summa cum laude bei Edmund Husserl an der Universität in Freiburg über das Thema Einfühlung und wurde Assistentin des berühmten Philosophen; als jüdischer Frau verwehrte man ihr aber die Habilitation.

Am 1. Januar 1922 konvertierte Edith Stein nach der Lektüre der Biografie der Theresa von Ávila zur katholischen Kirche, ließ sich in der Kirche St. Martin in Bad Bergzabern taufen und wollte Nonne werden; ihr geistlicher Führer, der Erzabt des Klosters Beuron, empfahl ihr aber ein weiteres Wirken in der Welt. Sie war ab 1923 als Lehrerin an der Schule der Dominikanerinnen im Magdalenenkloster in Speyer tätig und setzte sich in Reden und Schriften für die Emanzipation der Frauen ein. Zwischen 1928 und 1933 hielt sie sich häufig zu stillen Tagen im Benediktinerkloster in Beuron auf.

1932 wurde Edith Stein Dozentin am Lehrstuhl für wissenschaftliche Pädagogik in Münster; nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verließ sie 1933 das katholische Institut, um dessen Leitung und die Mitarbeiter nicht in Gefahr zu bringen.

Im Oktober 1933 konnte sie in Köln ins Kloster der Karmelitinnen eintreten und nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz an. Im Nachdenken über die Nachfolge Jesu entwickelte sie ein neues Bewusstsein auch über ihre jüdischen Wurzeln. 1937 stellte sie ihre philosophisch-theologische Schrift Endliches und ewiges Sein – Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins vor. Im Jahr der großen Judenpogrome 1938 legte sie ihre Gelübde ab. Mehrfach versuchte sie ab 1933, Papst Pius XI. zu einer Stellungnahme gegen Antisemitismus und Pogrome der Nazis zu bewegen. Schon im April 1933 hatte sie dem Papst geschrieben: Wir alle, die treue Kinder der Kirche sind und die Verhältnisse in Deutschland mit offenen Augen betrachten, fürchten das Schlimmste für das Ansehen der Kirche, wenn das Schweigen noch länger anhält.

Anlässlich der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs 1938 wurde die jüdische Abstammung von Teresia Benedicta offenbar; die Priorin ihres eigenen Klosters verriet den Nazis, dass sie jüdischer Abstammung ist. Deshalb floh sie am 31. Dezember 1938 vor den Nationalsozialisten ins Kloster nach Echt in den Niederlanden. Im selben Jahr noch verfasste sie ihr Testament mit der Erklärung ihrer Hingabe an das Kreuz Jesu, das zu tragen sie für ihre Kirche und ihren Orden, für das jüdische Volk und für Deutschland sowie alle, die mir Gott gegeben mit jeglicher Todesart bereit sei. Bei einer Polizeiaktion gegen Juden, die zum Christentum konvertiert waren, wurden Teresia Benedicta vom Kreuz und ihre Schwester Rosa am 2. August 1942 in Echt verhaftet – wohl ein Racheakt gegenüber der katholischen Kirche, weil deren Bischöfe eine Woche vorher in den Kirchen der Niederlande ein Protestschreiben gegen die nationalsozialistischen Besatzer hatten verlesen lassen. Ihre Schwester Rosa lebte seit dem Tod der Mutter 1936 als ständiger Gast und Tertiarin im Karmeliterkloster in Echt und arbeitete dort an der Pforte mit. 

Am 7. August wurde Teresia Benedicta vom Kreuz nach Auschwitz – dem heutigen Oświęcim – verschleppt und dort zusammen mit ihrer Schwester sofort in der Gaskammer ermordet. Komm, wir gehen für unser Volk, sagte sie dabei zu Rosa. Auf die zuvor mögliche Flucht in die Schweiz hatte sie verzichtet, weil diese nur ohne ihre Schwester möglich gewesen wäre.

Das katholische Gotteslob enthält die Vertonung des Stein-Gedichtes Erhör, o Gott, mein Flehen (GL 439). 1999 wurde ein Edith-Stein-Denkmal vor dem Priesterseminar in Köln errichtet, 2006 eine Skulptur in einer der letzten freien Außenkonchen des Petersdomes in Rom aufgestellt und von Papst Benedikt XVI. geweiht. Sie zeigt Edith Stein, die eine Torarolle und ein Kreuz hält, wobei das Kreuz die Torarolle überragt. auf der in hebräischen Buchstaben Schema Jisrael, Höre, Israel steht. In Echt wurde ein Edith-Stein-Gedenkweg eingerichtet, der Stationen ihres Lebens in Echt in Erinnerung ruft. 2008 wurde Edith Stein auf Beschluss der Bayerischen Staatsregierung in die Ruhmeshalle Walhalla in Donaustauf bei Regensburg aufgenommen. Die Kirche St. Martin in Bad Bergzabern ist heute zur Erinnerung an Edith Steins Taufe die Tauferneuerungskirche des Bistums Speyer.

Kanonisation: Teresia Benedicta vom Kreuz Stein wurde beim Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 im Müngersdorfer Stadion – dem heutigen Rheinenergie-Stadion – in Köln seliggesprochen, am 11. Oktober 1998 erfolgte durch ihn die Heiligsprechung in Rom. Sie ist die erste geborene Jüdin in der Kirchengeschichte, die offiziell heiliggesprochen wurde. Die katholische Kirche will die Heiligsprechung als Zeichen der Versöhnung mit dem Judentum gewertet wissen; Kritiker weisen auf die Vereinnahmung jüdischen Leidens hin und sehen die Heiligsprechung auch als Maßnahme, um vom Versagen der katholischen Kirche unter Papst Pius XI. abzulenken. 1999 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zusammen mit Birgitta von Schweden und Katharina von Siena zur Schutzheiligen Europas erklärt.

Gebet zur Heiligen Edith

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen leg ich diesen Tag in deine Hand. Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen, sei mein Gestern, das ich überwand. Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen, bin aus deinem Mosaik ein Stein. Wirst mich an die rechte Stelle legen, deinen Händen bette ich mich ein.

Edith Stein.

Heiliger des Monats Juli 2023 >> Kamillus von Lellis <<



Kamillus war Sohn eines kaiserlichen Offiziers; seine Mutter starb früh, so wuchs das Kind sehr vernachlässigt auf. Kamillus wurde Landsknecht, in venezianischen Diensten nahm er 1569 bis 1574 an den Kriegen der Stadtrepublik gegen die Türken teil und trat dann in den Dienst der Spanier.

Gleichzeitig war Kamillus ein leidenschaftlicher Spieler und deshalb bald verarmt. Wegen einer nicht verheilten Wunde am Fuß musste er den Wehrdienst aufgeben, kam 1575 als Patient ins Ospedale San Giacomo degli Incurabili, einem Krankenhaus für Unheilbare in Rom und wurde dann dort als Hilfskraft angestellt; diese Arbeit verlor er er aber ob seiner Streit- und Spielsucht wieder. 1574 arbeitete er mit beim Bau des neuen Klosters der Kapuziner in Manfredonia . Hier fand seine Bekehrung statt, die Kapuziner nahmen ihn als Laienbruder in das Kloster auf, entließen ihn aber wieder wegen des Wiederauflebens seiner Fußwunde.

Kamillus ging wieder nach Rom ins Ospedale San Giacomo degli Incurabili, arbeitete als Krankenpfleger und brachte es wegen seiner Zuverlässigkeit und seiner Geduld bis zum Hospitalmeister. Er lernte Philipp Neri kennen, der förderte ihn weiter, bis Camillo sich entschloss, Priester zu werden, und Studien am Jesuitenkolleg begann. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter gründete er 1582 die Regularkleriker der Diener der Kranken, die Kamillianer, die gelobten, sogar unter Lebensgefahr die Kranken zu pflegen und also auch den Pestkranken zu dienen. Kamillus wurde 1584 zum Priester geweiht.

Prägend für Kamillus‘ Frömmigkeit waren mystische Begegnungen mit dem gekreuzigten Christus; in den Kranken sah er das Schicksal Christi, das durch dessen Liebe überwunden werden kann. Kamillus hatte entscheidenden Einfluss auf die Verbesserung der Krankenpflege in Italien nach dem Muster des Johannes von Gott in Spanien.

Papst Sixtus V. bestätigte diese Kongregation 1586 und übergab ihr die Kirche Santa Maria Maddalena in Rom; Kamillus wurde der erste Obere der Kamillianer. 1591 erhob Gregor XIV. die Kongregation zum Orden mit allen Privilegien. Schnell verbreitete sich der Orden in anderen italienischen Städten.

In Genua waren die Brüder am damaligen Pammatone-Krankenhaus – an der Stelle des heutigen Justizpalastes – tätig; daneben gründeten sie dann 1667 die Kirche Santa Croce e San Camillo de Lellis. Aus Kamillus selbst erkrankte dort schwer, konnte sich jedoch wieder erholte. 1607 legte Kamillus die Leitung des Ordens nieder. In den letzten Lebensjahren litt er zunehmend an Krankheiten, doch wann immer es ihm möglich war, stand er aus seinem Bett auf, um Kranke zu besuchen. Während einer bewegenden Rede vor seinen Brüdern starb Kamillus.

Kamillus ist in der Kirche Santa Maria Maddalena in Rom bestattet. Reliquien werden auch in der Kirche des seit 1615 von Kamillianern bewohnten Klosters in seinem Heimatort Bucchianico bewahrt; die Kirche ist heute das Sanktuarium San Camillo.

Kanonisation: Kamillus wurde am 7. April 1742 von Papst Benedikt XIV. selig- und am 29. Juni 1746 vom selben Papst heiliggesprochen; 1886 ernannte Papst Leo XIII. zusammen mit Johannes von Gott zum Patron der Kranken und der Krankenhäuser; 1930 ernannte Papst Pius XI. ihn zum Patron aller Krankenschwestern, Krankenpfleger und ihrer Vereinigungen.
Patron von Zabrze / Hindenburg, der Region Abruzzen; der Kranken und Sterbenden, der Krankenpfleger, Krankenschwestern und Krankenhäuser

Gebet zum Heiligen Kamillus

Barmherziger Gott, du hast deinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt, nicht, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben für die Brüder hinzugeben. Lass uns durch das Beispiel und auf die Fürsprache des heiligen Kamillus den Dienst an den Kranken, dem wir uns geweiht haben, treu erfüllen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Heiliger des Monats Juni 2023: >> Seliger Julius Hossu <<



Julius Hossu absolvierte seine akademische Ausbildung in Klausenburg – dem heutigen Cluj-Napoca -, in Budapest, an der Universität in Wien und an der Päpstlichen Universität Urbania in Rom – damals beheimatet im Palazzo di Propaganda Fide. 1906 promovierte er in Philosophie, 1908 in Theologie, 1910 weihte ihn sein Onkel Basil Hossu, der Bischof von Gherla, zum Priester. Julius wurde dann in der Verwaltung des Bistums tätig. 1914 bis 1917 war er Militärkaplan für die rumänischen Soldaten in der österreichisch-ungarischen Armee. 1917 wurde er Nachfolger seines Onkels als Bischof von Gherla für die Katholiken des byzantinisch-rumänischen Ritus. Er verlegte 1924 den Bischofssitz nach Klausenburg / Cluj, was 1930 zur Neubenennung des Bistums als Cluj-Gherla führte. Von Juli 1930 bis Januar 1931 wirkte Julius Hossu zudem als Apostolischer Administrator des neu errichteten Bistums Maramureș mit Sitz in Baia Mare. 1936 wurde er zum Päpstlichen Thronassistenten ernannt, einem Ehrentitel des päpstlichen Hauses. 1941 bis 1947 war Julius Hossu auch Administrator des Bistums Oradea.

Nach der Machtübernahme der kommunistischen Regierung in Folge des 2. Weltkrieges versuchte diese, eine Trennung der rumänischen griechisch-katholischen Kirche von Rom und deren Anschluss an die Orthodoxe Kirche des Landes zu erreichen. Ministerpräsident Petru Groza bot Julius Hossu – den er schon aus Jugendjahren kannte – an, orthodoxer Metropolit von Moldawien zu werden. Hossu lehnte das ab und bat stattdessen, die Theologische Akademie in Cluj wieder eröffnen zu können. Dann widersetzte er sich auch den Versuchen, griechisch-katholische Gläubige in die rumänisch-orthodoxe Kirche zu überführen. Im Oktober 1948 wurde er in Bukarest verhaftet und im Dragoslavele-Gefängnis eingesperrt, 1950 ins Gefängnis nach Sighetu Marmației verlegt. Von 1955 bis 1956 musste er unter Hausarrest im orthodoxen Kloster in Curtea de Argeș leben. Nachdem er im August 1956 vor der Piaristenkirche in Cluj-Napoca zusammen mit zwei anderen griechisch-katholischen Bischöfen eine Messe gefeiert hatte, wurde er im orthodoxen Kloster Căldărușani in Gruiu wieder unter Hausarrest gestellt. Am 28 April 1969 wurde er von Papst Paul VI. zum Kardinal in pectore ernannt, d. h. zu einem Kardinal, dessen Ernennung nicht öffentlich gemacht wird. Paul VI. wollte ihn damit wissen lassen, dass er in Rom jederzeit willkommen wäre, Hossu aber wollte sein Land und seine Gläubigen nicht im Stich lassen. Er starb im Colentina-Hospital in Bukarest.

Julius Hossu wurde in einem Familiengrab auf dem Friedhof Bello in Bukarest bestattet. 1982 wurden seine Gebeine in ein für ihn allein errichtetes Grab gelegt. Das frühere Gefängnis in Sighetu Marmației ist heute eine Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus. Historikern zufolge wurden zwischen 1950 und 1964 auch mehr als 2000 orthodoxe Priester ins Gefängnis gesteckt, Bischöfe starben unter nie geklärten Umständen, andere wurden unter Hausarrest gestellt.

Die Seligsprechung von Julius Hossu erfolgte zusammen mit sechs weiteren griechisch-katholischen Bischöfen aus Rumänien.

Kanonisation: Papst Franziskus sprach Julius Hossu und seine sechs Gefährten am 2. Juni 2019 im Park Freiheitsebene in Blaj selig.


Gebet zum Seligen Julius Hossu

Allmächtiger Gott, sieh gnädig auf deine Kirche und gib, dass sie allezeit dein heiliges Volk bleibt, dessen Einheit ihren Ursprung hat in der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Offenbare durch sie der Welt das Geheimnis deiner Einheit und Heiligkeit und vollende uns in deiner Liebe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

(Tagesgebet am Gedenktag des Seligen)

Heiliger des Monats Mai 2023: >> Heiliger Philipp Neri <<

Philipp Romolo de Neri war Sohn eines Notars, verlor schon früh seine Mutter und wurde von der Stiefmutter erzogen. Er besuchte die Schule der Dominikaner an San Marco in seiner Heimatstadt Florenz, wo ihn deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Savonarola, faszinierte. Bei einem Onkel absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre in der Nähe des Klosters Montecassino, wo er viel Zeit im Mutterkloster des Benediktinerordens verbrachte und vom klassischen Ideal des Einsiedlerlebens angesteckt wurde; er erlebte eine Bekehrung, die er als Gabe der Inbrunst schildert.

Arm und mittellos ging Philipp 1533 nach Rom, dort war er 16 Jahre lang als Erzieher tätig in der Familie des Adeligen Galeotto Caccia, der ebenfalls aus Florenz stammte, und erlebte in dieser Zeit mehrere Marienerscheinungen. 1534 bis 1537 besuchte er Vorlesungen in Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Sapienza und bei den Augustinern, lernte Ignatius von Loyola, den Gründer des Jesuitenordens, kennen und kümmerte sich um Arme und Kranke im Hospital San Giacomo degli Incurabili. Noch während seines Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen der lachende Heilige eintrug.

Zunehmend wurden Philipp mystische Gnadenbeweise zuteil, so in den Katakomben des Sebastian, wo sich zwei Rippen über seinem Herzen stark wölbten, ohne Schmerzen zu verursachen. Ohne Unterlass betete er – gerne in der Kirche Sant’Eustachio, einem Zentrum der caritativen Arbeit in Rom – manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein. Sein Leben kam dem eines Narren um Christi willen nahe.

1548 gründete Philipp gemeinsam mit seinem Beichtvater die Confraternità di SS. Trinità, die Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit, eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen; im Heiligen Jahr 1550 bewährte sie sich besonders. 1551 empfing Philipp die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Gemeinde an der kleinen Kirche San Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass 1552 über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen.

In diesem Raum, dem Oratorium, entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter des Dritten Weges neben Laien und Orden, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Philipp Neris, die auch geistliche Lieder umfasste, wovon sich der Begriff Oratorium als musikalische Gattung ableitet. 1552 gründete er seine Weltpriester-Kongregation der Oratorianer, die 1575 vom Papst bestätigt wurde. Ihre Aufgabe war, dass die Priester durch tägliches Gebet, geistliche Diskussionen und unermüdliche Abnahme der Beichte das Heil förderten. Philipp selbst verbrachte bis zu 15 Stunden am Tag im Beichtstuhl, denn die persönliche Seelsorge war für ihn der Schlüssel zu neuer Christianisierung.

1558 gestattete Papst Paul IV. der Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit die dauerhafte Nutzung der 1186 erstmals erwähnten Kirche San Benedetto, der heutigen Kirche Santissima Trinità dei Pellegrini, 1559 wurde neben der Kirche das neue Pilgerhospiz errichtet und schon 1575 erweitert. Philipp empfing die Pilgern oft schon an der Milvischen Brücke und zeigte ihnen den Weg zu seinem Hospiz; dort wusch er ihnen die Füße – nach diesem Vorbild taten es später auch Papst Klemens VIII. im Heiligen Jahr 1600, Königin Christine von Schweden im Heiligen Jahr 1675 oder Maria Christina von Savoyen, die spätere Königin beider Sizilien, im Heiligen Jahr 1825. Im Heiligen Jahr 1575 seien bereits 170.000 Pilger zu Gast gewesen sein, im Heiligen Jahr 1825 waren es 263.000. 1870 bei der Vereinigung Italiens wurde er enteignet und geschlossen.

In Philipps Oratorium wurden völlig neuartige pastorale Initiativen gewagt: Predigten und Beichte für Kinder, das Kirchenjahr als Gliederung des Jahreslaufes, Frömmigkeit im Alltag der Welt, das Idealbild der Märtyrerkirche als Vorbild für die Gemeinde; die Päpste Paul IV. und Paul V. übten Kritik, andere Menschen schlossen sich fasziniert der Bewegung an. Karl Borromäus, Franz von Sales und Ignatius von Loyola erhielten entscheidende Anregungen für ihr Wirken, Papst Clemens VIII. holte Philipp als Berater für die geplanten Reformen.

Im Mittelpunkt von Philipps Frömmigkeit stand das Pfingstwunder und besonders die Verehrung der Maria. Erzählt wird, wie er an einem sehr heißen Sommertag eine Pilgergruppe auf ihrer Wallfahrt zu den sieben Pilgerkirchen in Rom begleitete; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm er sein Birett, warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: Paradiso, paradiso!. Alle lachten und klatschten in die Hände, dann gingen Gebet und Wallfahrt fröhlich weiter. Heute steht an dieser Stelle eine kleine Kapelle mit einer Marmortafel, eingemeisselt: Paradiso, paradiso. Bekam ein Kranker keinen Besuch, dann besuchte Philipp ihn, munterte ihn auf und tröstete, las ihm aus der Bibel vor oder machte ein Späßchen. Er hatte stets ein offenes Ohr auch für junge Menschen und kümmerte sich um arme und verwahrloste Kinder und Jugendliche.

Zwischen 1564 und 1575 war Philipp auch Pfarrer der Kirche San Giovanni dei Fiorentini in Rom, wo er ein weiteres Oratorium einrichtete. Die ihm mehrfach angebotene Kardinalswürde lehnte er ab. 1575 – dem Oratorium hatten sich inzwischen mehr als 100 Weltpriester angeschlossen – begann er, unterstütz durch Papst Gregor XIII. und mehreren Kardinälen, mit dem Bau der wuchtigen Kirche Santa Maria in Vallicella, auch Chiesa Nuova genannt, an die ab 1577 das an San Girolamo della Carità gegründete Oratorium verlegt wurde.

Philipp tat alles, um nicht als Heiliger zu wirken; so erschien er mal mit halb-rasiertem Bart, mal mit Pelzmantel im Sommer, mal mit rosa Filzpantoffeln. Er tat nichts Ungewöhnliches, aber das immer ungewöhnlich gut nach seinem Motto: Das Gewöhnliche ungewöhnlich gut tun und dabei fröhlich bleiben. Die am praktischen Leben orientierte und humorvoll die wunden Punkte bei den Menschen aufzeigende Art Philipps prägte sein Oratorium und wirkte weit darüber hinaus. Die von Jesus Christus geforderte Selbstverleugnung sah er nicht nur in asketischer Lebensweise verwirklicht, sondern auch darin, dass man als Christ sich nicht zu schade ist, sich der öffentlichen Lächerlichkeit preiszugeben, selbstironisch zu reden und zu handeln und so Demut zu üben.

Als Philipp mehrere Kardinäle empfing, machte er sich über deren Gewänder lustig und trug selbst ein rotes Hemd – sehr zum Missfallen der hohen Herren. Einem Adeligen, der ins Oratorium eintreten wollte, trug Philipp auf, mit einem Fuchsschwanz an seiner Jacke durch Rom zu gehen; der Antragsteller lehnte ab, er wolle sich nicht lächerlich machen, und wurde nicht in die Gemeinschaft aufgenommen. Philipp wusste, dass theoretische Ermahnungen, Verweise auf Orthodoxie und erhobene Zeigefinger menschliche Herzen nicht erreichen, dagegen Fröhlichkeit die Grundhaltung ist, die das Wachstum des Glaubens fördert und auch für die Gemeinschaft heilsam ist. Johann Wolfgang von Goethe erklärte Philipp in seiner Italienischen Reise zu seinem Lieblingsheiligen, oft bezeichnete man ihn als Spaßmacher Gottes.

Philipp starb am Fronleichnamstag an Blutsturz. Zu seiner Beisetzung kam eine unübersehbare Menschenmenge; dass er beim Volk Pippo buone, der gute Philipp genannt wurde, zeigt seine Beliebtheit; er gilt als der zweite Apostel Roms; in seiner Chiesa Nuova ist der goldene Schrein mit seinen Gebeinen zu finden. Die von ihm verfassten Schriften ließ er kurz vor seinem Tod verbrennen, erhaltene Gebete und Sinnsprüche – von ihm Maximen genannt – wurden anlässlich des Seligsprechungsverfahrens neu gesammelt. Die von Philipp gegründete Gemeinschaft wurde 1575 von Papst Gregor XIII. als Kongregation des Oratoriums anerkannt. 1586 kamen die ersten Oratorianer auf Einladung von Erzbischof Annibale nach Neapel, wurden hier als Girolamini bezeichnet und begannen mit dem Bau einer kleinen Kirche, aus der die heutige Kirche dei Girolamini wuchs; 1668 wurde Philipp zum Patron der Stadt erklärt.

Das Geburtshaus von Philipp in Florenz wurde später in den Komplex des Klosters Sant’Elisabetta delle Convertite einbezogen. Kardinal Augustin Valerio aus Venedig verglich Philipp Neri um 1580 in seinem Gedicht Philipp oder der Dialog von der christlichen Freude mit Sokrates, dem großen altgriechischen Philosophen.

Am 11. Mai 1615 wurde Philipp von Papst Paul V. selig- und am 12. März 1622 zusammen mit Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Teresa von Ávila und Isidor von Madrid von Papst Gregor XV. heiliggesprochen.



Gebet zum Heiligen Philipp Neri

Schau herab vom Himmel, heiliger Vater, von der Höhe jenes Berges in die Tiefe dieses Tales, von jenem Hafen der Ruhe und des Friedens auf dieses bewegte Meer. Da nun das Dunkel dieser Welt Dich nicht mehr hindert, alle Dinge zu durchdringen, sieh herab mit Deinen gütigsten Augen, Du treuester Verwalter, und suche diesen Weinberg heim, den Deine Rechte unter solchen Mühen, Ängsten und Gefahren gepflanzt hat. Denn bei Dir suchen wir Zuflucht und erbitten von Dir Hilfe; Dir übergeben wir uns ganz und gar; Dich erwählen wir zu unserem Beschützer und Verteidiger.
Nimm Dich der Sache unseres Heiles an, behüte Deine Schutzbefohlenen! Zu Dir rufen wir als unserem Führer: Lenke die kämpfende Schar gegen den Ansturm des bösen Feindes! Dir, o gütigster Lenker, übergeben wir das Steuerruder unseres Lebens: Leite dieses kleine Schiff, das Dir gehört. Und von der Höhe aus, in der Du weilst, halte fern von uns all die Klippen ungeordneter Begierden, sodaß wir unter Deiner Führung und Leitung unversehrt in den Hafen der ewigen Seligkeit gelangen mögen.
Amen.

Heilige des Monats März >> Heilige Franziska von Rom <<

Franziska war die Tochter der Adelsfamilie Bussa de‘ Buxis de‘ Leoni, die zu den Grundbesitzern und Kaufleuten gehörte, die im 14. Jahrhundert in Rom Einfluss gewonnen hatten, jedoch durch die Rückkehr des Papstes aus Avignon 1377 an Gewicht verloren. Von Kindesbeinen an zog es Franziska zum Ordensleben, oft spielte sie Märtyrerin. Im Alter von zwölf Jahren wurde sie aber mit Lorenzo de‘ Ponziani verheiratet und war dann 40 Jahre lang Ehefrau und wurde Mutter von sechs Kindern; zwei davon starben in jungen Jahren an der Pest.

Franziskas und ihre Schwägerin Vannozza widmeten sich intensiv der Krankenpflege, besuchten häufig die Hauptkirchen der Stadt und strebten danach, in ihrem eigenen Haus eine Form der Laienaskese nach dem Vorbild der Paula von Rom aus den Anfängen des Christentums zu verwirklichen. Die beiden Frauen hatten verständnisvolle Männer, die sie gegen Anfeindungen aus der Familie und der Stadt in Schutz nahmen, denn eine fromme Frau passte nicht so recht in das Rom jener Zeit: die Kirche befand sich in jämmerlichem Zustand, es war die Zeit des Abendländischen Schismas mit zwei, zeitweise drei Päpsten; Rom war zerstört, Schafe weideten im Petersdom, Wölfe streunten durch die Stadt, die Pest suchte ihre Opfer.

Franziska verbrachte den Tag mit Gebet, im Dienst an Armen und Kranken und als Hausfrau, sie soll täglich nicht mehr als zwei Stunden geschlafen haben. Ab 1415 wurden ihr mehrere Marienerscheinungen zuteil. Aus einem Teil ihres Palastes nahe der Basilika Santa Cecilia in Trastevere in Rom machte sie 1417 ein Krankenhaus und kümmerte sich um die Pestkranken. Durch ihre Gabe, Krankheiten und v. a. Frauenleiden zu heilen, galt sie bereits zu Lebzeiten als Wundertäterin.

1425 gründete Franziska die Compania delle Oblate del Monastero Olivetano di Santa Maria Nuova, die Gemeinschaft der Oblatinnen des Olivetanerklosters an (der Kirche) Santa Maria Nuova – der heute nach Franziska benannten Kirche Santa Francesca Romana – nach der Regel der Benediktiner; deren Mitglieder schlossen sich 1433 zusammen zum gemeinsamen Leben in einem von Franziska gekauften, heute noch bestehenden Haus in der Vorstadt Tor de‘ Specchi, um ihre caritative Tätigkeit auszubauen; diese Gemeinschaft wurde noch 1433 vom Papst bestätigt. 1436 starb Franziskas Mann an den Folgen der Verletzungen, die er während der Besetzung Roms durch neapolitanische Truppen Anfang des 15. Jahrhunderts erliten hatte; als ihre Schwiegertochter sie aus dem Haushalt vertrieb, wurde Franziska Nonne, alsbald Oberin ihrer nun Nobili Oblati di Tor de‘ Specchi, Vornehme Oblaten am Tor de‘ Specchi genannten Gemeinschaft, des weiblichen Zweigs des == Olivetanerordens.

Franziska war mystisch begabt: Ihre von ihrem Beichtvater Giovanni Mattiotti gesammelten Visionen enthalten viele lehrhafte Elemente und stehen vorwiegend mit den Hauptfesten des Kirchenjahres in Zusammenhang; oft wurde sie von teuflischen Visionen gequält, die sie zeitlebens erzittern ließen, aber die letzten Jahre ihres Lebens sah sie ständig einen Engel an ihrer Seite, in dessen Licht sie auch dunkle Gassen nicht fürchten musste und sogar auch nachts lesen und schreiben konnte.

Franz von Sales bezeichnete Franziska als eine der größten Heiligen. Nachdem man ihre Gebeine 1638 wieder aufgefunden hatte, wurde Franziska in der damaligen Kirche Santa Maria Nuova in Rom bestattet, die später nach ihr benannt wurde. Am Sonntag nach ihrem Gedenktag wird unweit davon eine Autosegnung vollzogen. Ihr Patronat für Autofahrer beruht wohl auf ihrer Fähigkeit zur Bilokation – an mehreren Orten gleichzeitig zu sein -, was an an ein schnelles Auto erinnert, oder darauf, dass sie stets einen Schutzengel hatte, oder darauf, dass ihre Schwiegertochter Mobilia hieß.

Die Kirche des Klosters Tor de‘ Specchi in Rom, Santa Maria Annunziata a Tor de‘ Specchi, ist nur an Franziskas Gedenktag, dem 9. März, geöffnet. (2017)
Die Kirche Santa Francesca Romana liegt innerhalb des Ausgrabungsgeländes Forum Romanum; dieses kann täglich ab 8.30 Uhr besucht werden, die Schließung erfolgt von April bis September um 19 Uhr, sonst früher je nach Einbruch der Dunkelheit, der Eintritt beträgt – einschließlich Besuch des Kolosseums – 12 € und kann teilweise nur mit Bank- oder Kreditkarte bezahlt werden.

Gebet zur heiligen Franziska von Rom

Allmächtiger Gott, die heilige Franziska von Rom hat uns in der Ehe wie auch im Ordensstand ein Beispiel christlichen Lebens gegeben. Gib deinen Gläubigen die Gnade, in jedem Stand und Beruf dir treu zu dienen, stets auf dich zu schauen und deiner Führung zu folgen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Heilige des Monats Februar >> Heilgie Josefina Bahhita<<

Heilige Josefina Bahhita

Bakhitas Vater war der Bruder des Stammesfürsten der Dagiu; sie hatte drei Brüder, drei Schwestern und eine Zwillingsschwester. Als Siebenjährige wurde sie zusammen mit ihrer Freundin von Räubern verschleppt und in El Obeid / Al Ubayyid an arabische Sklavenhändler verkauft; die Sklavenhändler nannten sie – zynisch – Bakhita, du hast Glück gehabt. Als sie mit einem anderen Mädchen fliehen konnte, wurde sie von einem anderen Sklavenhändler erneut gefangen genommen. Dieser behielt sie zunächst im eigenen Haushalt in El Obeid und schenkte sie dann einem türkischen Offizier, der dort stationiert war; bei ihm erlebte sie alle nur denkbaren Grausamkeiten. Der Offizier machte sie dann dem italienischen Vizekonsul, der in der Hauptstadt Al Khartum lebte, zum Geschenk; der sei wie ein Vater für sie gewesen, sagte sie.

Foto von 1938 Haus an der Stelle des früheren Gutshauses der Familie Michieli in Zianigo 

Als der italienische Vizekonsul zwei Jahre später 1885 nach Italien zurückkehren musste, weil im Sudan der Mahdi-Aufstand gegen die ägyptischen Besatzer stattfand – der erste erfolgreiche Aufstand eines afrikanischen Landes gegen Kolonialismus -, lernte er in Genua Frau Michieli und deren kleine Tochter Mimmina kennen, die sich so sehr mit der inzwischen etwa 15 Jahre alten Bakhita anfreundete, dass Bakhita in der in Zianigo – einem Ortsteil von Mirano bei Venedig – lebenden und wohlhabenden Familie als Kindermädchen eingestellt, aber dennoch weiterhin wie eine Sklavin behandelt wurde. Kurz darauf wollte Bakhita in die örtliche Kirche eintreten, was ihr jedoch untersagt wurde mit der Begründung, dass sie orthodox sei. Der Verwalter der Familie Michieli, der wusste, dass Bakhita tatsächlich keine Christin war, schenkte ihr dann ein kleines silbernes Kreuz, welches sie fortan mit sich führte.

Kirche in Zianigo Markusdom in Venedig, seit 1807 – nach dem Ende der Republik Venedig – Sitz des Patriarchen 

Als die Familie Michaeli 1888/1889 nach Afrika zog, um ihr Hotel am Roten Meer auszubauen, wurde Bakhita im Alter von 19 Jahren zusammen mit ihrem Schützling Mimmina vorübergehend im Kloster Sant’Alvise der Canossianerinnen – dem von Magdalena von Canossa gegründeten Orden der Töchter der Liebe – in Venedig untergebracht. Nach zwei Jahren kam das Ehepaar wieder in die Heimat und forderte Bakhita von der Ordensgemeinschaft zurück, denn es sei ihre Besitzerin; die Oberin war mutig und weigerte sich, Bakhita herauszugeben. Der Fall des Sklavenmädchens wurde Stadtgespräch. Am 9. Januar 1890 wurde Bakhita unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vom Kardinal und Patriarchen von Venedig, Domenico Agostini, in ihrem Kloster getauft.

Josefinas Wunsch, Ordensschwester zu werden, wurde wegen ihrer Hautfarbe abgelehnt. Aber der Kardinal Agostini setzte sich ein, so dass Josefina 1893 bei den Canossianerinnen in Venedig als Ordensschwester eintreten konnte; 1896 legte sie im Mutterhaus in Verona ihre Gelübde ab.

ehemaliges Kloster an der Kirche Sant’Alvise in Venedig 

Josefina lebte nun im Kloster an Sant’Alvise in Venedig, wo sie lesen und schreiben, lernte, sowie die Anfertigung von Handarbeiten. Nach sechs Jahren wurde sie in die Niederlassung der Canossianerinnen nach Schio versetzt, arbeitete 21 Jahre lang als erste Köchin und hatte dabei mehr als 100 Waisenkinder, 40 Schwestern und viele Studentinnen zu versorgen; danach wurde sie Pförtnerin und Mesnerin.

Kirche Sacra Famiglia der Canossianerinnen in Schio, heute Sanktuarium Santa Bakhita 

Bakhita besaß die Gabe der Vorsehung; als während des 2. Weltkriegs die Leute Angst hatten, von Bomben getroffen zu werden, versicherte sie diesen, dass ihre Häuser verschont bleiben, was dann auch eintraf. Die schwarze Ordensschwester wurde zur Sensation in der damaligen Kirche, ihr Schicksal bewegte viele Menschen in Europa; sie reiste durch Italien, um vom Weg ihrer Befreiung Zeugnis zu geben, Kirchen und Versammlungssäle waren überfüllt. Dieses sich-zur-Schau-stellen-Müssen war aber auch Josefinas Leiden, in den letzten Jahren ihres Lebens verstärkt durch Herzkrankheit und Asthma.

Luisa Danesin Codato: Gemälde, 2018, in der Kirche in Zianigo Relief in der Kathedrale in Vicenza 

Nachdem Josefina an einer Lungenentzündung gestorben war, zog die halbe Stadt Schio an ihrem Totenbett vorbei; das schwere Schicksal der Santa madre moretta, der heiligen braunen Mutter hat viele Menschen aufgerichtet. Ihre Gebeine werden im Kloster der Canossianerinnen in Schio bewahrt, dessen Kirche zu ihrem Sanktuarium eingerichtet wurde.

Papst Franziskus erklärte den Gedenktag von Josefine Bakhita zum Internationalen Tag des Gebets für die Opfer von Menschenhandel, er wird in der römisch-katholischen Kirche seit 2015 begangen.

Den Gedenktag der Heiligen Josefina Bahhita feiert die Kirche am 8. Februar

Gebet zur Heiligen Josefina Bahhita

O Gott, Vater der Barmherzigkeit, der du uns in der heiligen Josephine Bakhita als Schwester aller ein evangelisches Vorbild schlichten Glaubens und tätiger Liebe geschenkt hast, gib auch uns den festen Willen, dem Evangelium gemäß zu glauben und zu lieben, und erhöre die Bitten aller, die ihre Fürsprache anrufen. Durch Christus unsern Herrn. Amen

Heiliger des Monats Dezember »Heiliger Bischof Nikolaus von Myra«


Der »Heilige des Monats Dezember« ist der heilige Bischof Nikolaus von Myra. Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 6. Dezember.


Nikolaus wurde der Überlieferung zufolge von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion – heute untergegangener Ort, Namensgeber eines katholischen Titularbistums – nahe seiner Heimatstadt eingesetzt. Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme: so bewahrte er mehrere junge Frauen aus seiner Nachbarschaft in seiner Heimatstadt Patara, indem er heimlich Geld durchs Fenster – oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken – warf, so für eine ausreichende Mitgift sorgte und verhinderte, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste; deshalb gilt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder; eine sehr alte Fassung der Legende behauptet, er habe das Geld seinen Eltern gestohlen, was an eine spätere Legende von Franziskus erinnert.

Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land, nach seiner Rückkehr wählte die Gemeinde Myra ihn zum neuen Bischof und damit zum Nachfolger von Nikandros von Myra. Die Legende zeichnet Nikolaus als temperamentvollen Streiter und zugleich als Mann der fähig war, diplomatisch zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Bei einem Aufstand von in Phrygien stationierten germanischen Söldnern begegnete er in Myra hohen Offizieren aus Konstantinopel – dem heutigen Istanbul, bei denen er nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Drei zu Unrecht gefangen gehaltene Feldherrn konnte Nikolaus der Überlieferung zufolge wundersam befreien, indem er im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in anderer Version rettete er sie, indem er das Schwert des Henkers abwehrend ergriff; deshalb wurde er Patron der Gefangenen. Er rettete Schiffbrüchige, deshalb ist er Patron der Seefahrer. Um ein in Seenot geratenes Schiff zu retten mit drei Pilgern, die von Ephesus – heute Ruinen bei Selçuk – ausfuhren mit für eine christliche Kapelle bestimmtem heiligen Öl, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. 1 Drei ermordete und von Kannibalen bereits in einem Fass zu Pökelfleisch zubereitete Knaben erweckte er wieder zum Leben; Hintergrund dieser Legende ist wohl das um den Nikolaustag üblich gewesene Schlachten vor Weihnachten.

Nikolaus zerstörte mehrere Tempel der Heidengöttin Diana / Artemis, die in den Küstenorten Lykiens als Patronin der Seefahrer verehrt wurde; ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste: Nikolaus‘ Gedenktag 6. Dezember ist Dianas Geburtstag. Während der bald schon einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. 325 nahm Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Überliefert ist, wie er kämpferisch gegen die falsche Lehre des Arianismus vorging; die Legende erzählt, dass er deren Verfechter Arius während des Konzils geohrfeigt habe. Auch mit seinem Freund Bischof Theognis von Nicäa – dem heutigen Íznik -, der den Auffassungen des Arius zuneigte, führte Nikolaus heftige Diskussionen; schlussendlich gehörte Theognis zu den Unterzeichnern des Bekenntnisses von Nicäa. „Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen“, zitiert später Andreas von Kreta den Vermittler Nikolaus. Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Gesicherte historische Nachrichten über das Leben und Wirken von Nikolaus gibt es nicht. In der Überlieferung vermischten sich Nachrichten über einen Abt Nikolaus von Sion nahe Myra und solche über den Bischof Nikolaus aus dem nahen Pinara bei Minare nahe Fethiye. Der Kult um Nikolaus entwickelte sich zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Kaiser Justinian weihte ihm Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel – dem heutigen Ístanbul, in der auch einige Reliquien verwahrt wurden. Der Kult verbreitete sich auch in Griechenland, wo er als „Hyperhagios“, „Überheiliger“, verehrt wird, und kam dann in die slawischen Länder. Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der Verehrung unmittelbar nach Maria. Nikolaus wurde einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen legendären Erzählungen, die vor allem seine menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen. Sein aufgebrochener, leerer Sarkophag wird noch heute in der wieder hergestellten Nikolaus-Basilika in Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.

In Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein, er verbreitete sich dann zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa. Schon Friesen-Missionar Liudger baute der Überlieferung nach die erste deutsche Nikolauskapelle im münsterländischen Billerbeck. 972 brachte Kaiserin Theophanu anlässlich ihrer Hochzeit mit Kaiser Otto II. eine Reliquie – 1660 als „Fingerknochen“ beschrieben – aus Byzanz mit; sie befand sich seit 1058 in der Nikolaus geweihten Kapelle am südlichen Seitenschiff des Domes in Worms und ging 1688 bei der Zerstörung des Domes im Pfälzer Erbfolgekrieg verloren. Um 980 entstand in Deutschland die erste Nikolauskirche im Kloster Brauweiler. Im April 1087 wurden die Gebeine von Nikolaus, dem Patron der Seefahrer, durch Abenteurer aus der Hafenstadt Bari, die auf drei Schiffen anreisten, aus dem Marmorgrab der Nikolaus-Basilika in Myra entwendet und in ihre Heimatstadt entführt. Dort errichtete man auf den Trümmern des byzantinischen Gouverneurspalastes die monumentale Basilika S. Nicola, die Papst Urban II. 1098 weihte; als Translationstag gilt der 8. Mai, der in Bari mit einem großen Unzug begangen wird.

Angeblich die Hälfte dieser Reliquien kam dann nach Venedig in die Kirche San Nicolò di Lido, an der die Seeleute der Marine ihren Truppenübungsplatz hatten; noch heute wird dort alljährlich an Christi Himmelfahrt (inzwischen am Sonntag danach) die „Sposalizio del Mare“, die „Meereshochzeit“, gefeiert. 1098 brachte der Kreuzzugsteilnehmer Aubert de Varangéville aus Bari ein Fingerglied der Segenshand des Heiligen nach Port – dem heutigen St-Nicolas-de-Port – in Lothringen, wo 1093 eine erste Kirche errichtet wurde; sie wurde ein bedeutendes Wallfahrtsziel. Vom 11. bis zum 16. Jahrhundert wurden diesseits der Alpen mehr als 2200 Kirchen nach Nikolaus benannt. Nikolaus ist Patron auch der Pfandleiher und Bankiers aufgrund der Legende um das Geld, das ein Christ höher stellte als sein Versprechen: Ein Christ hatte einem Juden, der ihm Geld geliehen hatte, beim heiligen Nikolaus versprochen, das Geld pünktlich zurückzugeben. Aber er tat es dann nicht, sondern behauptete, er habe den Betrag längst zurückgegeben. Als es in einer Gerichtsverhandlung zum Schwur kam, benutzte er einen Trick: er versteckte das Geld im Inneren eines Stabes und bat den Juden, den Stab zu halten, damit er die Hände für den Schwur frei halten könne; dann schwor er, dass der Jude das Geld habe, nahm dann den Stab wieder und verließ mit dem Geld darin das Gerichtsgebäude. Zur Strafe kam der Christ danach unter einen Wagen und starb; der Jude aber zeigte sich großzügig: er wollte das ihm gehörende Geld nur nehmen, wenn Nikolaus den Christen wieder zum Leben erwecke, was dann auch geschah, woraufhin der Jude sich zum Christentum bekehrte.

Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des „Bischofsspieles“ in Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag – zuerst am Tag der „Unschuldigen Kindlein“, dann am Nikolaustag – als „Bischof“ fungieren durfte; in der Schule des Klosters Montserrat wird dieser Brauch bis heute gepflegt. Daraus entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt, seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt. Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Ansatzpunkte für das Brauchtum und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden. Als Gegenpol zum gütigen Nikolaus, der die Kinder beschenkt, bekam er in verschiedenen Ländern seit dem 17. Jahrhundert Begleiter zur Seite gestellt: in Deutschland Knecht Ruprecht, in Frankreich Père Fouettard, in der Schweiz Schmutzli, in Österreich und Bayern Krampus, der mit Bocksfuß, Teufelsfratze und Kettenrasseln die weniger Braven einschüchtern soll, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den Zwarte Piet, der einen gezähmten Teufel darstellen soll. In der Gegend um Berchtesgaden sind noch wildere Erscheinungsformen als Volksbrauch geläufig: die mit Stroh verkleideten Perchten oder Buttnmandl. Am 6. Dezember wurde nach früherer Perikopenordnung das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäusevangelium 25, 14 – 23) erzählt: Drei Knechten wird jeweils Geld anvertraut; jeder muss Rechenschaft ablegen, was er mit dem Geld gemacht hat. Der bekannte Brauch der Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav und fromm gewesen seien, geht auf diese Praxis zurück. Ursprünglich war der Nikolaustag – nicht Weihnachten – der Tag der großen Bescherung mit Geschenken; in einigen Ländern ist er dies heute noch.

Er ist von Patron von Russland, Lothringen; von Rosenheim in Bayern, Amsterdam, Kanton und Stadt Fribourg in der Schweiz, Bari, Meran und Lagonegro bei Potenza in Italien, Alicante in Spanien, Spetses in Griechenland und New York; der Kinder, der Schüler, Mädchen, Jungfrauen, Frauen mit Kinderwunsch, Gebärenden und alten Menschen, der Ministranten, Feuerwehr, der Pilger und Reisenden; der Sinti und Roma, der Gefangenen, Diebe und Verbrecher, der Eigentümer und Bettler; der Seeleute, Schiffer, Fischer, Flößer, Schiffsbauer, Matrosen und Fährleute, der Kaufleute, Bankiers, Pfandleiher; der Richter, Rechtsanwälte und Notare, der Apotheker, Bauern, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und -händler, Schneider, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Knopfmacher, Brückenbauer, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Kerzenzieher; für glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen Wassergefahren, Seenot und Diebe; (zweiter) Patron des Bistums Lausanne-Genf-Fribourg und des Bistums Bari-Bitonto.

(Quelle: heiligenlexikon.de)

Gebet zum heiligen Bischof Nikolaus von Myra

Gott, du Spender alles Guten, hilf uns auf die Fürsprache des heiligen Nikolaus in aller Not und steh uns bei in jeder Gefahr. Gib uns ein großmütiges Herz, damit wir anderen schenken, was wir empfangen, und den Weg des Heiles ungehindert gehen. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Fest des Heiligen)

Heiliger des Monats November »Heiliger Albertus Magnus«

Seinen Gedenktag feiert die Kirche am 15. November.

Albertus stammte aus einer Ministerialenfamilie, sein Vater übte wohl die Herrschaftsrechte der Staufer in Lauingen 1 aus. 1222/1223 lebte er bei einem Onkel in Venedig und studierte an der damals neuen, renommierten Universität im Palazzo Bo in Padua. Nachdem er den neuen Generalminister des Dominikanerordens, Jordan von Sachsen kennen gelernt hatte, trat er 1223 in den noch jungen Orden ein und studierte weiter in der am Kölner Dom angesiedelten Schule. 1243 bis 1244 lehrte er an der theologischen Fakultät in Paris, wo auch Thomas von Aquin sein Schüler war, und wo er 1245 zum Magister der Theologie promoviert wurde. 1248 wurde Albertus als erster Leiter des Studium generale nach Köln geschickt, wo er eine Ordensuniversität gründete, aus der sich später die Kölner Universität entwickelte. Er förderte den Plan zum Bau des Kölner Domes und richtete Ausbildungsstätten am Dominikanerkloster in Straßburg – an der Stelle des heutigen Temple Neuf – sowie am Kloster in Freiburg im Breisgau und in Hildesheim ein.

Albertus wurde 1254 im damaligen Kloster – an der Stelle der heutigen Hauptpost – in Worms zum Provinzial der Dominikanerprovinz „Teutonia“ gewählt. Er bereiste in diesem Amt den Westen Europas, oft zu Fuß, wanderte von Kloster zu Kloster und sorgte für die Einhaltung der strengen Regeln. 1256 verteidigte er gegenüber der Kurie des Papstes in Anagni das Konzept der Bettelorden gegen die Angriffe v. a. aus der Pariser Universität; dort griff er in einer öffentlichen Disputation auch den Averroismus 2 an, woraus seine Schrift „De unitate intellectus contra Averroistas“, „Über die Einheit des Verstandes, gegen die Averroisten“ wuchs, die dann Thomas von Aquin rezipierte. Im Gehorsam gegenüber dem Willen von Papst Alexander IV. und gegen den des Ordensgenerals übernahm Albertus 1260 das herunter gewirtschaftete Bistum Regensburg. Er war zwei Jahre Bischof von Regensburg und warb dann im Auftrag von Papst Urban IV. 1263/64 in Böhmen und Deutschland mit Predigten für den 7. Kreuzzug. 1264 bis 1266 lehrte er in Würzburg 3, danach in Straßburg, bevor ihm der Papst um 1269 die Rückkehr in die Ruhe des Klosters bei St. Andreas in Köln erlaubte. 1271 vermittelt er hier wieder zwischen dem Erzbischof und der Stadt; insgesamt sind über zwanzig Schiedsverfahren und Friedensschlüsse durch Alberts Vermittlungen bezeugt. Unsicher ist die Überlieferung, nach der er 1277 die Lehren des Thomas von Aquin an der Pariser Universität verteidigte.

Albertus war einer der ganz großen theologischen Lehrer des Mittelalters, deshalb auch „Doctor expertus“, „erfahrener Lehrer“ und „Doctor venerabilis“, „verehrungswürdiger Lehrer“ genannt. Und er war einer der ersten großen mittelalterlichen Naturwissenschaftler in den Fächern Medizin, Biologie, Chemie, Physik, Astronomie und Geografie, daher sein Ehrenname „Doctor universalis“. Aber auch der Verdacht der Zauberei wurde deshalb gegen ihn erhoben. Seine Wiederentdeckung der Naturwissenschaften ergab sich aus der Einführung der aristotelischen Philosophie in die mittelalterliche Scholastik, bei der Albertus zur Schlüsselfigur wurde. In den scholastischen Kreisen des frühen 13. Jahrhunderts waren die Werke von Aristoteles weithin abgelehnt worden, die Kenntnisse der kirchlich geschulten Scholastiker beschränkten sich auf Aristoteles‘ Logik, wie sie in der Tradition von Augustinus und den Neuplatonikern ausgelegt wurde. Albertus beschäftigte sich eingehend mit den Schriften von Aristoteles, unterzog sie einer gründlichen Untersuchung, kommentierte sie und widersprach ihnen gelegentlich aufgrund eigener sorgfältiger Beobachtungen. Seine Gelehrsamkeit umfasste auch arabisches und jüdisches Gedankengut. Er verfasste grundlegend neue Werke und war zu seiner Zeit mit der Autorität des Aristoteles zu vergleichen. In seiner „Summa Theologiae“, seiner umfassenden Darstellung der Theologie, erschienen um 1270, versuchte er aristotelisches Gedankengut mit den christlichen Lehren zu vereinen. Menschliches Denken könne die Offenbarung nicht widerlegen, gleichzeitig sei aber auch das Recht des Philosophen zu verteidigen, die göttlichen Mysterien zu erforschen. Das Werk blieb unvollendet, es wurde sicher zur Inspiration für das gleichnamige Monumentalwerk von Albertus‘ Schüler Thomas. Albertus blieb zeitlebens ein frommer Beter und ein demütiger und bescheidener Mensch. Auch als Bischof von Regensburg behielt er die Fußbekleidung eines Bauern bei und bekam deshalb auch den Kosenamen „Bischof Bundschuh“.

Albertus‘ Reliquien ruhen in der Kölner St.-Andreas-Kirche, seine Hirnschale in der Pfarrkirche St. Martin seiner Geburtsstadt Lauingen. Dort wurde er schon bald nach seinem Tod in einer ihm geweihten Kapelle bei seinem Geburtshaus verehrt, die 1604 abgerissen und nach dem 30-jährigen Krieg durch einen Betsaal ersetzt wurde. Seit 1631 feierte man jedes Jahr seinen Festtag, 1932 wurde ihm ein Denkmal auf dem Rathausplatz aufgestellt, das Gymnasium ist nach ihm benannt. Am 700. Todestag 1980 besuchte Papst Johannes Paul II. das Grab in Köln.

In Padua ist Albertus die moderne Kirche Sant’Alberto Magno geweiht. Albertus wurde 1622 von Papst Gregor XV. selig- und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heiliggesprochen, gleichzeitig wurde ihm der Titel eines Kirchenlehrers verliehen. 1941 erklärte ihn Papst Pius XII. zum Patron aller Naturwissenschaftler. Er ist Patron von Lauingen und Bollstadt; der Theologen, Philosophen, Naturwissenschaftler, Medizintechniker, Studenten und Bergleute.

Gebet zum heiligen Albertus Magnus

Gott, du Quelle aller Weisheit du hast dem heiligen Bischof Albert die Gabe geschenkt, das Wissen seiner Zeit und den Glauben in Einklang zu bringen. Gib uns die Weite seines Geistes, damit der Fortschritt der Wissenschaft uns hilft, dich tiefer zu erkennen und dir näher zu kommen. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

(Tagesgebet zum Gedenktag des Heiligen)